Tief in Afrika – Interview mit Hartmut Fiebig

Letzten Sonntag hatten wieder die Freiheitenwelt Lichtspiele statt gefunden. Tolle Veranstaltung mit super Referenten. Mit dabei war Hartmut Fiebig, der schon seit mehr als 25 Jahren aktiv in Afrika arbeitet und dort auch zum Großteil in Kenia lebt. Ich hatte ihn bei der Gelegenheit auch gleich noch für ein Interview verhaftet… Leider ist die Veranstaltung schon vorbei – aber wer weiß – vielleicht sieht man sich ja einmal wieder.

Hartmut Fiebig
Hartmut Fiebig – Fotojournalist

Es freut mich also das Hardy sich die Zeit genommen hat meine Fragen zu beantworten. Zu seinen aktuellen Projekten findet ihr die Links im Text. Ansonsten kann ich euch nur empfehlen einmal auf seiner Homepage vorbei zu schauen. Seine Vorträge haben mehrere Preise gewonnen und aktuell ist er mit „Kenia“ und „Oman & Emirate“ auf Tour. Ein Besuch lohnt sich allemal – die Gäste bei den Lichtspielen waren sehr begeistert.

Nun aber zum Interview – viel Spaß damit!

 

FW: Hi Hardy. ;-) „Tief in Afrika“ heist dein Vortrag – welchen wir auch dieses Jahr bei den Lichtspielen präsentieren. Du bist ein absoluter Fan des schwarzen Kontinents… Was ich mich frage – wie oft warst du eigentlich schon in den Ländern Afrikas und gibt es auch auch noch andere Länder auf der Welt die du regelmäßig besuchst? Wie lange begleitet dich dabei schon die Kamera, um deine Erlebnisse zu dokumentieren?

Hardy: Tatsächlich kenne ich mich außergewöhnlich gut in Ostafrika, und da besonders in Kenia aus, wo ich die Hälfte des Jahres lebe. Nach meiner einjährigen Fahrradtour vom Bodensee zum Kap der Guten Hoffnung hatte ich Lust, in Afrika noch mehr in die Tiefe zu gehen. Daher habe ich weiter an meinem Kisuaheli gefeilt und bin immer wieder nach Ostafrika zurückgekehrt, anstatt zu sagen: beim nächsten Mal fahre ich die Panamericana mit dem Rad. Eine genaue Zahl der Reisen nach Afrika kann ich Euch beim besten Willen nicht nennen. 

Denn so intensiv, körperlich wie emotional, eine Fahrradtour auch sein mag, sie bleibt auf eine gewisse Art doch immer auch oberflächlich, weil man ständig in Bewegung ist, und mit den Einheimischen keine längeren Beziehungen aufbauen kann. Das meiste über Afrika und die afrikanische Kultur habe ich nicht durchs Reisen gelernt. Sondern dadurch, dass ich bei den Treasures of Kenya, einer Stiftung zur Erhaltung des Natur- und Kulturerbes von Kenia, mit kenianischen Freunden so intensiv zusammenarbeite.

Mein zweites Spezialgebiet sind die Länder des arabischen Raums. Ich bin 8 Jahre in Kairo aufgewachsen und spreche Arabisch. Später habe ich dann meine Diplomarbeit im Jemen geschrieben, habe Marokko, Tunesien, Sudan und die Levante bereist. In letzter Zeit bin ich häufig in den Vereinigten Arabischen Emiraten und im Sultanat von Oman – und mein neuer Vortrag „OMAN & EMIRATE – Unterwegs im Übermorgenland“ beleuchtet die Region eingehender.

