Das Spiel mit der Farbe – Beamer Kalibrierung mit Spyder 5 Elite – Epson

Martin mit Projektoren

Martin mit Dicker Brummer und Co.

Es wird wieder einmal etwas technisch im Blog. Die letzten Wochen war ich intensivst damit beschäftigt, ein vernünftiges Setup an Geräten und Software für meine kleine Vortragsreihe aufzubauen. Das ist mitunter ein nicht ganz einfaches Unterfangen. Wer sich z.B. schon einmal mit dem Kauf hochwertiger Projektoren oder einer PA-Anlage beschäftigt hat, wird mir dies sicherlich bestätigen. Da tun sich ganze Universen auf. So soll das komplette System natürlich sinnvoll in Kombination genutzt werden können, transportabel sein, ausfallsicher funktionieren und am besten nicht viel Kosten. Den letzten Punkt hatte ich übrigens ziemlich schnell verworfen. Ohne Moos ist bei Multivision aber mal wirklich gar nix los meine lieben Freunde. Zumindest nicht, wenn man einen gewissen Qualitätsstandard für die Präsentationen fordert. An der Stelle kann ich dann auch einfach nicht über meinen eigenen Schatten springen und mich mit Kompromissen begnügen. Na hoffentlich kommt ihr auch alle brav zu den Vorträgen, damit sich die liebe Ausrüstung wieder amortisiert. ;-)

Heute soll es um die lieben Projektoren gehen und in diesem Zusammenhang um die Farbkalibrierung meiner Epson Beamer. Hauptsächlich gilt das natürlich für das Flaggschiff EB-G7400 mit 5500 Lumen. Ich hab das Gerät “Dicker Brummer” getauft – erklärt sich eigentlich von selbst. Da Beamer ja gerade in der Bucht scheinbar vom Himmel fallen, hab ich auch noch einen weiteren 5000 Lumen Beamer (EB-2255U) als Ersatz geschossen und der kleine aber feine EB-U04 fährt ja schon eine ganze Weile hier rum. Bevor einer fragt. Nein die Beiden haben keinen Namen. Irgendwie stehen wir uns nicht so nahe.

Das liebe Spiel mit der Farbe. Das Thema war mir auch auf meiner Reise schon etwas leidig. Ich arbeite ausschließlich auf meinem MACbook 13″ Retina. Wie fast alle Displays von Apple neigt auch jenes meines Rechners eher zu kälteren, bläulichen Tönen. Das kann zu Farbunterschieden führen, wenn man z.B. ein Bild oder Buch drucken lässt. Von der Darstellung auf anderen Bildschirmen will ich mal gar nicht sprechen, da ich hier schon die scheußlichsten Einstellungen gesehen habe. Generell fährt man gut, wenn man sich hier an die meistverbreiteten Standards hält. Im Mittel liegt man damit somit beim Betrachter meist ziemlich richtig. Und so hatte ich mir auf Reise nur sehr sporadisch die Mühe gemacht die Farben meines Displays anzupassen. Ich hatte sogar einen Datacolor Spyder 3 Kalorimeter mit im Gepäck. Wie das Gerät nach 3.5 Jahren in der Motorradtasche aussieht könnt ihr unten sehen. Bei sich ständig verändernden Lichtbedingungen und Örtlichkeiten macht die Kalibriererei überhaupt keinen Sinn. “Eigentlich” wäre es ja nötig, sagt der Profi – aber “eigentlich” ist eben auch relativ und unterwegs schlichtweg nicht praxistauglich. Aber – mittlerweile bin ich ja wieder Zuhause und somit sind die Rahmenbedingungen ganz andere.

