Meine Erfahrungen mit dem Datacolor Spyder X – Einfache und schnelle Kalibrierung

Spyder X - Kalibrierung Erfahurng

Wer sich intensiv mit der digitalen Fotografie beschäftigt wird sich früher oder später einen ordentlichen Bildschirm wünschen. Eine effiziente und qualitativ hohe Bildschirm-Kalibrierung ist dabei schon obligatorisch. Datacolor bietet seit 2019 den neuen Spyder X als direkten Nachfolger des Spyder 5. Neben dem Spyder 3 hatte ich auch den Spyder 5 lange im Einsatz. Lohnt sich der Umstieg auf den neuen Sensor? Das will ich euch in diesem Artikel gerne beantworten.

Spyder X - Kalibrierung Erfahurng

 

Anmerkung: Wie ich insbesondere meine Großprojektoren mit dem Spyder 5 kalibrierte hatte ich schon -> hier beschrieben <-. Der Vorgang ist mit dem neuen Spyder X (Nur Elite) der gleiche.

Das Spiel mit der Farbe – Beamer Kalibrierung mit Spyder 5 Elite – Epson

 

Warum ein neuer Spyder?

Da ich die letzten beiden Jahre wieder mehr als 12 Monate auf Reise war kümmerte mich das Thema Bildschirmkalibrierung unterwegs recht wenig. Bei sich ständig ändernden Lichtbedingungen und der Arbeit auf dem Notebook würde man mit all der „nötigen“ Einstellerei am Ende gar nicht mehr zum Bearbeiten der Fotos oder dem Reisen kommen. Ich spreche hier durchaus aus Erfahrung, da ich für meine Südamerika Reise am Anfang tatsächlich den oben genannten Spyder 3 mit auf Tour hatte. Außer das der kleine Helfer einen Kratzer nach dem anderen bekommen hatte, war er sonst allerdings wenig hilfreich. Das Leben „On The Road“ ist dafür meistens viel zu turbulent. Für gewöhnlich vertraue ich in diesen Zeiten dann auf ein zu neutralen Bedingungen eingestelltes Farbprofil, welches ich mir einmal zurechtlege und zusätzlich dazu der gelegentlichen Ansicht meiner Arbeiten auf anderen Displays. Ich kenne viele Fotografen mit tollen Arbeiten, welche auch völlig auf eine Kalibrierung des Bildschirms verzichten. Am Ende muss hier jeder die für sich beste Möglichkeit finden.

Da ich nun wieder für einige Wochen einen festen Arbeitsplatz habe und mein nächstes großes Projekt „Nordamerika“ ansteht hatte ich mir auch endlich einmal einen größeren Bildschirm zugelegt. Geworden ist es der BenQ SW2700PT* den ich parallel an meinem MacBook 15″ betreibe. Beide Bildschirme liefern für sich eigentlich schon ein sehr gutes Bild – nur waren die Farben der beiden Displays irgendwie von völlig verschiedenen Welten. Als Referenz konnte der BenQ mit seinem deutlich erweiterten Farbraum mit bis zu 99% AdobeRGB dienen – allerdings hatte ich es nie geschafft beide LCD’s in Einklang zu bringen. Und was noch viel wichtiger ist sollte im besten Fall das Bild auf dem Bildschirm einem Ausdruck gleichkommen. Beides war nicht gegeben und somit hatte ich mir den Spyder X* gekauft.

 

Was ist neu am Spyder X?

Den Spyder X gibt es als Pro und Elite Version, was den Unterschied in der Software macht. Der wichtigsten Grund für den Elite wäre, dass man damit auch Beamer kalibrieren kann. Die genauen Unterschiede findet ihr auf der Herstellerseite. Eine deutlich günstigere Express Variante wie bei den Vorgängern ist nicht mehr verfügbar. Ich denke hier trickst Datacolor all jene aus, die sich zwar den guten Sensor wünschen, aber Open-Source Software wie z.B. DisplayCal oder die Software der Monitorhersteller verwenden wollen. Ich habe mich wegen dem doch stark angehobenen Preis für die Pro Variante entschieden. Meine Projektoren kalibriere ich zu selten, als das es den Mehrkosten gerecht würde. Dafür kann dann auch gerne DisplayCal herhalten, was ausser das es um Welten langsamer arbeitet (2 Minuten gegen 2 Stunden), sehr gute Arbeit leistet.

