Skateboarder fotografieren – Sportler verstehen – Blitzen lernen

Wie fotografiert man eigentlich Skateboarder? Genau das habe ich mich die letzen Tage gefragt und irgendwie hat mich der Gedanke nicht mehr losgelassen. Ich bin ja immer offen für Neues. Selber war ich nie ernsthaft auf einem Skateboard gestanden und hab auch sonst von dem Sport so überhaupt keine Ahnung. Aber warum eigentlich nicht – „learning by doing“ heißt die Devise. Also wie an die Sache heran gehen? Natürlich braucht es erstmal einen Skateboarder, eine Location, eventuell einen Blitz, oder mehrere, und eine Kamera… Und dann? Sicherlich gibt es ja noch viel mehr zu beachten. Ja – dem ist auch so! Also erstmal kucken was einschlägige Skateboardfotografen so abliefern. „Reversefotoengineering“ – ich erfinde dieses Wort nun einfach einmal. Dabei suche ich mir zum Thema passende Bilder und versuche herauszufinden, wie genau der jeweilige Fotograf die Aufnahme abgelichtet hat. Wer etwas im Internet, 500px oder Instagram sucht findet abertausende Fotos, vom Määääh-Foto bis zum Wow-Hammerbild. Allerdings trennt sich die Spreu vom Weizen ziemlich schnell. Und ich will Weizen Bilder – kein Spreu-Massenbild…

Jo – fett Dude – geiles Ding! So ungefähr…

 

Greg Lee Skateboard Trick 1

Foto 1: ISO 200 – 10mm – f/4 – 1/125s

 

 

Vorbereitung und Ausrüstung:

Was haben wir von den Bildern gelernt? Skateboarder (oder Skateboarderinnen) sind meist ziemlich sportlich, zaubern waghalsige Stunts und sind sonst auch einfach super coole Typen. Die Kleidung und der Stil scheint sehr wichtig. Tatooos – yep! Lange Hosen sind offensichtlich noch cooler. Die Location kann gerne einen schäbigen Charakter haben, Graffiti klar – je mehr desto besser, bietet interessante „Kanten“ und Spielraum für besondere Perspektiven. Je nach Tages- oder Nachtzeit werden auch gerne Blitzgeräte eingesetzt. Bei Tageslicht werden große leistungsfähige Studioblitze mit Akkupacks benötigt, um überhaupt mehr als einen Aufhelleffekt zu erzielen. Meist sind dann zwei bis drei dieser großen Geräte im Einsatz. Zusätzlich können mit einigen Aufsteckblitzen noch schöne Schatteneffekte erzielt werden. Dazu kommen noch verschiedene Reflektoren etc. etc. Es soll die ganze Location ausgelichtet werden, um den „Stunt“ genau wiedergeben zu können. Beliebt sind auch Weitwinkel- oder Fisheyeperspektiven von 10 bis 20mm. Teleaufnahmen findet man seltener. Standard scheinen Brennweiten zwischen 35 – 85mm (Vollformat) zu sein. Fotografiert wird mit einer DSRL-Kamera. Smartphone- und Kompaktkameras können Zuhause bleiben. Die bevorzugte Blende liegt geschätzt irgendwo zwischen f4 und f8. Das sollte es so in etwas treffen. Strikte Regeln scheint es keineswegs zu geben. Aber das ist wohl so ein guter Leitfaden.

 

Profiliste Skateboardfotografie:

  • Cooler Skateboarder der was kann
  • Coole Location
  • Coole DSRL-Kamera
  • Coole Objektive – Brennweiten von 10 – 80mm
  • Cooles Blitzsystem – bevorzugt fette Studioblitzgeräte, mind. 2
  • Coole Lichtformer
  • Coole Blitzfernauslöser

 

Eine solch umfangreiche Kameraausrüstung habe ich auf Weltreise natürlich nicht im Gepäck! Aber das muss ja nun nicht das Ende bedeuten. Schnell hatte sich ein Skateboarder gefunden, welcher bereit war mein „Experiment“ zu unterstützen. Zusammenfassend sah meine Ausrüstungsliste dann so aus:


Meine Ausrüstung:

 

 

Die ersten Gehversuche:

Greg Lee Skateboarder Trick 2

Foto 2: ISO 200 – 50mm – f/1.8 – 1/250s

 

Als ich zum ersten Mal auf dem Skateplatz war, hatte ich doch so meine Probleme eine günstige Perspektive zum fotografieren zu finden. Zum einen bietet solch ein Skatepark eine Fülle von Ecken und Kanten, um mit dem Bildausschnitt zu experimentieren, zum anderen sind es aber auch meist jene interessanten Spots die Lieblingsplätze der Skateboarder. Ja – und in deren „Haus“ will ich jenen natürlich nicht in die Quere kommen. Ohnehin war es viel zu schwer einfach drauf los zu fotografieren. Deswegen hatte ich mir das bunte Treiben eine Weile angesehen und mir die besten Skateboarder am Platz ausgesucht. Wie schon erwähnt hatte ich ziemlich fix Greg Lee kennengelernt. Schnell hatte er erkannt, dass ich es hier ziemlich ernst meine und nicht nur für ein paar Schnappschüsse am Platz bin. Wir hatten uns also auf einen Spot konzentriert und wie in einer Endlosschleife hatte Greg immer den gleichen Trick gefahren. Irgendwas mit KickFlipHighTurn-whatever oder so… Keine Ahnung ehrlich!