So schön das mit der Tiefe ist – ich merke, dass meine Lust wächst, auch noch ganz andere Regionen der Erde zu besuchen. Mein Bruder ist in Australien verheiratet, eine meiner Schwestern lebt in Kalifornien. Besucht habe ich beide noch nie. Deshalb: Sobald es die Schätze von Kenia zulassen, wird es mal Zeit für eine Weltreise, schätze ich, und am liebsten mit meiner zukünftigen Frau, wer immer die Verehrte sein wird. Das wäre doch super! Wir könnten dann zusammen entscheiden, wo es uns am besten gefällt und wo wir dauerhaft leben und unsere Kinder groß ziehen wollen …

Seit ich 12 Jahre alt bin, ist halt die Kamera meine ständige Begleiterin auf Reisen …

Tief in Afrika – Afrikaner tragen sein Fahrrad
Tief in Afrika – Kinder mit dem Stevens Fahrrad

FW:Da ich selber einmal für über ein Jahr im südlichen Afrika gelebt habe kann ich mir das Leben in den Ländern sehr gut vorstellen. Nun warst du ja über Jahrzehnte dort unten unterwegs… Ich habe den Eindruck das sich die Länder ständig sehr verändern? Was ist dein Eindruck und wie beeinflussen dich jene Veränderungen bei deiner Arbeit?

Hardy: Afrika hat sich in den knapp 30 Jahren, die ich überblicken kann, dramatisch verändert. Das Afrika-Bild hier bei uns ist mindestens 10, wenn nicht sogar 15 Jahre veraltet. „Afrika, das Land der Kriege, Krankheiten, Korruption und Katastrophen“ ist in mehrfacher Hinsicht falsch. Es ist kein Land, sondern ein Kontinent mit mehr als 1500 Sprachen und eben so vielen Kulturen und Mentalitäten, mit 54 Ländern und unterschiedlichsten Verhältnissen! 

Die „K“-Berichterstattung über Negatives erhält bei uns in der Berichterstattung viel zu viel Platz und kreiert dadurch ein völlig verzerrtes Bild. Verdammt, auch in Afrika überwiegt die Normalität! In Kenia habe ich mit vielen smarten, gebildeten, geschäftstüchtigen und selbstbewussten Menschen zu tun, die diese herablassende Berichterstattung und die andauernde Bevormundung durch Europa und Amerika gründlich satt haben.

Am meisten verändert hat sich Afrika – und dadurch mein Arbeiten durch … jawoll – das Smartphone! Das Mobiltelefon spielt in Afrika eine noch viel wichtigere Rolle als bei uns. Social Media, Handy-Banking, Uber – all das sind für Afrikaner des Jahres 2018 absolute Selbstverständlichkeiten. Was dazu geführt hat, dass ich meinen Freunden in Nairobi beigebracht habe, wie man ein echtes, also ein analoges, Lagerfeuer macht, wohingegen sie mir gezeigt haben, wie ich mit Facebook klarkomme …

Neben der Kommunikation hat sich vor allem das Fotografieren für mich geändert: Die Leute sind gegenüber dem Fotografieren viel relaxter geworden. Dadurch, dass inzwischen jeder eine Smartphone-Kamera hat und auch selber Bilder machen kann, ist Fotografieren ein Teil afrikanischer Normalität und die Menschen gehen wesentlich entspannter damit um, als früher.

FW: Wie bereitest du dich auf deine Reisen vor und wie wichtig ist die Fotografie dabei? Hattest du eigentlich von Anfang an geplant mehr mit deinen Bildern zu bewegen, oder hatte sich das zufällig ergeben.

Hardy: Meist reise ich, um zu fotografieren und zu schreiben, ob für meine Vorträge oder für Artikel und Bücher. Wenn ich in Kenia unterwegs bin, arbeite ich meist hinter der Kamera, um die Mammut-Aufgabe zu vollenden, die wir uns gesetzt haben: Nämlich sämtliche Kultur- und Naturschätze des Landes zu dokumentieren. Dafür ist das Fotografieren natürlich unverzichtbar.

Dank der Fotografie nehme ich beim Reisen auch anders wahr, ich gucke bewusster. Wenn ich einen Auftrag habe, ordne ich den Bildern natürlich alles unter, aber beim Reisen liebe ich es auch sonst, Fotos zu machen.

Praktische Reisevorbereitungen treffe ich fast gar nicht mehr, ich habe ja meine über Jahre bewährte Ausrüstung. Auch das Pendeln zwischen Kenia und Deutschland ist Routine, da habe ich die Ausrüstungsliste schon im Kopf und der Koffer ist – auch für eine monatelange Abwesenheit – schnell gepackt. 