 

Spyder 3 + 5

Spyder 3 nach 3.5 Jahren auf Reise und Spyder 5

 

Im Zuge der Produktion von meiner Live Vortragsreihe “Crazy Travels” war mir schnell aufgefallen, dass insbesondere die Farben bei meinen Bildern hier und da große Unterschiede in der Farbbalance zeigten. Das führe ich auf die oben genannten sich ständig ändernden Lokalitäten bei der Bildbearbeitung zurück.  In Brasilien am Meer ist das Licht eben ganz anders als in einer dunklen Berghütte in den Bergen Perus. Schon bei der Arbeit an der Präsentation, aber spätestens bei den ersten Live Auftritten, war mir der starke Unterschied wirklich ein Dorn im Auge. Der Einfachheit halber hatte ich im ersten Anlauf die Unterschiede alle an meinen Epson-U04 angepasst. Soll heißen ich hatte die Bilder bei der Projektion im schnuckligen Wohnzimmer ganz einfach direkt auf den Projektor bearbeitet. Die erste Show – die Vorpremiere – in Dinkelsbühl sah danach auch wirklich spitzenmäßig aus. Nur leider bei späteren Auftritten mit fremder Ausrüstung, war sie dann wieder dahin, die schöne Farbtreue. Da ist mir noch gut der Auftritt in Hamburg im Gedächtnis. Mühselig mussten wir die Farben noch über das Menü des Projektors anpassen. Das Ergebnis war OK – aber nich “perfekt”.  Und das ging mir ziemlich auf die Nerven, schließlich will ich meine Bilder bestmöglichst präsentieren.

Und so sind wir dann wieder bei der Farbkalibrierung angekommen. Romane könnt ihr darüber im Internet lesen. Ich will euch hier nur kurz meinen kleinen Praxisbericht geben. Erstmal ist es natürlich vom Vorteil wenn der Bildschirm des Computers die Farben richtig darstellt. Weitaus wichtiger bei einem Vortrag ist aber definitiv ein Projektor mit korrekter Farbwiedergabe. Da ich nun ja mein eigenes Setup habe, bot es sich natürlich an dem Ganzen richtig auf den Grund zu gehen und zumindest für die Shows, bei denen “Dicker Brummer” die erste Geige spielt, alles vernünftig anzupassen. Da mein Spyder 3 schon das Zeitliche gesegnet hatte, kaufte ich mir kurzerhand das Nachfolgermodel, den Spyder 5 Elite. In dieser Version preist der Hersteller Datacolor eben auch die Funktionalität der Projektorkalibrierung an. Ich war gespannt!

 

Praxisbericht:

Screenshots Beamer

Einfache Testumgebung im Wohnzimmer

Screenshots Beamer

Messprogramm

 

Zum Test hatte ich meine kleine 2 Meter Leinwand aufgezogen. Der Spyder wird in einem Abstand von knapp 30 Zentimeter vor die Leinwand gestellt. Danach folgt die Arbeit mit der Software. Wie in der Anleitung beschrieben kann man als Gerät auch “Beamer” auswählen. Nur komisch das danach die Marke Epson nicht zu Auswahl bereit steht. Auch fehlt mir hier Canon – beide zusammen sind sie eine der Weltweit größten Hersteller von Projektoren. Aber gut – ich gebe danach eben Epson selber ein und folge den Anweisungen auf dem Bildschirm. Als Zielwert gebe ich einen Wert von 6500 Kelvin vor. Das entspricht auch der Vorgabe des Projektors und orientiert sich am Licht, welches wir ungefähr zur Mittagszeit haben. Danach rattert der Spyder auch schon mit seinem Messprogramm los. Der Vorgang dauert vielleicht +- 5 Minuten. Danach kommt der sogenannte “Spyder Proof” Bildschirm, wo man sich die Ergebnisse ansehen kann. Schön und gut – im ersten Anlauf sah das schon mal nicht schlecht aus. Zuvor waren die Farben viel zu gesättigt und auch der Kontrast vom Dicken Brummer war mir etwas zu viel des Guten. Generell war ich aber noch nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Zu knackig, künstlich sah das irgendwie aus.

