Wüstentour Teil 1

Marrakech, Marokko. Schon 2 Tage sind wir in der alten Stadt. Ein großes, buntes Durcheinander. Eilig scheinen es die Menschen zu haben. Mann, Frau, ob alt oder jung rasen auf Mopeds wild durch die Straßen. Es wird gehupt, gedrängelt, gelärmt. Wer meint hier langsam durch die Stadt schlendern zu können wird sich täuschen. Manche Gassen bieten kaum Platz um nebeneinander zu laufen. Händler werben lautstark um die Gunst der Kunden. Wollen sie doch Ihre Taschen, Teppiche, Gewürze und sonstige Waren an den Mann bringen. In mancher Ecke sitzt der ein oder andere Bettler. Hauptsächlich ältere Frauen. Verschleiert sitzen sie da und warten auf kleines Geld. Zwischendurch fährt schon mal ein alter Eselskaren vorbei. Die Tiere scheinen es gelassen zu nehmen. Mehr oder weniger gesunde Katzen und Hunde streunen durch die Gegend. Läuft man durch die bunten Märkte der Medina kann man sich schon mal leicht verlaufen. Die Stadt hat bestimmt auch ruhige Ecken. Aber für uns steht erst mal fest – wir wollen hier raus. Nur wie?

 

Warnschild auf dem Weg zum Erg

Warnschild auf dem Weg zum Erg

 

Frei wollen wir sein, zumindest für eine kurze Zeit im Urlaub. Warum also nicht in die Sahara, im Süden des Landes fahren? Bestimmt kein schlechtes Reiseziel. Wir machen uns also auf die Suche nach einem geeigneten Gefährt. Nach Mhamid, einem Ort nahe der algerischen Grenze, wollen wir fahren. Mit dem Bus wäre es zwar möglich aber sicherlich auch anstrengend. Die Taxifahrer würden sich freuen. Ein Mietauto. Individualität und Komfort, aber auch irgendwie langweilig.

Schon vor der Reise hatte ich den Gedanken vielleicht mit dem Motorrad in die Wüste zu fahren. Wir sehen uns alte Roller und teure BMW Motorräder an. Irgendwie scheint nichts dabei zu sein. Ich denke an meine 1150er GS Adventure, welches Zuhause schön brav in der Garage steht. Da steht sie gut – hilft uns leider hier nicht weiter. Nach einigem hin- und her geben wir auf und lassen den Sonntagabend planlos zu Ende gehen.

Wird wohl doch ein Auto werden!

 

Motorradspaß in Marokko

Motorradspaß in Marokko

Montags nach dem Frühstück lässt uns der Gedanke die Wüste mit dem Motorrad zu erkunden einfach nicht los und wir sehen uns in einem Mopedladen um. „Wenn nicht mieten vielleicht kaufen“. Der Händler hat nur kleine Kisten, rät uns aber einmal um die Ecke bei seinem Freund vorbei zu sehen. Kaum laufen wir zu dem versteckten Laden sehen wir schon die neue Honda Enduro stehen. Keine 1500km gelaufen. „Die ist es aber jetzt““ freut sich Jana. Ich sehe das ganz genau so und nach dem ganzen Papierkramm geht es noch am gleichen Tag raus. Für 5 Tage gehört das gute Stück uns. Super – endlich etwas Abenteuer.

Der 250 ccm² Einzylinder tuckert vor sich hin. Als verwöhnten GS Fahrer nicht gerade viel Power. Aber es fährt. Eigentlich sogar sehr gut. Besser als erwartet. Ja – wir fliegen nahezu über den Asphalt, immer Richtung Süden. Es fühlt sich einfach nur klasse an. Die Sonne strahlt, der Fahrtwind kühlt. Die Landschaft zieht an uns vorbei und unser marokkanischer Horizont erweitert sich von Kilometer zu Kilometer. Ziemlich unvorbereitet tragen wir lediglich einen Jethelm, haben unsere Rucksäcke provisorisch an das Motorrad geschnallt. Einen Rucksack montiere ich sogar vor dem Frontscheinwerfer. Scheint niemanden zu interessieren. Nicht einmal die Polizisten am Wegesrand. Diese winken uns auch noch freundlich hinterher. Na gut.

Zwischen Wüste und Marrakesch liegt das Atlas Gebirge. Über enge Serpentinen geht es hinauf bis zu verschneiten Berggipfeln. Ein wahrer Traum für Motorradfans. Die Berge scheinen immer schöner zu werden. Links, rechts, Bremsen und Gas geben. Alles vom feinsten. Meiner Sozia scheint es auch zu gefallen. Ist sie zumindest ruhig und singt ab und an auch schöne Lieder. Eine gute Zeit.

Je höher wir auftsteigen desto kälter wird es auch. Gegen 20.00 Uhr sind wir schon 3 Stunden gefahren und ich erhoffe mir ein Hotel zu finden. Die Fingerspitzen werden schon ganz schön kalt. Auch unsere dünnen Klamotten bieten nachts nicht den erwünschten Schutz. Eine Stadt folgt der anderen – leider immer ohne Hotel. Auch das GPS hilft uns nicht weiter. Das Kartenmaterial ist einfach zu schlecht.

 

Traumhafte Straßen zeigen sich

Traumhafte Straßen zeigen sich

 

Irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht, ich kann einfach nicht mehr. Wir halten bei einem der vielen Touristenläden an. Alles Mögliche verkaufen diese an vorbeikommende Reisende. Wir wollen nichts kaufen sondern suchen eine Bleibe. Ein älterer Marokkaner spricht uns an. Sagt uns, dass kein Hotel hier oben in den Bergen sei, erst wieder im Tal. Das hört sich nicht so gut an.

Nach einigen dummen Blicken unsererseits lädt er uns kurzerhand zu sich nach Hause ein. Einen Schlafplatz sollen wir bekommen, ein schönes Abendessen und wie wir bald feststellen. Noch VIEL mehr…

Fortsetzung folgt.

 

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Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

5 Kommentare

  1. Toller Bericht und schöne Fotos – danke dafür! War ja ein ziemliches Kontrastprogramm. Bin schon auf die Fortsetzung gespannt!

  2. Na – wie wir heute gelernt haben wachsen die Wüsten ja. Da wirst dann irgendwann schon noch automatisch hinkommen. Bzw. die Wüste kommt zu dir… ;-)

    Gruß Martin

  3. Wegen der Ereignisse in Marokko müsst Ihr leider etwas auf die Fortsetzung warten. Irgendwie bin ich nicht in der Stimmung zu schreiben. . .

    Gruß Martin

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