Wenn man eine Reise zweimal tut

Village Tortell Steg...

Village Tortell Steg…

Heute schreibe ich euch mal wieder aus dem fernen Chile. Ich sitze gerade in einem super schicken Hostel in Puerto Montt, sehnsüchtig wartend auf meine Reisekatze, welche gerade eine Generalwartung erhält. Seit ein paar Tagen springt das Motorrad zunehmend schlechter an und mein Reisealltag ist momentan stark von besorgten Gedanken um die KTM 1190 bestimmt. Es geht nicht wirklich voran! Momentan befindet sich meine Reise etwas auf einem Tiefpunkt – es läuft einfach nicht so rund wie ich mir das wünschen würde. So viel zur momentanen Situation. Das geht sicherlich wieder vorbei. Dieser Post soll mehr meinen Gedanken rund ums Reisen gelten. Gerade “wenn man eine Reise zweimal tut!”

Ich hatte an anderer Stelle ja schon mehrmals berichtet, dass ich mit der Weltreise an meine Südamerikareise vor sieben Jahren anschließe. Damals hatte ich große Teile von Südamerika mit dem Rucksack bereist. Sieben Monate war ich, von Argentinien bis Kolumbien, hauptsächlich an der Westküste des Kontinents unterwegs. Vieles ist mir also schon bekannt und ich kann auf eine wunderbare Zeit zurückblicken. Sieben Monate – viel zu kurz für solch einen schönen Kontinent. Genau deswegen bin ich noch einmal hier. Um ein paar “Lücken zu füllen”.

Vier Monate bereise ich aktuell schon Chile, Bolivien und Argentinien. Wie schnell die Zeit vergeht! Tolle Abenteuer konnte ich erleben und ein spannendes Erlebnis reiht sich an das Andere. Dennoch – “wenn man eine Reise zweimal tut” – erlebt man vieles wie im Déjà-vu. Gerade hier in Patagonien stelle ich das immer wieder fest. Oft finde ich mich dieser Tage an Örtern wieder, die mir nur all zu bekannt sind. Vieles entdecke ich dort zwar neu aber das meiste einfach zum zweiten Mal. Was fehlt ist das Abenteuer, was fehlt ist die Lust – Neues zu entdecken, was fehlt ist das Fremde. Eine Reise aufgewärmt und lauwarm, ausgeblichen wie ein altes Foto. Nein – es gefällt mir momentan nicht.

Man findet sich im Blick seines eigenen Spiegelbildes wieder. Ein Foto, aufgenommen am gleichen Ort, vom gleichen Blickwinkel, wie viele Jahre zuvor, regt zum Nachdenken an. Über sich selbst, über die vergangenen Jahre, über alles was sich verändert hat und hauptsächlich was aus einem selber geworden ist. Ich finde diese Erfahrung doch ziemlich interessant und stelle fest, wie sehr man, auf einer solch langen Reise wie meiner, sich zeitgleich auch auf eine innere Reise begibt. Da fällt mir ein Zitat ein, welches mir eine sehr gute Freundin näher gebracht hat. Die Worte sind von Richard Hoffmann, einem deutschen Fotografen.

 

“Der kürzeste Weg zu dir selbst, führt einmal um die Welt!”

 

Welche Worte, wie wahr und in meinem Leben gerade 100% Realität. Ein langer Weg um die Welt liegt noch vor mir und somit auch die innere Reise, die Reise zu mir selbst. Vieles ist vom Zufall bestimmt, so auch die aktuelle Entwicklung meiner Route. So wie die wirkliche Reise, so stockt auch meine innere Reise ein wenig. Bevor daraus eine Endlosschleife wird, muss also was passieren.

Die letzten Wochen hatte ich lange überlegt, ob ich die lange Fahrt bis ins südliche Patagonien wage. El Chalten und El Galafate locken mit einer atemberaubenden Landschaft und auch der riesige Gletscher Perito Moreno lockt, noch einmal erkundet zu werden. Auch der wohl wichtigste Nationalpark dieser Erde, Torres del Paine, ist an Schönheit und Vielfältigkeit wohl kaum zu übertreffen. Danoch zieht es mich nicht wirklich in den Süden. Es fühlt sich einfach nicht richtig an. Zu oft folge ich bekannten Straßen, schließe an Gedanken vor vielen Jahren an. Seit einigen Wochen sehne ich mich nach neuen Erfahrungen, mehr Spannung und Leben im Weltreisealltag.

