Kolumbien – aller Anfang fällt schwer

Vulcanizadora

Nette Werkstatt in Kolumbien

Nun habe ich es doch tatsächlich aus Ecuador heraus geschafft. Einen Tag vor Ablauf des Visas und der Zollpapiere für das Motorrad gerade noch rechtzeitig, um einer teuren Strafe zu entgehen. So stand ich also an der Grenzstation von Ecuador zu Kolumbien. Ein einfacher Grenzübertritt wurde mir vorhergesagt. “Easy going” – “Straight forward”, so die Worte in verschiedenen Reiseforen. Ist wohl alles Definitionssache. Ich kenne definitiv bessere Grenzen, was die ganze Organisation und den Ablauf der nötigen Bürokratie betrifft. Fast vier Stunden bin ich von einem Schalter zum nächsten gelaufen, hatte sinnlos in Schlangen gestanden und mich von A nach B durchgefragt. Vielleicht hatte ich das System auch einfach nicht richtig kapiert? Es bedarf wohl einen Schuss südamerikanischer Gene, die in meinem Körper schlichtweg fehlen, um die Logik im chaotischen System zu verstehen. Besonders spannend war einmal wieder der Zoll, welcher eine Fülle von unnötigen Kopien der Papiere, und ganz neu, Fotos vom Motorrad verlangt hatte. Das gab es bis dato noch nie. Ist mir nur unerklärlich was die lieben Beamten nun mit den ganzen Katzenfotos wollen. Seis drum! Gekostet hat das Ganze zum Glück nur wenig und somit rolle ich kurz vor Sonnenuntergang die ersten Kilometer im Norden Südamerikas ab.

 

Panne 4

Vier gelbe Helferlein

Vulcanizadora

Reifen und Mann auf Fahrrad in der Straße Kolumbiens

Ventil

Gebrochenes Ventil

 

Die erste Nacht verbrachte ich in einem eher weniger schönen Städtchen mit dem Namen Pasto. Nach der doch anstrengenden Fahrt hatte ich mir auch einmal ein etwas schickeres Hotel gegönnt. 12 € für eine Nacht im besten Laden der Stadt. Mehr als einen kleinen Einblick in das Leben Kolumbiens konnte ich vom ersten Abend kaum bekommen. Nach einem kurzen Abendessen musste ich meine Route durch das Land noch etwas optimieren. Besser spät als nie sozusagen. Für den nächsten Tag hatte ich so einiges vor. Ich wollte der größten Lagune Kolumbiens, Laguna de la Chocha, einen kurzen Besuch abstatten und danach weiter in den Nordosten fahren. Wie so oft kam es allerdings anders als geplant. Knapp 14 Kilometer nach Pasto verabschiedete sich mein Hinterreifen und Katze lies mich auf einem kurvenreichen Hügel stehen. Ich habe wirklich ein Talent jeden verloren gegangenen Nagel auf den Straßen Südamerikas aufzuspüren. Nach einem kurzen Seufzer und langem Atem begann ich mit der nötigen Reparatur. Mittlerweile kann ich das Hinterrad schon im Schlaf ein- und ausbauen. Keine Minute nach dem Stillstand kamen mich vier sehr nette Herren in gelben Anzügen besuchen. Jeder von ihnen wollte mit besten Rat und Tat Unterstützung leisten, was die ganze Arbeit aber keineswegs beschleunigte. Stattdessen verloren sich die Männer in Diskussionen zur Technik eines Motorradreifens. Mein Motorrad stellt ja ohnehin ein großes Fragezeichen für die Kolumbianer dar. Somit musste ich höflich darum bitten doch an meiner Panne arbeiten zu können. War eine ziemlich lustige Situation.

 

Die Lagune

Blick vom Boot auf die Lagune

Spiel mit dem Wasser

Nette Bekanntschaft auf dem Boot

Hafen am See

Kleines Dorf nahe der Lagune de la Cocha

 

Doppelpanne! Das Loch war geflickt und somit konnte die Fahrt weiter gehen. Leider hatte sich auch das liebe Ventil verabschiedet, was sich allerdings erst 5 Kilometer später bemerkbar machte. Geil – ein weiterer Seufzer und noch längerer Atem war also höchst angebracht. Mit meinem von mir schon heilig gesprochenen Minikompressor befüllte ich das Rad gerade noch so weit, um bis zur nächsten Vulcanizadora zu rollen. Dort angekommen musste ich den lieben Chefmechaniker aus seinem tiefen Mittagsnickerchen holen. Der Mann gähnte mich an und gewann somit mein vollstes Vertrauen für die anstehende Reparatur. Danach ging es ziemlich fix weiter. Auch die beiden Männer der Werkstatt waren äußerst nett und hilfsbereit. Der Schlauch war völlig hinüber und zum Glück hatte ich noch meinen in Brasilien erworbenen Ersatzschlauch mit im Gepäck. Die Beschaffung eines 18″ Michelin Heavy Duty (whatever) super-duper-unkaputtbaren Motorradschlauches wäre hier unmöglich gewesen.