Ich hatte mit verschiedenen Brennweiten herum gespielt und festgestellt, dass ein Weitwinkellook keineswegs ein Patentrezept für spektakuläre Skateboardbilder ist. Es Bedarf schon einiger Übung den Bildausschnitt so zu wählen, dass der Sportler nicht all zu sehr verzerrt wird. Foto 5 ist ein gelungenes Beispiel hierfür.

Ziemlich schnell war ich also bei meinen beliebten Festbrennweiten gelandet. Wie sonst üblich, wenn ich Menschen fotografiere, wollte ich die Blende so weit wie möglich offen haben, um den Hintergrund auszublenden. Soweit so gut! Es ist wirklich eine Herausforderung mit der offenen Blende einen schnellen Skateboarder richtig zu fokussieren. Von 10 Fotos gingen sicherlich 5 daneben. Deswegen benutzen Leute die eine Ahnung von dem Ganzen haben wohl auch größere Blendenzahlen. Um Greg noch mehr vom Hintergrund abzuheben, hatte ich versucht meinen SB700 einzusetzen. Nun gut – bei Tageslicht fehlte da dann doch die Power, obwohl das Gerät nur 1.5 Meter entfernt auf der Rampe stand. Die Bewegungen wurden nicht genügend eingefroren (Bild 2 und Bild 3 – z.B. die Hand) und auch das Abdunkeln vom Hintergrund hatte nicht so geklappt wie ich mir das vorgestellt hatte. Ohne genügend Blitzlicht waren scharfe Bilder mit der Blitzsynchronzeit von 1/250s also nur begrenzt möglich. Dann doch besser ohne Blitz zur Tageszeit.

 

Greg Lee Skateboarder Trick 3

Foto 3: ISO 100 – 10mm – f/3.5 – 1/250s

 

Nach dem ersten Kennenlernshooting hatte ich am Ende gerade einmal fünf Fotos parat, welche mir vorzeigenswürdig erschienen. Bei genauerer Betrachtung und nachträglicher Diskussion mit Greg waren es genau genommen aber 0 Bilder. ;-( Ich hatte nämlich einen wichtigen Aspekt unbeachtet gelassen. Den „Moment“! Ein Foto ist kein Video und der Betrachter des Bildes soll erkennen was genau passiert. Ein Skateboarder kann sofort sagen, welcher Trick auf dem Bild zu sehen ist, auch wenn das Bild ja nur eine Momentaufnahme ist und sich ein im Kreis drehendes Brett mit Rädern schlecht in Bewegung zeigen lässt. Bei den Bildern 2 und 3 ist somit überhaupt nicht offensichtlich, ob Greg den Sprung auch beenden konnte, wie sich das Skateboard dreht und wie seine Körperbewegung ist… Leute – an der Stelle wird es wirklich kompliziert. Mehr dazu weiter unten.

 

Blitzen lernen:

Es galt also noch viel zu lernen. Für das nächste Treffen mit Greg hatten wir eine spätere Zeit vereinbart. Somit war klar, dass ich ohne ein passendes Blitzgerät sicherlich nicht das Haus verlassen werde. Es gab noch einiges zu verbessern. Auch war es eine günstige Gelegenheit meine neuste Errungenschaft, die Godox Softbox, zu nutzen und noch etwas mehr mit verschiedenen Blitztechniken zu experimentieren. Eine besser Schule gibt es nirgends. Im Internet gibt es tausende von Tutorials, Lernvideos etc. zum Thema Blitztechnik. Dafür kann man auch richtig viel Geld ausgeben. Ich will euch an dieser Stelle einmal die Homepage Strobist von David Hobby empfehlen. Mehr braucht es nicht – ehrlich! Etwas einlesen und danach gehts auch schon los.

Somit war mein Ausflug in die Skateboardfotografie nun eine gute Blitzschule. Ich bin wirklich begeistert von meiner Godox Softbox, welche auch als Reflektor benutzt werden kann und somit meinem Nikon SB700 noch richtig Power verleiht. Wirklich erstaunlich, welche Fläche man mit nur einem Aufsteckblitz ausleuchten kann. Im Testfoto (Foto 4) könnt ihr das sehr schön sehen. Dort hatte ich das Umgebungslicht, also die Flutlichter für den Skatepark, zum Großteil ausgeblendet. Der Blitz war auf einem Stativ knapp einen Meter über der Rampe aufgestellt.

