Tage Teil 2

Der kleine Piepmatz

Der kleine Piepmatz

Ich schlüpfe mit beiden Händen in die großen gelben Kunststoffhandschuhe. Theoretisch sollen sie uns vor Kälte und Nässe schützen. In der Praxis funktioniert das leider nicht. Immer sind sie nass und klebrig, für feinmechanische oder elektronische Arbeiten einfach nicht gemacht. Manchmal muss mit bloßen Händen an den extrem kalten Edelstahl gefasst werden. Wenn man nicht aufpasst kann man sich schmerzhafte “Verbrennungen” zuziehen. Vor der Mittagspause soll der Bohrer noch einmal für einen Run fertig gemacht werden.

Während Adrian mit Hilfe von einem kleinen Besen, Bohrflüssigkeit und Alkohol den Außenmantel des Bohrers reinigt kümmere ich mich um das 3,5 Meter lange Kernrohr. Ein schöner Kern findet gerade genug Platz darin. Von außen sieht es aus wie eine große lange Spindel. Die 3 Messer befinden sich am unteren Ende des Rohrs. Auch ich benutze viel Alkohol um angefrorenes Eis zu entfernen. Kleine Verankerungen, welche den Kern bei der Auffahrt halten, werden nachgezogen. Abschließend werden die Messer noch einmal kontrolliert und fertig ist das Ding.

Zusammengebaut geht der Bohrer wieder auf die Reise. Diesmal übernimmt mein Kollege die Kontrolle und ich darf mich um eine nicht so angenehme Sache kümmern. Dem Chips Spinnen. Beim Bohren fallen kleine Späne, die sogenannten Chips, an. Zusammen mit der Bohrflüssigkeit sammelt sich das Zeugs immer innerhalb des Bohrers. Beim Entladen läuft die klebrige weiße Masse in einen siebähnlichen Kübel. Ziel ist es die Chips von der Flüssigkeit zu trennen um diese dann entsorgen zu können. Die Bohrflüssigkeit wird Recycelt. In der Ecke steht dafür ein größerer roter Wäschespinner bereit.

Ziemlich mitgenommen steht er da und wartet darauf mit der Pampe gefüttert zu werden. Die Schaufel in meiner Hand eignet sich dafür bestens. Deckel zu und abwarten. Mit lautem Gesumme wird die Flüssigkeit aus den Chips in einen weiteren Kübel gedrückt. Das dauert einige Minuten. Ich stehe also da und warte. Schau mich im Trench um. Ein Betttuch hilft die fast trockene Eismasse aus der Trommel zu nehmen und in einen Eimer zu kippen. Das ganze wird gewogen um abschätzen zu können wie viel Späne aufgefangen wurden. 2- bis 3-mal wiederhole ich den Vorgang. Um die 20 Kilogramm sollten es bei einem guten Lauf sein. Keine schöne Arbeit aber da wir ein Team sind muss jeder abwechselnd einmal ran. Ist halt so. 11 Uhr 30 ist es jetzt und Zeit für eine kleine Kaffeepause.

Oben in der Küche sitzt immer noch der kleine Piepmatz am Küchenfenster. Sarah freut sich über den neuen Besucher. Er hat wohl einen guten Platz gefunden um glücklich zu sein. Anscheinend schläft er gerade. Auf dem großen Küchenbrett stehen immer irgendwelche Kekse und Leckereien bereit. Mit zwei großen Schokokuchen und einem Kaffee in der Hand setzte ich mich zu ein paar CFA Kollegen. Sie erzählen von ihren spannenden neuen Gasmessungen. Ich lausche den Gesprächen von denen ich nur die Hälfte wirklich verstehe, geniesse meinen Kaffee und lasse die Seele baumeln. Die Pause ist kurz und es wird Zeit wieder in den Keller zu gehen.

12 Uhr. Ein neuer Run. Adrian fährt die Kiste souverän und es können wieder mehr als 3 Meter gehoben werden. Den Bohrvorgang schließt er kurz vor halb eins. Gut für uns. Die Nachtschicht übernimmt und bekommt einen schönen Kern und auch massig Chips zum auswinden von uns. Da freuen die sich doch. Wir gehen hoch zum Mittagstisch. Bis um 5 Uhr ist erstmal Pause.

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

4 Kommentare

  1. Du schreibst gut, weiter so.

    Wo wascht Ihr Euch; gibt es eine Wasch/Duschzelt?

    Was passiert, wenn man bei -40° eine Stange Wasser abstellt – wird es tatsächlich eine Stange?

    • Hi

      Ich frag mich ja wie du eine Stange Wasser abstellen willst. Aber grundsaetzlich gefriert hier Wasser genau so bei minus Temperaturen wie Zuhause. Geht vielleicht ein bisschen schneller.

      Tschau

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