 

Screenshots Beamer

Endergebnis mit Anpassung Farbton rot / orange

 

Schnell stellte ich fest, dass insbesondere auch der Farbmodus des Projektors eine entscheidende Rolle spielt. So gibt es hier z.B. einen Dynamischen, Kino und auch sRGB Modus. In Theorie kann bedingt durch die 3LCD Technik von Epson und der eingebauten Auto-Iris bei den ersten beiden Modi ein besserer Schwarzwert erzielt werden. Das hört man dann auch immer durch ein leichtes Piepsen, wenn die Iris sich nachstellt. Grundsätzlich wirken die Bilder und Videos aber immer weitaus kontrastreicher. Für den ein oder anderen Kinostreifen mag das gut funktionieren. In meinem Fall sollen die Bilder aber so gut als möglich eben dem entsprechen, was ich auch meinem kalibrierten MAC – Display entnehme. Und somit stellte ich auf den sRGB Modus um und ließ das Prozedere noch einmal von vorne laufen. Nach 5 Minuten hatte ich mich tierisch gefreut. Die Bilder sahen für mich auf den ersten Blick absolut identisch mit denen auf dem Retina Display aus. Nur auf den zweiten Blick stellte ich fest, dass rote und orange Farbtöne nicht ganz korrekt dargestellt wurden. Jene hab ich dann direkt im Menü des Projektors etwas nachkorrigiert und fertig. ;-)

Das gleiche Spiel fand darauf noch mit den anderen beiden Projektoren statt. Ich kann euch sagen, dass, abgesehen von der Lichtleistung, die Bilder in meinen Augen absolut gleich aussehen. Bedingt durch die große Optik scheint mir das Bild des G7400 um einiges schärfer zu sein. Das hängt natürlich auch noch von der Leinwand ab. Interessant wird es verschiedene Farbprofile miteinander zu vergleichen. So kann man sich die prozentuale Farbabdeckung im Vergleich zu gängigen Farbprofilen wie AdobeRGB und sRGB anzeigen lassen. Die Ergebnisse lassen Böses vermuten und ich würde dafür nicht meine Hand ins Feuer legen wollen. Aber macht euch anhand der Testgraphen einfach selber ein Bild.

 

Fazit:

Grundsätzlich arbeitet der Datacolor Spyder 5 mit Projektoren sehr effizient und innerhalb von vielleicht 30 Minuten konnte ich ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis erzielen. Allerdings hat die Software schon ein paar besondere Eigenheiten die mir nicht so ganz gefallen. Die Fehlende Vorkonfiguration für die Projektormarke ist dabei nur ein Punkt. Auch vermischt sich oft der Modus für Projektoren mit den anderen für Bildschirme und Laptops. Das ist wirklich sehr komisch.

Generell ist es so, dass die Hardware für alle drei Versionen. Spyder Express, Spyder Pro und Spyder Elite absolut gleich ist. Der Unterschied kommt mit der Software. Auch wenn ich das nicht probiert habe, aber ich gehe stark davon aus, dass bei geeigneter Vorgabe die gleiche Messung auch mit der deutlich günstigeren Express Version möglich ist. Dabei muss man der Software eben einfach einen Beamer vorgaukeln. Für PC Nutzer gibt es ohnehin noch ganz andere Softwarelösungen, was man gerne in einschlägigen Heimkino-Foren nachlesen kann.

 

 

 

Ich denke wer bis hierhin gelesen hat, der interessiert sich wirklich für das Thema. Mich würde interessieren, ob jemand ähnliche Erfahrungen bezüglich der Farbwiedergabe mit Epson Projektoren gemacht hat? Meldet euch einfach. ;-)

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Schönen Gruß

Martin


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Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

2 Kommentare

  1. Hallo,
    ich hatte das gleiche Problem mit den orginalen Softwarelösungen von Spyder Pro.
    Mit diesen Programmen;

    DisplayCAL und ArgyllCMS

    sind die Ergebnisse sehr viel besser.

    Die Kalibrierung dauert viel länger (ca. 2 Stunden).

    Liebe Grüße

    • Hi – Die Programme sind mir bekannt. DisplayCAL gibt es sowohl für MAC und PC – das sollte ich wohl auch einmal testen.

      Die Software von Datacolor ist wirklich sehr verbesserungswürdig. Was für einen Sensor hattest du?

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