 

Bootsmann

Der Mann vom Boot

Die Lagune

Blick vom Boot auf die Lagune

 

Somit war auch der zweite Tag in Kolumbien schon so ziemlich gelaufen. Aus dem Zwischenstop an der Laguna de la Chocha wurde dann ein kurzer Ausflug mit dem Boot und eine abenteuerliche Nacht, Wildcampen, neben der Straße nahe der Lagune. Leider hatte das Wetter nicht wirklich mitgespielt und zum Morgen konnte ich außer dicken Dunstwolken vom vielen Wasser nur sehr wenig sehen. Äußerst interessant war das kleine Städtchen direkt am Ufer des Sees, was zwar sehr auf Touristen fokussiert ist, allerdings alleine wegen den kleinen Booten und den vielen bunten Holzhäusern durchaus einen gewissen Zauber ausstrahlt. Nach der Nacht am See fuhr ich 300 Kilometer über wirklich atemberaubende Strecken in Richtung Norden. Selten hatte ich über solch lange Zeit eine wahre Kurvenorgie abgefahren wie hier. Besonders interessant waren auch die letzten Kilometer vor Mocoa. Über Schotter und steilste Serpentinenstraßen ging es vom hohen Gebirge bis ins tropische Tal. Angekommen in der Stadt ließ mich die Sonne so richtig dahin schmelzen. 35° im Schatten war ich nach der langen Zeit in den Anden nicht mehr wirklich gewöhnt. Somit suchte ich mir den nächsten Fluss, um kopfüber ins kalte Nass zu tauchen. Ziemlich spät am Abend erreichte ich San Augustin.

 

Strasse nach Mocoa

Straße nach Mocoa

Spaete Ankunft

Ankunft zur Dunkelheit – Wildcampen

Laguna de la Cocha

Laguna de la Cocha

 

Tag drei! Das kleine Bergdörfchen lädt zum entspannen ein. Die Ruhe des Ortes nimmt einen regelrecht ein. Schon am Tag zuvor konnte ich die spezielle Stille hier genießen. Voller Tatendrang hatte ich mir zum Morgen statt der Motorradstiefel einmal wieder die Laufschuhe angezogen. Der herrliche Duft von frischem, saftigen Gras, den vielen anderen Pflanzen und die tief stehende Sonne luden regelrecht dazu ein, sich etwas sportlich zu betätigen. Über kleine Schotterwege laufe ich also von einem kleine Hügel zum nächsten. Die Landschaft ist wirklich traumhaft hier. Kunterbunte Schmetterlinge und kleine Vögel begleiteten meinen Weg. Wie ich so vor mich hin träumte sprang plötzlich ein großer schwarzer Hund aus dem Gebüsch und attackierte ohne Vorwarnung meine beiden Beine. Ich sprang zurück und versuchte mit den Händen die Bestie vom Leib zu halten. Das Ganze endete für mich im nächsten Stacheldrahtzaun. Laut schreiend versuchte ich irgend jemand zu erreiche, der mir vielleicht das “liebe” Tier zur Vernunft bringt. Nach knapp drei Attacken gesellte sich eine ältere Frau zu uns und pfiff ihren Hund zurück. Sie lief einfach weiter – keine Entschuldigung nichts! Eine sehr untypische Reaktion für die sonst so überfreundlichen und hilfsbereiten Kolumbianer.

Ich musst mich erst einmal setzen und die zerrissene Hose und die drei Fleischwunden betrachten. Klasse – das gibt sicherlich schöne Narben, dachte ich mir. Somit humpelte ich zum nahen Campingplatz zurück, um mich später ins nächste Krankenhaus kutschieren zu lassen. Dort wurde mir schnell und unkompliziert geholfen. Mit den netten Schwestern gab es ein paar sehr lustige Gespräche. War wohl nur zur Ablenkung vor den bevorstehenden Spritzen. Aua – Yeapaaa Kolumbien. Zur Vorsorge wurde mir auch noch gleich eine Tollwut Schutzimpfung mit ins Paket gepackt. Das wird mich nun den ganzen Oktober beschäftigen und mir einen kleinen Einblick in das Gesundheitssystem des Landes bescheren. 22€ hatte mich die Behandlung gekostet – ein Schnäppchen auf das ich gerne hätte verzichten können.

 

Tollwut

Meine Verbandkünste nach der Attacke

Tollwut

Chefärztin

Tollwut

Nettes Team  im Krankenhaus.

 

Tag Nummer vier im neuen Land! Ich bin gespannt…

Lieben Gruß
Martin


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Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

4 Kommentare

  1. Gute Besserung! So was braucht man ja eigentlich weniger auf so einer Tour. Nächstes Mal beiß doch einfach den/die BesitzerIn und dann seid ihr quit. ;o)

    Gute Weiterreise!

    • Haha – glaub wenn se näher gekommen wäre hätte das passieren können. War nicht in allzu lustiger Stimmung in dem Moment. ;-)

  2. Servus Martin, für die Grenzübergänge findest viele Infos bei http://www.liferemotely.com/trip-shenanigans
    Dort ist alles ziemlich gut beschrieben. Gerade für Central America war das Gold wert.
    Wir haben uns vorgestern noch ein bisschen auf dem Weg nach San Gil verfahren und sind auf fast 4000 Meter unbefestigte Strasse gekommen. Aber der Ausblick war es allemal wert.
    Gute Weiterreise
    Gerhard und Ulli

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