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New ride – new stories? Katze bekommt einen Bruder – darf man sich vorstellen?

BMW R1100 R Hesselberg
BMW R1100 R Hesselberg
BMW R1100 R Hesselberg

Eigentlich wollte ich mit diesem Post nur kurz mein neues Gefährt vorstellen. Für Zuhause und vielleicht auch für die ein oder andere Reise in Europa. Aber als ich noch in Gedanken um die Bilder und Worte dieses Posts war, kam es zu einer kleinen Begegnung die mich etwas zum nachdenken brachte. Und na ja – sieht so aus als könnte ich mir nicht einmal ein Motorrad kaufen ohne gleich den Sinn hinter meinem Tun zu erfragen. Somit gibt es hier kleine Geschichten aus dem Leben und noch etwas mehr.

„Ne das passt nicht – das ist nicht Martin!“ – mit diesen Worten blickt mich Udo an als er mich auf meinem neualten Motorrad sieht. Ein Bekannter, Biker mit Leidenschaft ist er, schreibt für Magazine und hat sicherlich schon abertausende Kilometer mit seinen verschiedenen Motorrädern abgerollt. Zufällig hatten wir uns, es liegen Jahre seit dem letzten Treffen, vor einem Motorradladen getroffen, wo ich mir kurz zuvor noch eine neue Motorradjeans geholt hatte. Fesch steht er in besten Klamotten neben seiner neuen 700er Yamaha. Gerade hat er mit seiner Liebsten – damit meine ich seine Frau ;-) – eine spannende Tour abgerollt. Wir scherzen, quatschen über dies und das und versinken in kleinen und großen Motorradgeschichten. Lange ist es her, dass ich jene Art von Gespräch hatte. Notgedrungen für mich, steht Katze ja in Vancouver und viel war hierzulande nicht los auf zwei Rädern. Es war ein ziemlich verrückter Tag, ich hatte mich total verquasselt und war irgendwie entspannt. Ja – endlich entspannt nach all dem Viruswahn, der langen Zeit Zuhause und den vielen Stunden vor dem Computer. Nun bei top Wetter einmal wieder eine Brise von Freiheit zu erspüren hatte wirklich gut getan. Es war nämlich der erste Tag an dem ich mit der R1100 auf die Straße durfte. Und es war einfach herrlich – trotzdem – was passt da nicht? Die Worte von Udo beschäftigen mich… Und das auf ganz unterschiedliche Weise. Hier deswegen einmal ein kleiner Abstecher in meine Gedankenwelt. Denn einfache Worte lösen manchmal weitaus kompliziertere Zusammenhänge aus als man denken mag.

Viele Monate sind nun schon wieder vergangen seitdem ich Katze in Vancouver geparkt hatte. Nur 4 Monate sollten wir getrennt sein, im Frühjahr sollte die Große Reise weiter gehen und zwar wieder ohne feste Ziele, ohne Zeitplan und mit ganz viel Spontanität. Denn eines habe ich gelernt, zuviel Abhängigkeit ist einem freien Geist hinderlich. Man verliert den Blick für das Wesentliche, verliert den Blick für neue Impulse und neue Geschichten, welche einem vielleicht direkt vor der Nase liegen. Seit dem Beginn meiner Südamerikareise sind nun schon mehr als sieben Jahre vergangen. Es war jene Reise die mein Leben und wohl auch mich sehr verändert hat. Das war möglich, da ich damals alle Freiheiten ausschöpfen konnte. Das Bankkonto war voll, ich hatte ein neues Motorrad, alle Ausrüstung, keinen Plan und die große, weite Welt direkt vor mir. Und zurückblickend denke ich macht es jene 3.5-jährige Geschichte genau deswegen so besonders. Ich hatte mir Zeit genommen, viel Zeit, die Welt zu sehen, mich besser zu verstehen, Empathie für die Menschen der fremden Länder aufzubauen und eben nicht wie blind durch die Länder zu ziehen. Geplant hatte ich das so eigentlich nicht wirklich. Es sollte eine Weltreise werden. Einmal um die Welt in 3-5 Jahren hatte ich immer gesagt.