Im Vergleich zu den Vorgängern verspricht Datacolor

  • Deutlich schnellerer Kalibrierungsprozess in unter 2 Minuten
  • Neuer Farbsensor mit optischer Einheit
  • Mehr Details in den Schatten
  • Präzisiere Farben
  • Gleichbleibende einfach zu bedienende Software
  • Monitore mit hoher Auflösung und erweiterten Farbraum werden unterstützt
  • Neues weißes Gehäuse mit offener Linse

 

Zeit für die Kalibrierung

Da die Hardwarekalibrierung meines BenQ Monitors leider etwas trickreich ist (Darüber schreibe ich auch noch einen Artikel) habe ich mich völlig auf die Software von Datacolor verlassen. Mein Ziel war es beide Bildschirme auf ein gleiches Niveau zu bekommen. Bevor es überhaupt losgeht muss man sich die passende Software -> hier <- herunterladen und mit dem Lizenzcode installieren. Danach geht es auch schon los und Schritt für Schritt führt die Software durch den Prozess.

Die Screenshots zeigen die Software bis zum Begin der eigentlichen Messung. Die Menüs sind eigentlich alle selbsterklärend. Neu in der Software war für mich die Auswahl den LED (Wide) – Wide-Gamut-Displays mit erweitertem Farbraum. Zumindest der BenQ sollte diese Anforderungen entsprechen – beim MacBook war ich mir unsicher, da der Bildschirm erst getauscht wurde. Ich hatte für beide die gleiche Wahl getroffen.

Screenshot Datacolor Spyder X Software
Vorbereitung für die Messung
Screenshot Datacolor Spyder X Software
Auswahl Wide Gamut Display

 

Danach kann man sich für eine vollständige Kalibrierung, einen Check oder die Rekalibrierung entscheiden. Wenn sich die Arbeitsbedingungen nicht ständig ändern reicht es sicherlich alle 2-3 Monate einmal neu zu kalibrieren. Nebenbei verwendet der Spyder ja auch eine Umgebungslichtmessung. Jene wählte ich für meine Anwendung aus, da sich die Lichtbedingungen am Arbeitsplatz über den Tag doch ändern. Da ich nicht völlig im Dunkeln sitzen will und auch gerne einmal das Fenster aufmache vertraue ich also auf den Lichtsensor des Spyder X, welcher mir jeweils Bescheid geben sollte wann ich die Beleuchtung des Bildschirms anpassen muss oder weitere Schritte nötig sind.

In meinem Fall war während des Tages eine Helligkeit von 180 cd empfohlen – nach meiner Erfahrung werde die meisten hier bei einen Wert um die 120 cd landen. Zum Abend ist dem auch bei mir so – dann schaltet die Software auf ein anderes Profil um. (Das ist dann aber schon irgendwie Expertenmodus – also weiter mit der sonst einfachen Bedienung. ;-)) 

Screenshot Datacolor Spyder X Software
Auswahl der wichtigen Parameter
Screenshot Datacolor Spyder X Software
Messung der Umgebungsbeleuchtung

 

Nachdem die Grundwerte vorgegeben wurden muss man nur noch den Sensor passend auf den Bildschirm setzen. Wenn sich der Bildschirm etwas neigen lässt hilft dies den Spyder X plan auf den Monitor zu bringen. Das Gewicht legt man einfach auf die Rückseite des Bildschirms. Sobald die Messung startet sieht man wie der Ladebalken unten läuft und die verschiedenen Farben gemessen werden.

Screenshot Datacolor Spyder X Software
Spyder auf den Bildschirm bringen

 

Was mich wirklich begeistert ist die schon erwähnte deutlich höhere Geschwindigkeit mit dem der Spyder X arbeitet. Das hat mich so fasziniert das ich gleich noch ein kurzes Video dazu aufgenommen hatte. Wem das interessiert der klicke einfach einmal auf den Link hier. -> Video von der Kalibrierung mit Spyder X

Nach der Messung des großen Bildschirms kommt noch eine Vorher/Nachher Seite über welche man die Ergebnisse anschaulich testen kann. Seit Spyder 5 kann man auch seine eigenen Bilder dafür nutzen, was ich immer ganz gerne mit einem sehr bunten Bild mache. Der Unterschied zum eigentlich schon hardwareseitig kalibrierten BenQ-Bild vor der Messung war dann doch deutlich zu sehen. Rein subjektiv betrachtet erscheint das Bild nun weitaus harmonischer – zuvor hatte ich immer das Gefühl das Bild hätte einen rötlichen Ton.

Nach dem speichern des Profils folgte sofort die zweite Messung für den MacBook bei gleichen Umgebungslicht Voreinstellungen. Auch hier ging der Vorgang super fix.

