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Abenteuer Grand Canyon – 46 Kilometer Wanderung bis ins Tal

Martin mit Blick in den Grand Canyon
Martin mit Blick in den Grand Canyon

Wie vor ein paar Tagen angekündigt will ich euch heute einen ersten Eindruck von meiner Reise durch die USA geben. In den drei Wochen seit meiner Ankunft ist mittlerweile so viel passiert, dass es mir immer schwer fällt hier ein besonderes Thema für den Blog auszuwählen. Anfangen will ich mit der Geschichte um den Grand Canyon. Von dem mächtigen Canyon hat ja sicherlich schon jeder einmal gehört. Die waren Größenverhältnisse dieses geologischen Naturdenkmals kann man sich aber schwerlich ausmahlen. Zu Beginn war ich mir schon gar nicht sicher von welcher Seite ich den Canyon überhaupt anfahre. Grundsätzlich sind die touristischen Ziele das North – und South Rim. Letzteres gilt als Hauptausgangspunkt für jegliche touristische Aktivitäten und ist dementsprechend mit Reisebussen, RV-Campern und Rucksacktouristen sehr gut besucht. Als Dauerglobetrotter steht man solchen Orten immer etwas mit Ablehnung gegenüber. Ich hatte mich also letztendlich für den Besuch des weitaus verlasseneren North Rims entschieden. Wer es richtig abenteuerlich mag besucht die nordwestliche Seite des Grand Canyon – dort geht es wirklich ins Niemandsland und hunderte Meilen müssen ohne Infrastruktur zurückgelegt werden. (Bin noch am überlegen ob ich das mache! ;-)) Weiter unten findet ihr noch einen V-Log von der Tour.

Was ich während der Anfahrt von Kanab aus nicht wusste war, dass der nördliche Park noch bis zum 15ten Mai geschlossen war. Genau zwei Tage vorher stand ich zum ersten Mal an einem der Aussichtspunkte und konnte einen ersten Eindruck von der Größe erhalten. Allerdings war die Sicht durch die vielen Bäume und Sträucher doch sehr bedeckt. Insgesamt hatte ich nicht mit sooooo viel Wald gerechnet. Ehrlich – man fährt über die Route 22 über mehr als 100 Meilen durch dichtesten grünen Wald. Die Strecken sind sehr gut beschildert, aber selbst auf der detailliertesten Karte kann man sich in dem Labyrinth an Wegen wirklich verlieren. Ein nettes Pärchen aus Texas gab mir den Tipp doch den „Firepoint“ zu besuchen. „Das ist der schönste Aussichtspunkt schlechthin – allerdings liegt dort momentan noch Schnee!“ Solche Tipps sind natürlich immer willkommen und was soll schon so ein bisschen Schnee – denke ich mir – und begebe mich auf die kurvige Route. Genau dann wurde die Tour zum richtigen Abenteuer. Der letzte Schnee des Winters machte es mir doch schwer überhaupt nach vorne zu kommen. Aber Katze hat mich treu durch den kalten Untergrund geschoben.

Erster Blick auf den Canyon
Beschilderung im National Forest
Fahrt zum Firepoint

 

Nach stundenlangen Strapazen, viel Geschiebe und sicherlich 3mm Profilverlust am Heidenau Scout wurde ich allerdings herrlichst belohnt. Die Aussicht vom Firepoint in das Tal bis zum Colorado River muss wirklich seinesgleichen suchen. Der Ort gehörte die ganze Nacht mir alleine. Ich kann mich kaum erinnern schon einmal meine Hängematte besser aufgehängt zu haben. In der Ruhe beobachte ich die vielen Vögel, auch große Raubvögel, die im Wind der Klippen stetig ihre Kreise über den Canyon zogen. Einziger Wermutstropfen als Fotograf, war der Dunstschleier von Luftverschmutzung, dem selbst mit dem besten Polfilter nur schwerlich Herr zu bekommen war. Im Licht des Halbmondes hatte ich mir deswegen noch die Mühe gemacht Nachts um zwei Uhr aus dem warmen Schlafsack zu steigen für ein paar schöne Panoramas. Um einen Vorstellung für die Entfernungen zu bekommen: Die Spitze des hohen Grades in der Mitte ist knapp fünf Kilometer entfernt. Bis zum Colorado River in der Tiefe sind es insgesamt zwei Kilometer und jener ist selbst von diesem guten Aussichtspunkt nicht einmal ansatzweise zu erkennen. Der Ort lädt also ein wieder in Gedanken zu schwelgen, welche Naturgewalten hier am Gange waren und über Jahrmillionen diese spektakuläre Landschaften zu schaffen.