Nun gut. Die Realität lehrt einem immer des besseren. In 2017 hatte ich angefangen meine Geschichte auf den Bühnen zu erzählen, hatte ein Buch geschrieben und immer versucht mir meine Freiräume weiter aufzubauen. Eine Weiterreise war nach dem Chaos in Kolumbien und Kuba nämlich aus familiären, finanziellen und technischen Gründen einfach nicht mehr möglich. Aber bis zu Ende hatte ich gekämpft und auch wenn mir einige eine „Niederlage“ in Bezug auf meine Welt-Südamerikareise zuschreiben, sehe ich das rückblickend nicht zwangsweise auch so. Klar fehlten damals noch vier weitere Kontinente und dutzende von Länder. Aber was ist denn nun wichtig – die zurückgelegte Strecke oder das was man während jener daraus macht? Mit Scheuklappen durch die Welt zu wandeln war noch nie wirklich mein Ding. Und so wird Martin irgendwie zum Entertainer und ist aber doch eher ein zurückhaltender Mensch? Das war eine wirkliche spannende Erfahrung und auch in diesem Prozess konnte ich ganz neue Stärken meinerseits entdecken. All das hat aber seinen Ursprung in einem starken inneren Verlangen die Welt zu sehen und die Tage intensiv zu leben, zu spüren auch wenn es vielleicht einmal schmerzt. Und so ging die Reise auch irgendwie in der Heimat weiter, wenngleich natürlich auf eine ganz andere Art und Weise.

Die Zeit nach Südamerika durfte ich in Deutschland dann wieder denn Zusammenhang zwischen Geld und Zeit -> Freiheit spüren und das ohne Arbeit und Anstrengung einem einfach nichts geschenkt wird. Alltag wie für viele sozusagen. In Bezug auf eine lange Reise hatte ich jenes Thema einmal in diesem Post ->HIER <- thematisiert. Gelegentlich stelle ich fest, und das habe ich sicherlich auch schon andernorts hier auf Freiheitenwelt angemerkt, dass wohl der Eindruck entsteht als würden mir die Abenteuer und der „Traum von Freiheit“ irgendwie geschenkt. Ich will das Thema hier nicht zu sehr vertiefen, aber manchmal gehen die Vorstellungen der Realität schon sehr auseinander. Sponsoring und Spendengelder machen keine Reise und schon gar keine „freie Reise“ möglich. Das müssen sich die Meisten unserer Gattung schon selber erarbeiten. Solche Worte schmerzen gerade auch im Moment doch sehr, wenn ich beobachte wie im Kreise der Vortragsreferenten und Veranstalter die Segel derzeit ziemlich flau hängen und einige auch Schiffbruch erleiden. Auch mich begleiten deswegen täglich noch so einige Sorgen.

Nun liegt mir tatsächlich weniger an den Veranstaltungen als an den Reisen und dem Bedürfnis mich im Sinne meiner Fotografie weiterzuentwickeln. Dennoch muss ich auch zusehen wo das nötige Geld bleibt und im Moment ist der Spielraum in der Reisekasse eher knapp bemessen. Auch hatte ich ohnehin kein Motorrad und bis zuletzt gab es die Hoffnung im Sommer doch noch nach Kanada zu kommen. Mit Katze ging es schließlich immer irgendwie weiter, wenn auch turbulent. Aber jene Hoffnung stirbt ja bekanntlich immer zuletzt. Der liebe Trumpl schafft wenigstens klare Verhältnisse, indem er niemand mehr ins Land lässt bis zum  Jahresende. Zwangsläufig zieht sich das dann wohl auch auf den Nachbarn Kanada. Und so stehe ich nun da. Ein ganzer Sommer vor mir, einen finanziellen Horizont wie zu Studienzeiten, ein Drang nach Freiheit gemischt mit dem Verlangen, dass sich nun nach all den Monaten Zuhause mit Coronabonus endlich wieder was bewegen muss.

BMW R1100 R Hesselberg
BMW R1100 R Hesselberg – Auch fürs Gelände?

Wie immer suche ich meine Lösungen auf eher pragmatischem Wege. Eines war klar es muss zuerst ein fahrbarerer Untersatz her und somit kommen wir nun auch einmal zu dem roten Motorrad auf den Bildern. Die Suche nach einem spaßbringenden Gefährt gestaltet sich deutlich leichter wenn man sich an einige Einschränkungen halten muss. Somit hatte ich ein Motorrad für max 2500€, incl. allem was man für eine kleine oder große Reise benötigt, gesucht. Die Anzeigen mit diesen Ansprüchen vielen in unserer Region dann ziemlich übersichtlich aus. Ein paar Japaner reihten sich unter eine Vielzahl alter Boxermotorräder. Hum – eine BMW – da hatte ich als Kürbistreiber natürlich schon erstmal überlegt. 23 Jahre ist das gute Stück alt, hat aber einfach alles an Bord was ich für meine spontanen Pläne benötige. Koffer, Taschen, Navi, Fahrwerk und einen schicken Endtopf von Zach gibts auch noch dazu. Wir hatten uns sofort angefreundet und nach der Probefahrt war klar, dass gute Stück nehme ich erstmal in meine Obhut, ohne mich sonderlich mehr in die Baureihe einzulesen oder denn Sinn dieser Anschaffung zu hinterfragen.