Weiter interessant ist auch die Auswertung des Farbumfangs Anhand einer umfangreichen Grafik. Hier kann man dann doch die Qualität des BenQ herauslesen. Für AdobeRGB ist der Bildschirm deutlich besser gerüstet. Für alle Anwendungen im Internet, wo noch immer sRGB regiert, eignen sich beide Bildschirme. Es wird interessant sein zu sehen ob sich jener Farbumfang über die Jahre eventuell verändert.

 

Das Ergebnis

Nach nicht einmal 5 Minuten waren beide Bildschirme eingestellt und das Endergebnis lies sich wirklich sehen. Anhand meiner eigenen Bilder kontrollierte ich die Farben noch einmal nach. Tatsächlich ist es so, dass ich nie eine schnellere und genauere Messung mit einem Spyder erhalten habe. Ich denke die Bilder sprechen für sich. Das der Retina Bildschirm des MacBooks insbesondere im (typisch für AdobeRGB) grünen Farbbereich mit Einschränkungen leben muss macht sich in keinster Weise bemerkbar. Dennoch ist die Referenz in diesem Fall klar der BenQ SW2700PT*.

 

Fazit für den Spyder X

Wer vernünftige Bildergebnisse auf dem Bildschirm für sich, Veröffentlichungen im Internet oder für den späteren Druck voraussetzt, sollte sich mit dem Thema Kalibrierung von Monitoren auseinandersetzen. Es gibt auch für weniger Geld schon sehr gute Monitore, welche im besten Fall den Wide-Gamut-Farbraum unterstützen. Bei Notebooks ist das nicht immer möglich. Aber Tatsache ist, dass die Kalibrierung selbst schlechtere Bildschirme wieder zum Leben erwecken kann. Wie das Beispiel zeigt ist auch ein hardwarekalibrierter Bildschirm wie der BenQ nicht 100% richtig voreingestellt. Insbesondere spielt ja auch die Arbeitsplatzbeleuchtung noch eine entscheidende Rolle. Auch mit dem teuersten Eizo wird man hier sicherlich ein noch besseres Ergebnis aus dem Display holen können.

Man sollte sich immer überlegen wie und wo die eigenen Bilder betrachtet werden sollen. Wenn das Bild für euch auf dem Bildschirm stimmig und richtig aussieht heist das noch lange nicht, dass es auch bei anderen Nutzern so ist. Dann kann es auch vorkommen, dass man völlig falsch an seinen Bilddateien arbeitet und am andere Ende sieht alles keineswegs so brilliant aus wie man es sich wünscht. Ein guter Test ist hier auch immer einfach einmal ein paar Bilder in den Druck zu geben und mit dem Bildschirmergebnissen zu vergleichen. ;-)

Am Ende ist der Monitor dann die entscheidende Schnittstelle zwischen euren Augen und der Fotografie die ihr betreiben wollt. Deswegen denke ich die Investition in solch einen kleinen Helfer durchaus gerechtfertigt.

Was für mich für den Spyder X spricht ist die deutlich schnellere Bearbeitungszeit. Das ist wirklich eine ganz andere Welt. Auch der Spyder 5 war schon ziemlich fix – aber hinkt dazu trotzdem deutlich hinterher. Im Vergleich zu meinem Steinzeit Spyder 3 ist das Bildergebnis deutlich besser. Das kann ich schon auch deswegen sagen, da ich versucht hatte eben jene Kombination damit zu kalibreiten. Der 3er hat somit für mich nun nach vielen Jahren ausgedient.

Wer sich einen neuen Spyder kaufen will macht mit dem X nichts falsch. Da die Software einfach und gut funktioniert sehe ich auch keinen Grund DisplayCAL oder andere Software zu verwenden die wirklich deutlich langsamer arbeitet und kaum bessere Ergebnisse liefert. Auch das hatte ich probiert und für den BenQ dauerte die Messung damit fast zwei Stunden. Also ganz ehrlich diese Zeit hab ich dann doch nicht und arbeite lieber an ein paar neuen Bildern.

Wer schon einen Spyder 5 hat für den macht ein Umstieg wohl weniger Sinn. Den Turbospeed wird man nicht bekommen, aber die Sensoren sind weitgehend gleich geblieben. Interessant sind aber vielleicht die Updatemöglichkeiten auf Pro+ und Elite+ welche auf der Homepage angeboten werden.

Für alle BenQ Besitzer mag noch interessant sein, dass die Spyders erst ab Version 4 mit der Hardwarekalibration des Bildschirms funktionieren… Aber dazu melde ich mich noch bei Gelegenheit.

 

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Viel Spaß und immer schöne Bilder

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