Energie auf Reisen – Zusätzliche Stromversorgung im Motorradreisekoffer

Levota beim Laden

Levota beim Laden

Nun sitze ich also hier! Santiago de Chile! Am anderen Ende der Welt. Ja – die Weltreise hat begonnen, ganz leise und ohne großes TamTam. Bevor es aber richtig los geht bleiben mir noch zwei Wochen, um meine Spanischkenntnisse aufzufrischen und Kleinigkeiten vorzubereiten. Mein Motorrad ist ja schließlich auch noch unterwegs. Gerade eben bin ich etwas in Gedanken bei meiner Ausrüstung. Meinen Touratech Motorradkoffern hatte ich ein ganz besonderes “Gadget” spendiert. Wer auf der Suche nach einer unabhängigen Spannungsversorgung für Abenteuerreisen ist!

Bitteschön!

Im Vorfeld hatte ich mir viele Gedanken gemacht wie ich meine mittlerweile sehr umfangreiche elektronische Ausrüstung mit der nötigen Energie versorge. Allen voran natürlich meine Kameras von Nikon, Sony und GoPro. Auch mein kleiner 13″ Retina MacBook Pro will unterwegs mit der richtigen Spannung versorgt werden.

Da meine Reise einen hohen Outdooranteil mit sich bringt, musste also eine unabhängige Stromversorgung vom üblichen Hausanschluss gefunden werden. Schließlich will ich ja auch über Tage, vielleicht Wochen, einsame Landschaften erkunden. Als Motorradreisender bietet es sich natürlich an die Energie direkt am Motorrad abzugreifen. Anbei mal die kurze Beschreibung meiner Installation. War mir doch gleich einen extra Artikel wert.

 

Ich bin total begeistert von der Lösung!

 

Wie alles begann:

Alles begann als ich mir für meine Nikon D5100 eine Stromversorgung nach der Anleitung von Gunther von gwegner.de aufbauen wollte. Auf dieser Seite findet ihr die sehr gut beschriebene Anleitung dafür. Gerade für Zeitraffer interessierte eine wirklich geschickte Lösung. Ich hab den Adapter ziemlich genau so nachgebaut. Nur eine 2A Feinsicherung wurde von mir noch nachgerüstet. Für den Fall der Fälle sozusagen. Gunther hat das schon sehr schön beschrieben, weswegen ich hier nicht weiter darauf eingehe. Hier noch zwei Bilder von meinem Aufbau.

 

Spannungswandler Nikon

Spannungswandler Nikon

Spannungswandler und Sicherung

Spannungswandler und Sicherung

 

Zuerst wollte ich die Nikon D5100 über ein vielleicht 10 Meter langes Kabel direkt an der 12V Buchse des Motorrades betreiben. Hauptsächlich natürlich für Zeitrafferaufnahmen über mehrere Stunden. Bei nochmaligem überlegen musste ich mir aber eingestehen, dass die Lösung nur suboptimal war. An den Zeitrafferaufnahmen von Zelt und Co. wird man sich wohl ziemlich schnell satt sehen. Zehn Meter Kabel sind nicht viel und eigentlich wär es doch viel geschickter eine separate, mobile Energiequelle zu haben. Schließlich ist es einfacher eine externe Batterie auf den Berg zu schleppen, als ein 250Kg schweres Reisemotorrad! Bei dem empfohlenen Solarakku XTPower MP-S2300 war ich mir Anfangs nicht sicher, ob dieser meinen Ansprüchen gerecht wird. Aber probieren geht ja bekanntlich über studieren. Als ich das Gerät dann so vor mir liegen hatte, wurde schnell klar, dass es hier für mich noch weit mehr Anwendungsmöglichkeiten gibt als vom Hersteller vorgesehen. Um diese auszunutzen bedarf es aber einiger einfacher Modifikationen.

 

Solarakku XTPower MP-23000:

Der Akku ist ein quasi “NoName” Produkt und wird soweit ich das recherchieren konnte nur hier vertrieben. Deswegen war ich Anfangs etwas skeptisch. Mit 23Ah kommt der Akku mit einer ordentlichen Ladekapazität daher. In Theorie sollte ich damit meinen MacBook mehr als zweimal laden können. Auch die Ladekapazität der Motorradbatterie (knapp 12 Ah) wird locker erreicht. Für den Betrieb der Kameras sehe ich überhaupt keine Probleme oder zeitliche Einschränkungen.

Das Solarpanel kann man gut und gerne als “Spielzeug” sehen. Selbst über Tage bringt das Panel nicht genügend Leistung um die Akkus vollständig zu laden. Aber nun gut – für den Fall der Fälle eine Alternative.

