Wüstentour Teil 4

Was für eine tolle Nacht. Unter dicken Decken eingehüllt wache ich auf und reibe mir die Augen. Es ist kurz vor Sonnenaufgang. Als ich das letzte Mal wach lag konnte ich noch den Sternenhimmel sehen. Es ist Neumond und der Himmel präsentiert sich nachts besonders klar. Fast hypnotisierend wirkten die fernen Sonnen und Galaxien. Ich dreh mich nach rechts, halte Jana in den Armen. Sie schläft noch tief und fest, träumt bestimmt von Ihren beiden neuen Freunden. Den Kamelen. Ich sehe mich um. Wir liegen mitten in den Dünen. Irgendwo am Rande der Sahara. Mohamed, unser Kamelführer, ist auch schon wach und bereitet sich gerade einen Tee zu. Über kleinem Feuer köchelt das Wasser.

 

Im Schatten der Kamele

Im Schatten der Kamele

Ich laufe die nächste kleine Dünne hoch. Was für ein toller Ausblick. Wir sind im Dunklen hierher geritten, nur erahnen konnten wir die Dünen um uns herum. Nun kann ich sie sehen. Sie sind nicht sonderlich hoch, vereinzelt stehen noch Bäume und Sträucher. Dennoch ist klar, wir sind in der Wüste angekommen. Ich bin sprachlos, beeindruckt, glücklich zugleich und kann es kaum erwarten noch weiter in diese Welt einzutauchen.

Mohamed bringt uns früh zurück zu seiner kleinen Herberge. Wir amüsieren uns noch über die tollen Tiere. Lustig ist es mit anzusehen wie wir hin und her geschaukelt werden. Manchmal scheinen wir fast vorne über zu fallen. Jana hat Ihren Spaß, war es doch ihr großer Wunsch auf dem Rücken der Tiere die Wüste zu erleben. Nichts scheint die Kamele aus der Ruhe zu bringen. Ohne den sicheren Tritt zu verlieren kauen sie noch munter vor sich hin. Ganz von selbst finden sie den Weg zurück.

Wir frühstücken, stärken uns für den Tag. Packen auch gleich alles zusammen. 15 Liter Wasser, etwas Brot finden den Weg in unsere Tasche. Das Wichtiste. Der Gastgeber gibt uns eine alte rostige Luftpumpe mit auf den Weg.

 

Auf durch die Wüste

Auf durch die Wüste

 

Es geht endlich los. Ein Knopfdruck lässt die Maschine starten. Die Freude wächst. Ich kontrolliere noch einmal Motorlauf, Reifendruck und die wenigen Instrumente. Das GPS sitzt fest. Die alte Luftpumpe, fixiert am Stahlrahmen, ist da. Unser Rucksack ist fest aufgeschnallt. Jana macht es sich bequem. Sie hat noch den silbernen Jethelm bei sich. Ich hingegen bevorzuge für die Fahrt einen Turban.

Ehe wir es begreifen sind wir schon mitten im Niemandsland. Die ersten schwierigen Sandpassagen lassen wir hinter uns. Beide haben wir zu arbeiten um nicht zu stürzen. Die Räder versinken immer wieder tief im Sand. Das Heck bricht mehrmals aus. Dennoch funktioniert es erstaunlich gut, wir fühlen uns sicherer. Der Grund wird wieder fester. Weite Pisten erstrecken sich so weit das Auge reicht. Durch den Wind glattgebügelt, laden sie ein etwas mehr am Hahn zu drehen. Wir fahren dem Horizont entgegen, alten Spuren hinterher. Hin und wieder kontrollieren wir Koordinaten und Position.

Je weiter wir in die Wüstenwelt eindringen, desto weniger Pflanzen sind zu sehen. Nur noch einige vereinzelte Bäume. Mal hier, mal dort. Auch ihnen ist der Einfluss des Windes anzusehen. Tropfenähnlich haben sich die Baumkronen verformt. Einer der Bäume spendet uns Schatten für eine kurze Pause. Wir sitzen da, ruhen uns aus und trinken. Zwei Dromedare suchen den Weg zu uns. Die Tiere sind hier sicherlich nicht selten, trotzdem hätten wir nicht gedacht hier, weit abseits von Siedlungen, welche zu finden. Sie fügen sich perfekt in das Landschaftsbild. Neugierig sind sie, kommen bis auf wenige Zentimeter heran. Besonders mein Kameraobjektiv scheint interessant zu sein. Ich schieße ein paar schöne Fotos von den freiwilligen Models. Jana versucht die Dromedare zu füttern. Trockenes Brot mögen sie aber nicht. Langweilig scheinen wir zu sein. Sie laufen weiter.