So ganz nackt, mit großen Alufelgen und ganz ohne lange Federwege ist die R sicherlich kein „Adventurebike“ nach neuster Definition. Aber alles was Räder hat kann dich um die Welt bringen und warum sollte es dann nicht auch mit etwas vintage Stil möglich sein? Gut an den passenden Klamotten muss ich vielleicht noch etwas arbeiten… Die R (ein Name fehlt noch) schafft es tatsächlich mir ein breites Grinsen unter den Helm zu zaubern wie schon lange nicht mehr. Keine Elektronik, kein Blinken, kein flatterndes Windschild oder wackelnde Reifen. Wie auf Schienen fahren sich die ersten Kurven in der Heimat und der Gedanke mit dem Gerät Europa zu erkunden schmeichelt schon sehr. Nun ist das nicht mein erster Boxer aber den gnädigen und stabilen Charakter des Motorrades weiß ich doch von neuem sehr zu schätzen. Es fühlt sich an wie aus einer anderen Zeit und wäre da nicht das kleine Navi würde es jeglicher digitalen Moderne vermissen.

Das schreibend heist aber nicht, dass ich nicht auch moderne Motorräder mag – und ich glaub darauf wollte Udo mit seinen Worten anspielen. Katze war (oder ist) frisch, rebellisch voller Energie und versprüht einen enormen Abenteuercharakter. In Bezug auf meine Geschichten in aller Welt, meiner Leidenschaft auch für das Motorradfahren abseits der Asphaltstraßen, bietet solch eine Reiseenduro natürlich eine ganz andere Vorstellungskraft der Möglichkeiten, welche sich wohl auch auf meine Person überträgt. Auch damals in 2012 war es übrigens eine reine Bauchentscheidung gewesen als ich Katze aufgenommen hatte. Nun bei „Red R“ (entwickelt sich da schon ein Namen?) war es doch etwas anders.

Denn der Zweck ist überhaupt nicht definiert! Sie ist aber vielleicht ein Abbild meiner momentanen Möglichkeiten. Ihr Weg zu mir ein Nebeneffekt der Coronapandemie?

Die große Reise ist nämlich weiterhin Katze vorbehalten. Dafür haben wir schon zu viel erlebt und abgesehen davon steht sie gerade in bestem gewarteten Zustand die Coronazeit weiterhin durch. Ich sehe den alten Boxer fast schon wie ein Sammlerstück und wenn die Technik hält was andere Versprechen kann mich dieses Gefährt ganz nebenbei noch viele lange Jahre begleiten. Mobilität ist wichtig in unserer Zeit und ich stelle doch fest wie schön es ist wieder seine eigene Fortbewegung in der Garage zu haben. Somit geht es mir nicht um ein Image – oder was zu mir passt – sondern einfach nur genau um eine Sache. Spaß! Und genau jener soll helfen die oben genannte Depression der jetzigen Zeit auch etwas spielend zu überwinden. Und genau in dieser selbstheilenden Idee sehe ich mich dann doch mit einem verlegenen Schmunzeln wieder. Und das ist dann auch ein Stück Martin, das nicht jeder kennt und auch nicht kennen muss. ;-)

Es ist schon kurios wie Gegenstände manchmal auf unsere Persönlichkeit übertragen werden. Das geht in Motorradkreisen ja schon los ob man nun Harley, BMW, KTM oder sonst welche Marke fährt. Was mich aber an meisten an diese Klischees verwundert, wie man als Mensch von Mitmenschen wahrgenommen wird und tatsächlich anhand von Gegenständen charakterlich – zumindest eingeschätzt wird… Interessant wäre noch die Frage, was ich mir zugelegt hätte wäre Geld keine Hürde… Hum – dann – ja dann wäre es mit hoher Wahrscheinlichkeit doch wieder was geworden das zu meinem Phantomcharakter passt, und in gewisser Weise wohl doch auch zu mir.

Es bleibt kompliziert! Ich begrüße „Red R“ auf jeden Fall in der Familie und hoffe auf die ein oder anderen netten Geschichten. Ob in die Ferne oder nur zum Einkaufen im nächsten Ort. Das spielt keine Rolle. Jede Minute die man sein Leben durch etwas Freude aufwerten kann wird es wert sein. Man tut was man kann – schlimm ist wohl wenn man aufhört „zu tun“.

Keep on Riding!

Euer Martin

BMW R1100 R Hesselberg
Schick im alten Gewand – BMW R1100 R

Wer nun wirklich so weit im Text gelesen hat, dem biete ich einmalig einen Gutschein (Bis 30. Juni.2020) von 50% auf mein Buch „Freiheit“ an. Der Gutscheincode ist der Name der BMW… Vielen Dank und freut mich das du hier bist!

Und wer ist Katze? Die Geschichte ging hier ungefähr los:

Motorrad KTM 1190 Adv. R – die Realität für Freiheitenwelt

„Immer den Träumen hinterher!“

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