Parameter:

  • Kapazität 23000mAh
  • Ladespannung 15-19V 2000mA
  • Solar-Panel 2,25W
  • USB Versorgung 5V 2100mA
  • Ausgangsspannungen 12V/16V/19V 3000mA
  • Gewicht 653g

 

Anforderungen:

Es ist wirklich schon ein kleines Universum. Jedes Gerät hat seine eigene Ladespannung. GoPro und Mobiltelefon (nicht mehr im Programm) verlangen 5V, die “Nikons” 7,2 Volt, das MacBook 16V und alle anderen Utensilien wollen gewöhnlicherweise mit 12Volt gefüttert werden. Für die Koffer wurden zwei USB-Steckdosen und zwei Standard KFZ Bordnetz-Steckdosen installiert. Das sollte wirklich mehr als genug Möglichkeiten für verschiedenste Ladeorgien bieten. Das ganze Panel kann über einen Schalter vom Bordnetz getrennt werden.

Die Eingangsbuche ist ausschließlich für den XT Power vorgesehen. Gleich dahinter befindet sich ein weiterer Spannungsregler. Die Ladespannung für die Motorradbatterie darf 14,4 Volt nicht überschreiten. Um den Regler nicht zu überlasten hab ich die Spannung etwas niedriger auf 13,75 Volt eingestellt. Der max. Ladestrom beträgt in dieser Einstellung je nach Zustand der Motorradbatterie 1 – 2 Ampere. Dabei hab ich mich am Maximalstrom des Reglers orientiert. Mit einer etwas leitungsfähigeren Variante könnte man hier noch mehr herausholen, die kompakte Bauweise dieses Typs war für den Einbau aber vom Vorteil.

 

Steckdosenleiste vorne

Steckdosenleiste vorne

 

Steckdosenleiste hinten

Steckdosenleiste hinten

Um den Solarakku zu laden, bedarf es einer Spannung von 15 – 19 Volt. Nun kommt das Bordnetz des Motorrades allerdings mit 12 Volt daher. Was tun? Für diesen Zweck hab ich ein schon vorhandenes Ladegerät für das KFZ-Bordnetz etwas modifiziert, sodass ich die zufällig genau passende Ausgansspannung nutzen kann. Das Gerät von Lavolta ist eigentlich zum laden des MacBooks gedacht. So hat es nun also noch eine zweite Funktion bekommen. Vice versa hab ich mir zusätzlich noch einen kleinen Adapter gebaut um das MacBook direkt über den Solarakku zu laden.

 

Lavolta umgebaut

Lavolta umgebaut

 

Der Test:

Aller elektronischer Schnickschnack ist ja immer schön zu haben, wenn es nicht tut was es soll ist er allerdings besser Zuhause im Schrank aufgehoben.

Das Gerät wird wie erwartet über das umgebaute Netzteil geladen. Umgekehrt kann ich die gespeicherte Energie sowohl über die eingebauten Dosen im Koffer oder direkt am Solarakku abgreifen. Das Laden während langer Tagesetappen ist also allemal sichergestellt.

Unter realistischen Bedingungen hatte ich später das MacBook über die !Motorradbatterie! geladen. Am nächsten Morgen war der Computer wieder einsatzbereit, dass Motorrad hingegen hatte keine Power mehr für einen Start. Das ist genau jene Situation die ich zu vermeiden gedenke. Über den Solarakku lässt sich die Batterie ganz wunderbar Laden. Nach knapp zwei Stunden war genügend Saft vorhanden für einen Start. Da war ich doch ziemlich erstaunt.

Vor dem ersten Start sollte man aber noch einen Gedanken an die hohen Startströme verschwenden. Gewöhnlich Starterbatterien können bis zu 200Ampere und mehr ab. Dafür sind sie ja auch schließlich da. Das Problem: Schaltet man nun zwei Batterien parallel, teilt sich natürlich auch der Startstrom auf. Nun sind die Leitungen zum Motorradkoffer für maximal zehn Ampere ausgelegt und auch der Solarakku wird nicht mehr als drei Ampere verkraften. Wären die Akkus direkt verbunden, würden also unweigerlich die Leitungen verschmoren oder (in meinem Fall) die 10 Ampere Sicherung fliegen.

Alles kein Problem, so lange man die zusätzliche Batterie vor dem Motorstart abklemmt. In der Praxis ist das natürlich höchst unpraktisch, will ich ja nicht bei jedem Motorstillstand die Koffer umständlich öffnen usw.. Die Lösung bringt die eingebaute Strombegrenzung des Solarakkus. Bei drei Ampere schaltet das Gerät ab und entkoppelt sich vom Netz. Eigene Strommessungen haben gezeigt, dass dies auch ganz wunderbar funktioniert. Mehr als drei Ampere gibt das Gerät nicht ab und schützt sich somit selber und natürlich auch alle anderen angeschlossenen Geräte.