Als einziger Vergleich dazu kommt mir der Cotahuasi und Colca Canyon in Peru in den Sinn. Beide sind sogar noch etwas tiefer – aber die Art wie die verschiedenen geologischen Gebirgsschichten im Grand Canyon hervortreten ist durchaus einzigartig und macht den großen Unterschied an Schönheit. (Cotahuasi Canyon Menschen Bilder -> klick, Cotahuasi Canyon Motorradfahrt ins Tal -> klick)

 

Bester Hängematten Platz ever…
Grand Canyon – Firepoint in der Nacht

 

Ich hatte noch ein paar vergleichbare Aussichtspunkte angefahren, aber keiner war so eindrücklich wie der Firepoint. Nach drei Tagen und vielen Blicken in die Tiefe fehlte mir aber dennoch das Gefühl für die Größe der vor mir liegenden Schluchten. Deswegen hatte ich mich dazu entschlossen eine Wanderung bis hinunter zum Colorado River zu bestreiten. Als einzig vernünftige Möglichkeit bietet hier der Rim zu Rim Trail im Nationalpark die Möglichkeit. Am ersten Tag der Wiederöffnung besucht ich also den bestens organisierten Park des North Rims. Von jener Tour habe ich euch ein kleines Video mit der neuen DJI Osmo Pocket gemacht.

Der Trail ist von der nördlichen Seite als Tageshike wirklich eine Herausforderung. 2000 Höhenmeter und 22 Kilometer lang zieht sich der wunderbare Wanderweg dabei in die Tiefe. Mit dem Extra an Rivertrail von knapp zwei Kilometern kommt man am Ende also auf 46 Wanderkilometer die insbesondere den Rückweg zu einem anstrengenden Unterfangen werden lassen.

 

 

Am Ende war ich 15.5 Stunden unterwegs und musste danach sogar noch 15 Kilometer bei 6° und weniger bis zu meinem Campingplatz ausserhalb fahren. Falls ihr euch über diese Tortur wundert – leider waren alle Campingplätze im Tal und im Nationalpark schon ausgebucht und mir blieb eigentlich keine andere Möglichkeit als die Wanderung an einem Tag durchzuführen. Für das Gefühl und das Verständnis um den Grand Canyon hat es sich aber mehr als gelohnt. Bei solchen Wanderungen bleibt die Fotografie immer gerne etwas zurück, aber gerade zum Abend beim Aufstieg waren die Felshänge und die Natur doch noch herrlichst beleuchtet. Insgesamt hatte ich mir den Colorado River doch etwas anders vorgestellt. Ich hatte Bilder von steilen Klippen im Kopf, die man allerdings wohl nur mit einer ausgiebigen Bootstour erkunden kann. Sehr interessant waren auch die in der Blüte stehenden Kakteen mit ihrem meterhohen, gelben Stock besetzten „Blümchen“. Über die vielen Höhenmeter hat sich die Flora ohnehin stark verändert. Auch waren die Temperaturen im Tal doch weitaus höher als 2000 Meter höher.

Ich denke ein Besuch des Grand Canyon gehört auf die To-Do Liste eines jeden Weltenbummlers. Und eine Wanderung zum Colorado River auch – um überhaupt einen Eindruck von den Ausmaßen dieses schönen Ortes in den USA zu bekommen. Vom South Rim aus geht dies auch wesentlich einfacher und wer will kann sogar mit ein paar Ponys wieder nach oben reiten. ;-)

Anbei noch ein paar Bilder vom Rückweg! Ihr könnt euch gar nicht vorstellen wie froh ich um 22:30 Uhr über die Griffheizung an Katze war.

Man tut was man kann!

 

„Immer den Träumen hinterher!“

Weites Tal zum Abend
Colorado River von der ersten Brücke
Brücke über den Fluss
Beim Aufstieg
Kaktuss in Blüte

 

Alle Videos im V-Log wurden mit der DJI Osmo Pocket gemacht. Darüber werde ich in einem nächsten Post noch einmal berichten. Die Bilder sind hingegen mit meiner Nikon D7500 und dem Sigma 10-20mm entstanden. Links führen zu Amazon – mit einem Kauf unterstützt ihr Freiheitenwelt.de – Vielen Dank!

Weitere Informationen zu meiner Ausrüstung findet ihr wie immer -> Hier.

Auch diese beiden Artikel über die USA sind sehr interessant:

Mit dem Motorrad in das Tal des Totes – Death Valley USA

White Rim Road – Motorradtour und Wanderung in Utah USA

 

Euer Martin

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5 Kommentare zu Abenteuer Grand Canyon – 46 Kilometer Wanderung bis ins Tal

  1. Da fällt mir ein: Von Kanab aus, genauer von Colorado City, wo die strenggläubigen Mormonen wohnen (es gibt weit mehr weniger strenge, aber die strengen fallen auf), gibt es einen Abzweig nach Süden, der auf dem TAT liegt und durch den Grand Canyon National Park nach Las Vegas führt. Empfehlenswert!

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