Rally Dakar 2014 – meine Etappe – Teil 2

Dakar 2014 Motorrad

Dakar 2014 Motorrad

Bevor die Rally Dakar 2014 bald in Valparaíso, Chile, ihr Ende findet, hier noch der zweite Teil meines Berichtes. Den ersten Teil findet ihr hier…

 

Eine lange Staubwolke zieht sich bis zum Horizont. Der ungarische Quadfahrer hat zurück in sein Rennen gefunden. Das Motorengeräusch verstummt! Während ich noch etwas verträumt in Richtung der Route blicke höre ich hinter mir Rufe. Die Menschenmenge wird plötzlich lauter. „Las coches, las coches!“, höre ich einen vielleicht 10 Jahre alten Jungen rufen. Er ist aufgeregt, so geht es auch mir! Kaum angekündigt, passiert auch schon das erste Auto die Kreuzung zum Flussbett. Mehr als eine Staubwolke nehme ich davon nicht wahr. Nur die Geräuschkulisse lässt mich erahnen wo genau sich das Fahrzeug befindet.

 

Im Gegensatz zu den kleinen Fahrzeugen fahren die Autos geradeaus weiter. Dementsprechend schneller sind die Piloten auf diesem Teilstück unterwegs. Wie schon bei den Motorrädern und Quads führen die erfahrensten Teams die Gruppe an. Bei den Zweirädern ist offensichtlich festzustellen, wie das Fahrkönnen mit steigender Startnummer kleiner wird. Während die ersten Fahrer die 90° Kurve mit einem fast schon lässigem Drift passieren, um danach mit Vollgas und im Wheely weiter zu fahren, haben spätere Piloten sichtlich Probleme mit der Kurve. Einige fahren daran vorbei, andere wiederum passieren langsamer als ein Mofa und ein Pilot stürzt sogar. Zur späteren Stunde wird die Anzahl an Motorrädern und Quads merklich geringer. Mit den ersten Rallyautos vermischt sich das Feld zusehends.

 

Wassermoto Dakar 2014

Wassermoto

 

Zurück zum Fahrkönnen: Genau so verhält es sich nun bei den Rallyautos. Die ersten zwanzig Fahrzeuge donnern ungehindert von riesigen Felsbrocken, tiefen Spurrillen und Wasserlöchern einfach dahin, als wäre das Terrain eine ganz normale Landstraße. Sicherlich spielt die Technik hier auch eine Rolle, dennoch, während manche Piloten schnurstracks alles platt bügeln was da so im Flussbett herumliegt, umfahren andere größere Felsbrocken oder betätigen auch schon mal die Bremsen. Vielleicht auch eine Sache des Fahrstils. Was weiß schon ich!

Am besten gefallen mir die Toyota Hilux umbauten. Genau so stell ich mir ein Rallyfahrzeug vor. Imposant, groß, breit, stark und mit richtigem Offroadcharakter. Und der Sound – naja – der lässt sich schwer in Worte fassen. Brooooaaammmmm – oder so vielleicht. Auch gut sind die vielen Minis, welche sich ja sichtlich bewähren. Weitaus weniger beeindruckend finde ich die vielen Prototypen. Diese muten mir all zu futuristisch an. Manche kommen mir daher wie eine Spinne (mit vier Füßen) auf Rädern. Aber die Meinung, dass die „Protos“ langweilig sind, teilt sicherlich nicht jeder.

 

Matschflug

Matschflug

Fan Argentinien

Fan Argentinien

 

Den argentinischen Fans hingegen ist es sichtlich egal, was hier auf vier oder zwei Rädern durch die Prärie holpert. Jeder Fahrer, jedes Team wird immernoch lauthals gefeiert. Mittlerweile hat auch schon so mancher Rallyfan ordentlich Alkohol im Blut. Damit brüllt es sich auch gleich noch viel besser und lauter. Einer der Fans ruf mir immer zu, winkt mich heran: „Alemania, Alemania – foto, foto!“ Dem komme ich gerne nach. Außer Rand und Band springt der „Amigo“ vor mir herum und freut sich tierisch, wenn ich meine große Nikon auf ihn richte. Seine Freunde amüsieren sich auch köstlich darüber. Somit haben alle ihren Spaß. Ein anderer Fan nimmt es wesentlich gelassener. Mit einem Schild aus Pappe grüßt er seine Lieblingsfahrer und trägt lässig eine Landesflagge über seine Schulter. Genau ihn frage ich zum späten Nachmittag, ob er nicht etwas Wasser für mich hätte. In dieser Wüste sieht es nämlich ziemlich schlecht mit kühlen Getränken aus. Meine bisherige Wasserquelle wurde von den vielen Autos schlichtweg zu Staub und Wasserdampf verarbeitet.

 

Rallyfan_hit

Rallyfan_hit

 

Er lädt mich ein – zu seiner Familie, seinem Tisch unter einem schützendem Zelt. Mein Gastgeber drückt mir einen Liter eiskaltes Mineralwasser in die Hand. Wo hat er das nur her? Zum wundern bleibt keine Zeit und meinen Durst bekämpft das Wasser nur all zu gut. Selber trinkt er Bier und Wein, ich lehne ab – muss ich ja schließlich noch fahren.

Fast gänzlich unbeachtet liegen auf dem Tisch sicherlich fünf Kilo gebratenes Fleisch herum. Typisch für Argentinien. Ich bin selbstverständlich auch eingeladen mich daran zu verköstigen. Dem komm ich gerne nach, war die ganze Fotografiererei doch auch sehr anstrengend. Staub und Dreck klebt mir auf der Haut und ich bin im Schweiß gebadet. Aber das stört hier niemand, sind wir ja schließlich, umsonst und draußen, live dabei bei der Rally Dakar 2014. Es gibt also tatsächlich auch einen Imbiss neben der Rennstrecke. Diesen hab ich ja nun gefunden und bin begeistert von der Gastfreundschaft der Argentinier. Wir diskutieren über das Rennen und die Dakar im Allgemeinen. Die langsameren Autos passieren mittlerweile mehr oder weniger beachtet die Zuschauer. Alle warten nun auf die großen Trucks – die LKW.