Die meiste Vorbereitung erfordert das Medien-Equipment. Es waren selige Zeiten, als man nur eine Kamera mit zwei Objektiven hatte, und damit professionell arbeiten konnte. Heute wird erwartet, dass man fotografiert und filmt. Also habe ich ein Smartphone nebst Zubehör, mit dem ich die meisten Videoaufnahmen mache, ich habe zwei Drohnen, eine Action- und eine 360°-Kamera und dann natürlich die große digitale Spielreflex-Ausrüstung. Und zu all diesen Geräten noch die Ladegeräte, Akkus, Kabel, Speicherkarten usw. – das ist eine Menge Geraffel, insgesamt um die 25 oder 30kg. All diese Teile muss man auf Reisen erst mal beisammen halten …

Dass ich in den Fotojournalismus abgedriftet bin, ist eher Zufall. Eigentlich bin ich Diplomingenieur für Tropische Agrarwissenschaft. Aber meine Diavorträge und das Buch über meine allererste Fahrradtour durch Afrika sind so erfolgreich gewesen, dass die Verlockung einfach zu groß war, dies zum Broterwerb und zu meinem Lebenswandel zu machen – free as a bird! So also bin ich auf Abwege geraten.

Tief in Afrika - Hartmut Fiebig
Tief in Afrika – Straßen zur Morgensonne
Tief in Afrika - Hartmut Fiebig
Tief in Afrika – Sprung ins Meer
Tief in Afrika - Hartmut Fiebig
Tief in Afrika – Kleine afrikanische Segelboote

FW: Neben den Vorträgen veröffentlichst du deine Bilder auch in Büchern, Magazinen oder Online? Wo genau kann man sich denn deine Arbeiten ansehen und was ist für dich das wichtigste Medium?

Hardy: Tatsächlich sind die 4 ersten Bücher von mir gegenwärtig vergriffen, das vorerst letzte, mein Fotobildband über den Oman und den Jemen, gibt es allerdings momentan besonders günstig im Internet. Es heisst „Weihrauchland“. 

Aber: der Aufbau der Stiftung für die Schätze von Kenia war so fordernd, dass ich in den vergangenen Jahren kein weiteres Buch fertig gestellt habe. Gegenwärtig arbeite ich allerdings auf vielfachen Wunsch meiner Besucher an DVDs zu meinen Vorträgen. 

Auf meiner Webseite www.hardyfiebig.com sieht man einiges an Bildmaterial. Und die Facebook-Page www.facebook.com/treasuresofkenya veröffentlich viele meiner Bilder. Bei Instagram bin ich ein Latecomer und fange gerade erst an, das Medium zu erkunden und zu nutzen … 

Mein Lieblingsmedium ist aber weiterhin ohne Zweifel der Live-Vortrag. Die Interaktion mit den Besuchern – das funzt!

FW: Wie schaffst du es, auch in schwierigen Situationen (Ich gehe davon aus man sieht auch viel Armut in Afrika) noch die nötige Ruhe und Gelassenheit aufzubringen, um immer weiter zu reisen?

Hardy: Ich würde sagen, es ist genau anders herum: wenn ich nicht mehr reisen dürfte oder könnte, wäre es schwer, ruhig und gelassen zu bleiben. Wenn ich zu lange in Deutschland bin, gibt es einiges, was mich nervt. Aber wenn ich dann wieder eine Weile in Kenia war, überwiegt das, wonach ich mich hier in Europa sehne. Umgekehrt ist das natürlich genauso. Es gibt eben auf beiden Seiten Dinge, die ich liebe, und Dinge, die nicht so positiv sind. So gesehen spiele ich ständig Kultur-Jojo. 