 

Doppelkamel

Doppelkamel

 

Wir fahren schnell weiter. Unser Ziel ist das Erg noch vor der Mittagssonne zu erreichen. Zum größten Teil fahren wir über Geröllpisten, unterbrochen von kurzen Sandpassagen. Der Weg ist eindeutig. Schon viele Leute haben diese Gegend besucht und ihre Spuren hinterlassen. Die Navigationsnadel zeigt ständig nach Osten. Einige Male muss Jana absteigen und nebenher laufen. Zu schwer ist das Gelände. Auch so als wir an einer Quelle vorbei kommen. Sie liegt in einem kleinen Tal verborgen. Viel Wasser scheint es diese Tage zu geben. Eine Frau sitzt am Brunnen und wäscht Ihre Klamotten. Ich grüße Sie vom Motorrad, schenke ihr ein Lächeln. Sie sieht mich an, erspart sich aber weitere Reaktionen. Ich versuche die Szene aufzunehmen, werde daraus nicht schlau.

Die Kilometer ziehen sich dahin. Nicht einmal mehr 10 Kilometer sollen es sein. Wieder fahren wir über eine weite Ebene. Über Kilometer erstreckt sie sich in alle Himmelrichtungen. Und dann sehen wir sie, am Ende der Ebene. Die hohen Dünen der Erg Chegaga. Zumindest sollen diese bis zu 100 Meter hoch sein. Von hier sind sie noch winzig, aber in erreichbarer Ferne. Nach einer letzten Rast, etwas Wasser, fahren wir weiter. Gleich sind wir da. Die Sonne steht schon hoch als wir den Rand der roten Dünen erreichen. Es ist schwierig noch einen guten Pfad zu finden. Wir sind umgeben von meterhohem Sand neben der Piste. Weiter Abseits können wir schon die ersten, bestimmt 50 Meter hohen, Dünen sehen. Wir kämpfen uns durch. Noch 7 Kilometer bis zum Zentrum. Dem fiktiven Ziel auf dem GPS.

 

Sprung in den Sand

Sprung in den Sand

 

Nach mehreren harten hundert Metern durch die Sandpisten halten wir an. Ein Wunder das wir bis jetzt noch keinen Sturz hatten. Selbst alleine ist es nicht mehr möglich die Honda in der Spur zu halten. Wir geben unser bestes. Schieben, drücken und fluchen zugleich. Es muss doch irgendwie gehen. Mittlerweile ist es heiß geworden. 14 Uhr und wird kämpfen uns durch dieses Sandwunderland. Wir machen Pause. Suchen Schatten unter dünn bewachsenen Sträuchern. Was nun? Das Ziel scheint wohl doch nicht mehr erreichbar. Es dauert eine Weile bis wir begreifen, dass wir eigentlich schon längst angekommen sind. Jagen wir doch nur einem Punkt auf der Karte hinterher. Einem Wegpunkt im elektronischen Navigationssystem. Die Wüste ist nicht virtuell. Sie ist real und liegt uns nun zu Füßen. 50, 60 vielleicht auch 70 Meter hohe Dünen um uns sind doch hoch genug.

Wir suchen ein Nachtlager. Abseits der Piste, versteckt inmitten von abermillionen Tonnen Sand, finden wir unseren Platz, holen Holz und bauen das kleine Zelt auf. Dann geht es hoch auf eine der Dünen. Wow. Was für ein Anblick. Ich springe mitten hinein in den großen Sandkasten. Gleich mehrmals hintereinander. Jana genießt die Aussicht, läuft von einer Düne zur nächsten. Bis zum Sonnenuntergang gehen wir von Kam zu Kam. Wir saugen die Welt um uns herum auf. Es ist so schön hier zu sein. Die Schatten der Dünen werden immer länger. Die Sonne verabschiedet sich ruhig aber spektakulär. Ihren roten Schleier kann man noch lange sehen.

Wieder eine herrliche Nacht in der Sahara steht uns bevor. Menüplan für das Abendessen: Trockenes Brot geröstet über Wüstenfeuer. Dazu eine halbe Orange und frisches Wasser aus Plastikflaschen. Selten so gut gegessen!

 

Am Lagerfeuer inmitten der Wüste

Am Lagerfeuer inmitten der Wüste

 

Bald gibt es den letzten Teil zu lesen…

Hier geht es zu Wüstentour Teil 5

Hier geht es zu Wüstentour Teil 3

Hier geht es zu Wüstentour Teil 2

Hier geht es zu Wüstentour Teil 1

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

3 Kommentare

  1. Die Bilder sind wirklich ganz großartig. Der Bericht natürlich auch. Da komme ich als Wassermenschen garnicht drumherum fasziniert zu sein. Obwohl ich doch etwas Angst vor der großem Einsamkeit in der Wüste hätte…

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