 

EinladungDakar

EinladungDakar

 

Dann – der nächste Highlight des Tages. Ein Fiat bleibt liegen und alle zieht es hoch von ihren Stühlen. Wieder amüsiere ich mich über die hinreisenden Art, mit welcher die Fans auf die Rallyfahrer zugehen. Es ist für alles gesorgt. Wasser, Sonnenschutz und an Ratschlägen scheint es nicht zu mangeln. Auch die Flagge darf natürlich nicht fehlen. Die Fahrer sind trotz der Panne sichtlich gut gelaunt. Ein Reifenwechsel ist für sie ein Klacks. Nebenbei bekommt der Motor noch etwas Futter in Form von Wasser aus einem Kanister.

Keine fünf Minuten steht das Auto still. Beide lachen sie freundlich und winken zum Abschied. Als der Motor wieder ertönt folgt ein gemeinsamer Jubelschrei als würde Messi gerade ein Tor für die argentinische Nationalmannschaft schießen. Da ist sie wieder – die Atmosphäre, welche solche ein Rally einzigartig macht.

 

Panne

Panne

Panne Reifenwechsel

Panne Reifenwechsel

Flagge Hallo

Flagge Hallo

 

Dir Rumsitzerei wird mir zu blöd! Die LKW lassen lange auf sich warten. Ich entschließe mich knapp 35 Kilometer zum nächsten Viewpoint zu fahren. Ich hoffe darauf noch einmal die Zweiräder zu sehen. Eine Entscheidung die ich rückblickend bereue. Zwar konnte ich nochmal alle Motorräder, Quads und Autos besichtigen, die Polizisten an diesem Teilstück waren allerdings sehr unentspannt was die „Nähe“ zum Rennen betrifft. Selbst 50 Meter Entfernung waren nach deren Meinung noch viel zu riskant für die Zuschauer. Enttäuschung macht sich breit! Selbst mit 450mm gelingen mir keine aufregenden Fotos mehr. Also wieder zurück zum anderen Teilstück. Dort angekommen passiert gerade der letzte LKW das Flussbett. Ich ärgere mich tierisch. Dieser LKW soll auch der einzige sein denn ich im Rennen sehe. Gut – das ist nun blöd gelaufen. Ich fahre zurück nach San Rafael. Auf der Fahrt zurück begegne ich drei weiteren LKW. Allesamt hatten sie technische Probleme.

 

LKW Reparatur

LKW Reparatur

 

„You are the best!“, lese ich auf einem Schild. Zwei junge Mädchen stehen am Straßenrand. Sie winken mir zu, werfen mir Handküsse hinterher und feiern ebenfalls die Dakar. Überall stehen Gruppen von Menschen neben der Straße. In bester Partylaune, freuend über die vorbeifahrenden Fahrzeuge. Die „Special Stage“ ist vorüber und die Fahrer lassen sich Zeit. Frei nach dem Moto: „Das beste kommt zum Schluss!“, werde auch ich gefeiert. Was habe ich denn getan? Ich bin doch nur ein Tourist! Mehr als einmal werde ich zum Fotoshooting angehalten und um Autogramme gebeten. Mein Motorrad macht einmal mehr Eindruck. Es ist mir unangenehm und ich versuche mich zu erklären. „Sólo soy un turista!“ Den Menschen ist es egal! Es wird gefeiert! Irgendwann ist es auch mir egal und ich gebe mich dem ganzen hin. Zusammen mit dem ein oder anderen Rallyfahrzeug fahr ich im Konvoi bis zum Autodrom, dem Nachtlager der Dakar, ständig gefeiert, fotografiert und bejubelt.

Es macht einfach nur Spaß!

 

Gruppenfeier

Gruppenfeier

 

So – das war also meine Rally Dakar Erfahrung. Gerne hätte ich noch mehr Etappen angesehen. Aufgrund der enormen Strecken, welche die Teams täglich zurück legen, ist dies leider nicht möglich.

Dennoch! Die Stimmung hier war wirklich einzigartig und ein weiteres Erlebnis reiht sich in meine Weltreiseerinnerungen ein. Nun geht meine ganz persönliche Rally um die Welt wieder ihren eigenen Weg. Nicht ganz so schnell, aber sicherlich nicht langweiliger.

 

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Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

2 Kommentare

  1. Es ist sehr schön zu lesen, wie losgelöst und frei von der Seele die Menschen dort feiern können und sich an dem abenteuerlichen Ereignis Dakar erfreuen können – vielen Dank für die Schilderung dieses Erlebnisses und die tollen Bilder!

  2. Hartmut Wartenberg

    Hi,
    Tolle web side, hat Spass gemacht zu stöbern. Aus dem Tor an dem Deine Fahrt in Südamerika beginnt ,bin ich schon zweimal aufgebrochen. Macht Lust auf mehr………
    Besonders wollte ich für Deinen Erfahrungsbericht mit der neuen 1190 danken. Bis jetzt 17000.- Gefahren und das problemlos, allerdings hauptsächlich on Road und kein Staub. Viele Abdates erhalten unterwandertem den Anlasser der 1290, nach Startschwierigkeiten unter 10 Grad. Aber nochmals vielen dank für Deine Härteprobe.
    Ich wünsche Dir alles Gute, vielleicht kreuzen sich unsere Wege einmal.

    Gruß Hardy

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