Glücklicherweise unterscheiden sich die beiden Orte so sehr – denn genau das macht das Leben in zwei Welten weiterhin spannend und lohnenswert. Tatsächlich ist es so, dass ich wegen der afrikanischen Gegensätze von Schönem und Abstossendem wohl noch nie unbewegt von dort in das geregelte, lauwarme, abgesicherte Deutschland zurückgekommen bin. Aber soll ich Euch was sagen? Irgendwie fühlt sich die extremere Mischung in Afrika so viel lebendiger an …

FW: Du arbeitest nun schon seit mehr als 25 Jahren als Autor, Fotograf und Moderator. Du schreibst in deiner Vita das du wohl „dauerhaft für eine bürgerliche Karriere“ verdorben bist… Willst du uns das vielleicht nochmal kurz erklären – und vor allem wie es am Ende dazu kam, genau jenen Weg einzuschlagen? Gab es Schlüsselerlebnisse?

Hardy: Ich sehe das so: Im Leben hat man – grob gesagt – zwei Routenalternativen. Da ist der Weg der Freiheit. Und da ist der Weg der Sicherheit. Man kann keine wirkliche Freiheit haben, wenn man auf Sicherheit setzt – und umgekehrt. Natürlich sind auch gewisse Mischformen denkbar. Wichtig ist aber, zu realisieren: Man zahlt, egal, welchen Weg man wählt, einen Preis und muss auf etwas anderes verzichten. Nur: es sollte eben der Preis sein, den man zu zahlen bereit ist.

Vermutlich hätte ich eine tolle Karriere mit Bomben-Einkommen hinlegen können, aber es hat mich überhaupt nicht gereizt. Ich wollte reisen und Erfahrungen sammeln, nicht Zahlen auf einem Bankkonto anhäufen. Mir war es wichtiger, mich mit interessanten Menschen und Kulturen zu beschäftigen als mich um reizvolle Besitztümer zu kümmern.

Das ist mir in gewisser Weise schon in die Wiege gelegt worden, weil meine Eltern mit uns 5 Kindern viel gereist sind. Aus diesen wunderbaren Reisen mit dem Camping-Anhänger rekrutieren sich meine ersten Kindheitserinnerungen. Und wenn Du dann ein Jahr durch Afrika geradelt bist, dann spürst Du, nein, dann weisst Du!, dass alles möglich ist – wenn Du Dir selbst vertraust und Dinge auf Deine eigene Art machst. Du willst Dir dann einfach nicht mehr die ganzen Dinge vorschreiben lassen, die nun mal klar geregelt sein wollen, damit alles kontrolliert, alles abschätzbar, alles „sicher“ ist. Das empfindet man dann als eine extreme Einengung.

FW: Was war für dich, aus rein fotografischer Sicht, der schönste Ort auf deinen Reisen? Kannst du eine bestimmte Location oder einen Event insbesondere empfehlen?

Hardy: Sicherlich am genialsten war der Jemen, landschaftlich und kulturell. Die Gegenwart der 4 Jahrtausende währenden Geschichte, die lebendigen Traditionen, die atemberaubende Architektur, das Gefühl, ständig eigene Entdeckungen machen zu können, die Herzlichkeit der Menschen – buchstäblich sagenhaft. 

Durch mein Arabisch bin ich den Menschen so nah gekommen, es haben sich so viele Türen aufgetan und besondere Fotos ergeben, die ich von keinem anderen Fotografen jemals gesehen habe, dass ich fürchte: so etwas gibt es kein zweites Mal!

Man kann das in meinem großformatigen Bildband „Weihrauchland“ sehen. Leider, leider ist das Land wegen des Krieges momentan tabu, aber auch früher war es schon schwierig, individuell zu bereisen. Ich hoffe nur, dass die Menschen bald Frieden erlangen und das großartige kulturelle Erbe des Landes möglichst wenig Schaden erleidet und nicht ähnlich schamlos geplündert wird, wie in Syrien und im Irak. Das ist wirklich eine Tragödie. Für die Menschen des jeweiligen Landes, aber auch für die Menschheit insgesamt. 

