Die Safari geht weiter

Moschusochsen um Kangerlussuaq

Moschusochsen um Kangerlussuaq

Immer noch steht kein Helikopter zur Verfügung. Es gilt also wieder das Beste aus dem Tag zu machen. Langsam gehen die Möglichkeiten aus. All zu groß ist die Stadt und das erreichbare Hinterland nicht. Ich nehme mir vor auf die Moschusochsen Jagd zu gehen. Es soll ja schließlich tausende von den edlen Tieren in der Umgebung geben. Nicht mit dem Gewehr sondern bewaffnet mit meiner Kamera ziehe ich los. Das längste Tele eingepackt schnappe ich eines der Fahrräder und radle los. Die sandige Schotterstraße hinauf zum nächsten Hügel geht die Fahrt. Über eine Stunde quäle ich mich durch den Sand um eine gute Aussicht zu bekommen. Nichts zu sehen, keine großen Landtiere weit und breit. Ich fahre weiter bis zur nächsten Spitze, nahe einer älteren Radaranlage. Das Militär hat aber auch überall ihre Antennen verteilt. Wieder nichts. Zwar kann ich das weite Tal schön überblicken, aber nichts rührt sich.

Dann halt nicht. Ich laufe ein Stück in die weite Landschaft hinaus. Aus der Ferne ist der Russels Gletscher, welcher schon auf uns wartet, zu sehen. Zuvor breitet sich die hügelige Landschaft mit ihren kleinen blauen Seen und Flüssen aus. Irgendwie scheint heute alles ein bisschen grüner als sonst zu sein. Leicht verträumt schlendere ich über die Hügel weiter in das Tal. Schön ruhig ist es hier. Und siehe da, wenn man es am wenigsten erwartet, steht auf einmal einer der Ochsen in mitten von all dem Grün. Die Kamera am Anschlag laufe ich näher um das Tier noch besser in den Rahmen zu bekommen. Es beobachtet mich sehr interessiert weicht aber vorerst nicht zurück. Näher als 50 Meter komme ich dennoch nicht heran. Es läuft immer weg und hält Distanz. Warum auch nicht. Auf das Tier müssen wir Zweibeiner wie Aliens wirken. Ich respektiere den Sicherheitsabstand und setzte mich auf einen Felsen um die Szenerie ein gute Weile zu beobachten.

Das Tier gesellt sich zu einem Artgenossen weiter unten am kleinen See. Sie streichen langsam durch das Gras und genießen in aller Ruhe ihre Mahlzeit. Noch einmal Versuche ich näher zu kommen um eine bessere Sicht zu bekommen. Die beiden Tiere fangen an sich mit den gewaltigen Hörnern zu attackieren und ihre Kräfte zu messen. Zu weit weg für gute Aufnahmen, aber nahe genug um das Knacken und Knirschen der aufeinanderstoßenden Knochen zu hören. Mehrere male wiederholt sich das Spiel. Als wollen sie mir zeigen was für enorme Kraft in ihnen steckt. Ich bin beeindruckt und freue mich das Schauspiel erleben zu dürfen. Zum Abschied bekomme ich noch 2 Blicke aus 4 dunkelschwarzen Augen gewidmet. Beide Tiere drehen sich um und rennen weiter, über den nächsten Hügel, wo mehr Ruhe herrscht.

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

5 Kommentare

  1. Haha, sehr schön! Wie zwei Schauspieler stehen sie da und posieren in Deine Kamera. Fehlt jetzt nur noch die Autogrammstunde… :-)

  2. Ohhh wie spannend! Wie lange seid ihr denn on Tour und was habt ihr geplant? Oder darf das erstmal nicht verraten werden?

  3. Also in Kangerlussuaq bin ich geplannt nur 3 Tage. Dann geht es in das Inlandeis für 6 Wochen. Hängt immer stark vom Wetter ab und wie die US Air Force fliegt.
    Das gleiche dann nochmal im Juli für 3 Wochen.
    Tour ist vielleicht das falsche Wort. Dort oben ist ein Leben.

Kommentar verfassen