Pressure Tube

Druckkammer

Druckkammer

Heute war Zeit für ein kleines Rettungstraining. Sollte ein Mitglied der Expedition Höhenkrank werden steht dem Arzt eine kleine mobile Druckluftröhre zur Verfügung. Hier in Neem ist das zwar nicht allzu kritisch, da nicht so hoch, aber ausprobieren schadet wohl keineswegs. Außerdem ist Simon zum Glück nicht ausgelastet und die Aktion bringt etwas Abwechslung in den Alltag. Nach der Arbeit fahren Carina, Simon und ich ein Stück raus aus dem Camp. Gerade weit genug um die Illusion zu bekommen mitten im Nirgendwo zu sein. Heute ist es stark benebelt und daher kommt das Gefühl schon wenige hundert Meter nach der letzten Flagge auf. Beste Bedingungen.

Vom Prinzip her wird in der bananenartig, roten Röhre ein Druck weit tieferer Ebenen erzeugt. Dadurch sollen die Symptome des Höhenkranken gemindert werde. In unserem Fall war der Kranke, etwas unlogischer weise, der Arzt selber. Er gibt uns lautstark Anweisungen was zu tun ist. Erstmal wird die Fußpumpe bedient um das Ding prall aufzublasen. Carina kommt dabei ganz schön ins Schwitzen. Ständig hat sie das Überdruckventil im Auge, welches irgendwann auslösen sollte. Über zwei kleine Fenster versuche ich noch mit Simon zu kommunizieren. Mehr oder weniger gelingt das auch. Er muss natürlich alles richtig machen und setzt sich noch gleich die Sauerstoffmaske auf. Nicht gerade vorteilhaft zum Sprechen. Aber gut, im Ernstfall wird es nicht viel besser sein. Viel sieht man nicht durch die Plastikfenster.

Sobald das Pressure Tube fertig ist entfernen wir Helfer uns, um den Verwundeten eine Illusion zu geben wie sich das Ganze alleine anfühlt. Aufgeblasen macht es einen ganz soliden und stabilen Eindruck. Eine Mischung aus Gummiboot und Biwak vielleicht. Zumindest muss ich an genau das denken. Schon nach kurzem klopft es von innen an die Röhre. Da will wohl einer raus. Denn Druck abgelassen und den Reisverschluss aufgezogen erblicken wir einen sichtlich erleichterten Simon. Anscheinend macht sich innen schnell ein klaustrophobisches Gefühl breit. Von selber kann es nicht geöffnet werden. Eine Rettungsaktion solchen Ausmaßes kann sich über Tage hinziehen. Nicht auszudenken was man im Fall der Fälle durchmachen muss. Persönlich verzichte ich auf eine Testrunde und hoffe niemals in solch einem Teil landen zu müssen.

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

6 Kommentare

  1. Hallo

    Ich würde gerne wissen welche Firma diese Pressure Tubes herstellt. Da ich selber intresse habe mir eine solche Lebensrettende “Banane” zuzulegen.

    Besten Dank für eure Bemühungen und eure Antwort.

    Gruss

    Kim

  2. Hallo Martin

    Super besten Dank für deine Bemühungen. Wen ich das Richtig interpretiere bist du zur Zeit in Deutschland und fliegst dann nächste Woche mit der Versorgungsmaschiene wieder zurück ins ewige Eis. Find ich echt beeindruckend aber für mich das falsche Extrem. Mich verschägt es meistens auf den Afrikanischen Kontinent. Auch ins Zelt und mitten in die Wildniss. Die Schneewüsten Grönlands sind aber sicher genau so beeindruckender wie die Sandwüsten Afrikas.

    Also dann noch viel spass und eine Schöne Rückkehr nächste Woche.

    Gruss Kim

  3. He

    Kann ich leider nicht sagen das ich beides mag, so weit nördlich war ich bis jetzt leider noch nicht. Überall: Kenya, Süd Sudan, Namibia, Südafrika, Ägypten. Bis jetzt habe ich aber nur im Süd Sudan und Kenya für SIMAS gearbeitet. Sonst war halt reisen angesagt.

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