Am Ende hat mir Katze die Entscheidung abgenommen. In Villa O’ Higgins hat das Motorrad den Dienst verweigert und sträubt sich regelrecht anzuspringen. Mit einigen Tricks ist es zwar noch möglich. Bis ins tiefste Patagonien kann ich so allerdings nicht fahren. Das war es also – mein südlichstes Ziel dieser Südamerikareise liegt schon hinter mir. Um das Problem mit dem Motorrad endgültig zu lösen, habe ich mich auf den Weg nach Puerto Montt gemacht, die nächst gelegene Stadt mit qualifizierten Technikern von KTM.

Somit geht die Reise weiter in den Norden. Chiloe will ich noch besichtigen und die Küsten- und Seengebiete von Chile. Das ist was Neues. Dann der Norden von Argentien, Paraguay und Brasilien. Auf zu neuen Horizonten!

Na – dann schau mer mal! Würde ich sagen…

Bis bald

 

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

8 Kommentare

  1. Hallo Martin!

    Will hoffen, dass Du Dein “Tief” bald überwunden hast und die “Katze” ihren Dienst baldigst wieder aufnimmt.
    Falls es etwas weiterhilft, ich bin ein begeisterter Leser Deiner Reise und Artikel, die wirklich inspirierend sind, wodurch ich wirklich mit dem Gedanken spiele solch eine Reise -wenn vill. nicht in diesem Ausmaß- ebenfalls anzutreten ;)!

    Ich wünsch Dir daher eine wunderbare und ereignisreiche weitere Reise und bin mir sicher, dass Du noch so einiges erleben wirst!!
    Vill. hast Du ja bald mal wieder eine Begegnung der etwas anderen Art, wie in Deinem Bericht mit den bekifften/besoffenen Grenzern ;)!

    Freu mich schon auf weitere Bilder und Artikel….

    Beste Grüße,
    Stef

  2. Hallo Martin,
    auch Tiefpunkte gehören zum Reisen. “aufgewärmt und lauwarm” , vielleicht ist vertraut auch ein Attribut und nicht so negativ belastet. Auf meinen Reisen habe ich einige Regionen mehrfach bereist und war begeistert, wenn ich plötzlich Neues entdeckte. War erstaunt, warum ich das nicht eher gesehen oder gespürt habe. Ganz klar, unsere Aufnahmemöglichkeiten sind begrenzt und Vertrautheit birgt eine Chance.
    Für mich habe ich begriffen, dass es nicht um die Häufung von Quantitäten, sonder um Qualitäten geht. Gerade als Individualisten haben wir da große Chancen, sind wir doch Herr unserer Entscheidungen.

    Eine Gute Weiterreise und spannende Erfahrungen

    • Hi Lutz…

      deinem Kommentar stimme ich 100% zu. Nur wegen der “negativ” belasteten Wörter. Ich genieße trotz der Tiefpunkte jeden Tag der Reise.. Es ist schön und gerade die Freiheit, zu tun was ich will, ist unbezahlbar… Ich will nicht sagen, dass die Länder hier nicht Wert sind ein zweites mal bereist zu werden. Ganz gewiss gibt es hier noch so viel mehr zu entdecken. Denoch zieht es mich weiter, in Regionen die mir nicht so “vertraut” sind… Dort beginnt dann das Abenteuer – und das ist was ich schließlich suche…

      Schönen Gruß

  3. Das klingt gut! Eine solche Reise ist tatsächlich eine innere Reise, und Brüche sind da, um erkannt zu werden!

    Vielleicht sehen wir uns nächste Woche? Kommen am 4. in Santiago an, bleiben bis 6. in der Stadt und machen uns auf in Richtung Puerto Montt. Würd mich freuen wenns klappt :)

    Gruß und halt die Katze am schnurren!
    Sven

  4. Lieber Martin,

    das Gute an Tiefpunkten ist ja, dass es nur noch bergauf gehen kann ;-) Ich wünsche Dir, dass du bald wieder komplett neue Erlebnisse hast, an denen nichts lauwarm ist. Ich freue mich immer wieder über Deine Artikel, auch wenn ich mit Motorrädern normalerweise so rein gar nichts anfangen kann. Alles Gute für die weitere Reise!

    Liebe Grüße,

    Erika
    ulligunde.com

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