Tief in Afrika – Nebel im Regenwald
Tief in Afrika - Hartmut Fiebig
Tief in Afrika – Straßen in der Wildnis
Tief in Afrika – Unterwegs mit seinem Jeep

FW: Welche Kamera(s) ist (sind) bei dir dabei und was für ein Setup hast du am liebsten in den Händen? Ist das überhaupt wichtig? Schützt du deine Ausrüstung irgendwie speziell vor z.B. schlechtem Wetter oder Staub?

Hardy: Meine Haupt-Kameraausrüstung ist von Nikon, ich fotografiere mit einer D600, 14-24, 24-70, 70-200 und 150-600mm Objektiven, dazu Stativ, Filter und Blitz. Filmen tue ich häufig mit meinem Smartphone, das auf einem Gimbal sitzt, manchmal auch mit GoPro oder 360° Kamera. Und dann habe ich noch eine Mavic- und eine Phantom-4-Drohne. 

Ich möchte mal sagen, dass die Ausrüstung eigentlich nicht so entscheidend ist, auch das günstigere Equipment von den renommierten Herstellern ist schon irre gut. Viel wichtiger ist, dass man diese, seine Ausrüstung auch wirklich beherrscht. Ich glaube, das ist meistens der limitierende Faktor. 

Und: Manchmal muss ich über Vortragsbesucher schmunzeln, die meinen, wenn sie genau die gleiche Kamera hätten wie ich, könnten sie auch die gleichen Bilder machen. Nur weil ich einen Steinway-Flügel besitze, heisst das ja noch lange nicht, dass ich ein super Konzertpianist bin. Nein, gute Bilder macht in erster Linie das Auge, und erst dann das Equipment.

Einen besonderen Kameraschutz habe ich nicht. Ich halte die Nikons immer noch für die robustesten Kameras, daher sind sie meine Wahl für die Reisefotografie – auch, wenn ich oft über das irre Gewicht meiner Ausrüstung ächze.

FW: Lassen wir die Kamera einmal außen vor. Manchmal bist du offensichtlich auch sehr gerne auch im Freien unterwegs oder verbringt viel Zeit in unbekannten Städten, Dörfern. Ich kann mir vorstellen, dass man sich dabei manchmal ganz schön alleine fühlen kann. Welche Gefühle überkommen dich in solchen Momenten dieser Einsamkeit, oder ist dem gar nicht so?

Hardy: In arabischen und afrikanischen Dörfern ist man nicht allein, dass könnt Ihr knicken. Da bist Du häufig von neugierigen Kindern und herzlichen Menschen umringt, die Dich mit allen möglichen Fragen bombardieren, da würdest Du Dir mehr Einsamkeit manchmal wünschen! Nein, wenn Du allein sein willst, empfehle ich die Wüste oder die afrikanische Wildnis. 

Aber davon abgesehen: einsam fühle ich mich beim Reisen eigentlich nie. Ich kann aber auch sehr gut allein mit mir sein, brauche das sogar in regelmäßigen Abständen. Sonst hätte ich den irren Fahrradtrip durch Afrika nicht überlebt – oder vorher abgebrochen.

Allein fühle ich mich manchmal in ganz anderem Zusammenhang: Wegen der Management-Entscheidungen, die ich für die Stiftung zu verantworten habe. Und alleine fühle ich mich bisweilen, wenn ich als Ehrenbotschafter zwischen Afrika und Europa Brücken bauen und Verständnis auf beiden Seiten fördern möchte, und dann nicht selten zwischen allen Stühlen sitze … Und in unserer Gesellschaft hier in Deutschland fühle ich mich oft allein, weil ich Vieles so abgehoben und pervers finde. Während um uns die Welt untergeht, halten wir uns an unseren kleinen Sicherheiten und Gewohnheiten fest. Ich kann doch wirklich nicht der einzige sein, der denkt, dass das keine Lösung für die großen Probleme und Zusammenhänge ist, die uns zu schaffen machen – das Artensterben, der Klimawandel, der Wachstums- und Konsumwahn. Wann wird die Menschheit knallen, dass wir genau ein gemeinsames Raumschiff, unseren Mutterplaneten haben, den wir uns teilen müssen, und den wir zu ehren und erhalten haben, wenn wir eine Zukunft als Menschheit haben wollen?