 

Greg Lee Skateboarder im Park

Foto 4: ISO 200 – 10mm – f/4 – 1/100s

 

Schon nach den ersten Blitzfotos war klar, dass dies nun schon mehr meiner Idee von „Weizenbildern“ entspricht. Greg war auch begeistert und somit hatten wir einige Spots ausprobiert. Ehrlich gesagt war es dann fotografisch auch schon fast wieder langweilig. Nachdem die Belichtung, Perspektive, Blitzleistung etc. richtig eingestellt war, hatte ich vor allem eines zu tun -> Geduld walten lassen. Fail, Fail, Fail… Blitz, Blitz, Blitz… Löschen, Löschen, Löschen… Greg wollte sich natürlich von seiner besten Seite zeigen und hatte besonders spektakuläre Tricks ausprobiert, was wiederum zu besonders spektakulären Stürzen führe – aber auch dazu mehr weiter unten in „Sportler verstehen“.

Zurück zum Blitzen. Ohne Tageslicht war es natürlich leichter das Umgebungslicht komplett auszublenden. Somit konnte ich noch viel mehr mit dem künstlichen Licht experimentieren. Meist hatte ich mich darauf konzentriert, dass der Sportler komplett und ohne Schatten zu sehen war. Ganz selten hatten ich auch den integrierten Blitz der Kamera mit eingesetzt. Wie z.B. im Foto mit Greg auf der Rail (Foto 5). Eines meiner Lieblingsfotos der Serie. Natürlich ist man mit einem Blitzgerät beschränkt und es fällt schwer die ganze Umgebung zu beleuchten. Aber für ein spontanes Experiment kommt man, wie ich denke, auch mit weniger Ausrüstung sehr weit.

 

Greg Lee Skateboarder Trick 4

Foto 5: ISO 200 – 10mm – f/3.5 – 1/100s

 

Sportler verstehen:

Für Greg war es das erste Mal, dass ein „Fotograf“ ernsthaftere Bilder von ihm und seinem Sport machen wollte. Skateboarden ist sein Leben, sein Hobby und seine Leidenschaft. Natürlich wollte er sich nun bestens präsentieren. Beim zweiten Treffen konnte ich schon anhand seiner Kleidung sehen, dass ihm das Ganze sehr wichtig erschien. Auch bestens für mich – mit motivierten Leuten lässt sich immer besser zusammenarbeiten. Mit ungebremster Energie hatte er einen schönen Slide, Kick-Flip, Grind nach dem anderen abgeliefert und ist höher gesprungen als zuvor. Und er ist auch weit öfters neben mir gelegen als zuvor. Autsch! Da haben auch mir die Knochen weh getan. Nun – wenn man streng nach dem „Skateboarderehrencodex“ handelt, kann und sollte man kein Foto veröffentlichen, in welchem der Boarder den Trick nicht gestanden hat. Auch wenn jenes fotografisch gesehen eigentlich „perfekt“ wäre. Foto 6 ist hier ein gutes Beispiel. Tolle Perspektive, hoher Sprung, super Belichtung, Greg vor schwarzem Hintergrund sehr schön frei gestellt. Aaaaaber – was macht er da denn eigentlich?!? Foto 7 ist schon besser. Leider ging da die Perspektive allerdings flöten.

Es konnte so also nicht weiter gehen und ich hatte Greg angewiesen einen Gang herunter zu schalten. Auf dem Foto wird keiner sehen ob sich das Skateboard ein, zwei oder dreimal im Kreis dreht. Auch kann ich durch andere Perspektiven seine Tricks noch spektakulärer erscheinen lassen. Gesagt getan! Tja und schon lief es wesentlich besser. Nach einigen Testaufnahmen hatten wir die Bilder kurz durchgesprochen und er hatte mir die wichtigen Details des Tricks erklärt. Die Sache mit dem oben genannten Moment sozusagen. Sein Frontside Rockslide (haha – ja auch ich lerne) war perfekt getroffen. Und das gleich einige Male hintereinander. Welches Bild das ist müsst ihr nun selber wissen. ;-)

 

Greg Lee Skateboarder Trick 5

Bild 6: ISO 200 – 10mm – f/4 – 1/100s

Greg Lee Skateboarder Trick 6

Foto 7: ISO 200 – 10mm – f/4 – 1/100s

 

Solange ich noch in Manaus bin, werde ich eventuell Greg und seine Freunde noch einige Male mehr treffen. Sicherlich werde ich kein Skateboardfotograf, aber es hat wirklich Spaß gemacht sich einmal mit einem anderen Thema zu beschäftigen. Nette Leute trifft man so auch gleich ganz automatisch.

Viel Spaß beim Nachmachen – Skateparks gibts übrigens auch in Deutschland und nicht nur im Amazonas. Auch irgendwie eine verrückte Sache für mich – wenn man mal so genauer darüber nachdenkt.

 

Greg Lee Skateboarder - Trick 7

Foto 8: ISO 200 – 50mm – f/4 – 1/125s

 

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Martin

 

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Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

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