 

Batterieladung

Batterieladung

 

Fazit:

Nun hab ich also eine von der Motorradbatterie unabhängige Energieversorgung für wirklich alle Geräte die mit auf die Große Reise gehen. Fernab jeglicher Zivilisation kann ich mich also getrost dieser bedienen, ohne unbeabsichtigt mein Motorrad still zu legen. Darin sehe ich denn größten Vorteil dieser Installation. Zwei 12-Volt KFZ-Dosen, zwei USB Dosen und der Solarakkus bieten mehr als genug Optionen externe Geräte zu laden. Der Akku passt leicht in den Rucksack oder kann z.B. mit ins Zelt genommen werden. Im Notfall kann ich sogar die Motorradbatterie laden.

Nun bin ich also gespannt wie lange sich der XTPower bewährt. Ersatz wird es im Ausland wohl nicht all zu schnell geben. Aber mal abgesehen davon – früher ging es auch ohne!

Na dann – schau mer mal!

 

Zusätzliche Bilder:

 

Du hast wirklich soweit gelesen? Respekt!

Dieser Text soll keine Nachbauanleitung im Detail sein, sondern nur als Inspiration dienen. Wer ernsthaft einen Nachbau in Betracht zieht sollte sich gut überlegen was er tut!

Hier noch ein obligatorischer Hinweis. Ich übernehme natürlich keine Garantie:

 

VORSICHT!
MIT INSTALLATION EINER WEITEREN SPANNUNGSVERSORGUNG WIRD IN DAS ELEKTRONISCHE SYSTEM DES KRAFTFAHRZEUGS EINGEGRIFFEN. DADURCH KÖNNEN FÜR DAS KFZ WICHTIGE BETRIEBSKOMPONENTEN BESCHÄTIGT WERDEN!
DIE ARBEITEN SOLLTEN NUR VON QUALIFIZIERTEN FACHKRÄFTEN DURCHGEFÜHRT WERDEN!

 

Klingt doch super! Viel Spaß!

 

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Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

8 Kommentare

  1. Servus Martin,

    du hast in einem Beitrag geschrieben dass der Akku “baden gegangen” ist.
    Was genau ist passiert? Mich würde interessieren ob es am Akku lag oder Konstruktionsbedingt oder einfach eine unglücklicher Hergang?

    Danke.

    Greetz Tobi

    • Moin Tobias,

      mit baden gegangen meinte ich, dass der Akkupack leider über Nacht in einer vielleicht 5 Zentimeter tiefen Pfütze lag. War ein “unglücklicher Hergang” – bis jetzt hab ich das Dingens noch nicht geöffnet. Fehlt mir aber schon irgendwie – war echt super praktisch das Gerät.

      Schönen Gruß

      • Danke für die echt fixe Rückmeldung!
        Shit… verdammt unglückliche Geschichte. Ich hatte schon bedenken dass der Akku qualitativ nicht dass hält was erwartet wurde.
        Bin gespannt was du entdeckst wenn du ihn dann mal aufmachst.

        Greetz Tobi

  2. Hallo Martin,

    ich hab mal eine Frage zu deiner Steckdosenleiste vorne. Ich kann das nicht ganz erkennen – sind die Bordsteckdosen in Reihe geschaltet? Ich hatte zwar Elektrik in der Berufsschule aber nie ausgepasst ;)

    Ich würde mir für mein Motorrad gerne ähnliches bauen. Von der Motorradbatterie mit Sicherung an Wippschalter und von da dann zu 2 Bordsteckdosen + 1 USB-Dose.
    Kannst Du mir vielleicht erzählen welche Sicherung Du hast und ob Reihe oder nicht?
    Vielen Dank!
    Deine Berichte sind prima – lese sehr viel auf deiner HP! Weiter so!
    Gruß Anika

    • Also die Steckdosen müssen unbedingt parallel geschalten sein. Sonst haut das alles überhaupt nicht hin. Das sind aber schon die Super Basics der Elektrotechnik. Meine Leiste hängt an einer 10 Ampere Sicherung vor der Batterie. Wenn du eine USB Dose installierst, achte darauf eine zu kaufen bei der ein Spannungswandler schon integriert ist. Gibts z.B. bei Conrad
      Und für die Koffer unbedingt einen stabilen wasserdichten Stecker.

      Schönen Gruß

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  1. onboard Energie - Strom aus dem Motorradkoffer - 2 Across Down Under - 19. März 2015

    […] i-NET habe ich bei gwegner.de (Stromversorgung für Zeitrafferaufnahmen) und freiheitenwelt.de eine super Lösung dafür gefunden und […]

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