Tief in Afrika – Kinder in der Stadt
Tief in Afrika – Warten auf den Bus

FW: Was genau hat es mit deinem neuen Projekt Oman und Emirate auf sich? Du sprichst vom Übermorgenland – Weihrauchland?

Hardy: Genau genommen habe ich nicht zwei, sondern sogar drei Heimaten, auch wenn es im Deutschen gar keinen Plural für das Wort Heimat gibt: Mitteleuropa, Ostafrika und den arabischen Raum. Nur: Das Land, zu dem ich über Jahre im arabischen Raum eine besonders innige Beziehung gepflegt habe – der Jemen – ist im Moment wegen des Kriegs nicht bereisbar. 

Anstatt in das wohl ursprünglichste arabische Land zurückkehren zu können, musste ich mich also in Richtung Zukunft wenden, und bereiste die beiden orientalischen Länder, die zu den modernsten – und für jegliche Weltentdecker zu den sichersten der Erde zählen: Das Sultanat von Oman und die Vereinigten Arabischen Emirate eben. Sie teilen viel und sind doch extrem unterschiedlich. Es fällt auf, dass sie politisch stabil sind – im Gegensatz zu vielen anderen Ländern der Region. Können sie also ein Zukunftsmodell sein? Die Frage hat mich beschäftigt. Und tatsächlich gehen Modernität und Orient in beiden Ländern manchmal absurde Verbindungen ein – das sieht man auf vielen meiner Bilder – ich liebe das! Daher der Titel: Nicht Morgenland, sondern Übermorgenland, der moderne Orient!

FW: Stehen neue Veröffentlichungen an? Film, Buch etc.? Schon ein neuer Vortrag in Planung?

Hardy: Wie oben erwähnt, arbeite ich gerade an DVDs zu meinen Vorträgen, die im Frühjahr fertig werden sollen. Ich möchte aber nicht einfach meinen Vortrag 1:1 übernehmen, sondern ergänze mein Material nun noch mit Film- und Drohnen-Aufnahmen. Die technischen Möglichkeiten, die es inzwischen gibt, sind einfach zu verlockend! 

Seit einigen Jahren arbeite ich mit meinen kenianischen Freunden an einem großen Fotobildband über die Schätze von Kenia – aber dieses Mammutprojekt wird noch ein, zwei Jahre bis zur Vollendung fordern, fürchte ich. Der nächste größere Reportage-Auftrag im neuen Jahr soll die Emirate aus ungewohntem Winkel beleuchten – ich freue mich schon aufs Reisen, Fotografieren und Schreiben!

Ideen für neue Vorträge habe ich wahrlich genug, um genau zu sein: gegenwärtig gibt es fünf Kandidaten für meine nächste Live-Reportage! In den kommenden Monaten muss ich mich für eines entscheiden. Bitte habt Verständnis, dass ich da noch nicht mehr sagen mag …

FW: Willst du uns vielleicht einen kleinen Vorgeschmack davon geben, was am 25. November in Dinkelsbühl zu sehen sein wird? Ich freue mich ja schon sehr, dich an dem Abend zu sehen, wenn der Projektor die große Leinwand anstrahlt?

Hardy: Bei TIEF IN AFRIKA erzähle ich Euch von den Höhepunkten und Tiefschlägen aus ungezählten Reisen, die ich im Verlauf von 25 Jahren in Ostafrika gemacht habe. Großartige Tiererlebnisse und waschechte Abenteuer, wie eine haarsträubende Nilpferd-Jagd mit Einheimischen, die mich fast das Leben gekostet hätte. Also: Schnallt Euch besser an und seid auf eine emotionale Achterbahnfahrt vorbereitet, denn das abgrundtief Traurige und das abgöttisch Schöne liegt in Afrika oft nur einen Wimpernschlag auseinander…

Tief in Afrika – Frau mit Blatt
Tief in Afrika – Schiffbruch
Tief in Afrika – Auf Safari

 

„Immer den Träumen hinterher!“

Euer Martin

 

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