Wenn deine Bilder nicht gut genug sind… dann?

Urubamba Feuerwerk

Urubamba und sein Feuerwerk zum Jahrestag von Torrechoco

Vor einigen Tagen hatte ich mir Zeit genommen und die 2007 erschienene Dokumentation “War Photographer” von Christian Frei anzusehen. In dem Film geht es um James Nachtwey einen weltbekannten Fotojournalisten der die Welt in einer Art und Weise dokumentiert, die einem das Herz stehen lässt. Seine Werke waren mir schon vorher bekannt, dennoch hatte ich der Doku immer wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wer den Film nicht kennt sollte ihn sich eventuell besorgen oder zumindest einmal Google bemühen euch ein paar Bilder zu zeigen. Der Film hat schon ein paar Jahre auf dem Buckel, mag sein, das einleitende Zitat von Robert Capa hat dennoch noch immer Bedeutung, wird sogar als “goldene Regel” der Reportagefotografie bezeichnet. Für Herrn Nachtwey gelten die Worte natürlich mit weitaus gefährlicheren Ausmaßen als für einen Reisenden oder gewöhnlichen Fotografen.

 

“If your pictures aren’t good enough, you’re not close enough.”

 

“Wenn deine Bilder nicht gut genug sind, warst du nicht nah genug dran.”

 

Das Zitat hat mir zu denken gegeben und wenn ich mein Bilderdatenbank so durchforste erkenne ich durchaus den Unterschied zwischen starken Bildern und jenen, welche eigentlich reif für den Papierkorb sind. Mit dem “näher sein” habe ich in den letzten 3.5 Jahren auch so meine Erfahrung gemacht. Als Überlandreisender mit dem Motorrad muss ich mich oft wirklich zwingen anzuhalten und nicht einfach an allem vorbei zu fahren. Ein Beispiel aus Kuba: Ein Bauer pflügt mit zwei Ochsen sein Feld nahe der Strasse. Das ist so schon sehr interessant und ein schnelles Foto aus dem Motorradsattel kann gut wirken. Diese Vorgehensweise vermisst allerdings jegliche Nähe zu dem Mann. Ich steige also ab, entledige mich meinen Klamotten und laufe auf den Herren zu. Oft genügt schon ein einfaches Hallo und die Distanz ist gebrochen. Der Mann steht vor mir, wir reden und ich kann ihn anfassen, ihm auf die Schulter klopfen für die eindrucksvolle Arbeit die er leistet. Danach noch ein Portrait oder eine Weitwinkelaufnahme, nur Zentimeter entfernt von den Ochsen, das ist Nähe. Die Fotos sprechen am Ende für sich. Ich rede hier nicht nur von der Distanz zu dem “Objekt”, sondern auch darum wie “nahe” man einem Menschen emotional sein kann. Je intensiver das Erlebnis, desto besser am Ende die Bilder.

 

Ochsenbauer

Mann mir Ochsen in Kuba. Tolles Gespräch auf dem Feld

Mann im Tabakfeld

Tabakbauer in Kuba. Er hatte mir gezeigt wie man Tabak erntet.

 

Bei Landschaften oder in Städten verhält sich das ähnlichen. Man kann einen hohen Berg oder ein beeindruckendes Gebäude schnell und einfach aus der Ferne fotografieren, man kann beides aber auch besteigen oder betreten, den Ort fühlen. Ein Gipfelfoto ist ein Gipfelfoto und ein Foto aus dem Tal eben ein Foto wie es viele machen können. Betritt man ein Gebäude, erkundet es vielleicht bis zum Dach, kennt man es und spürt seine spezielle Atmosphäre.

Zurück zu den Menschen. Jeder Streetphotograph weiß, dass Porträts von Menschen von der anderen Straßenseite keinen Wert haben. Sie sind unpersönlich und normalerweise bedient man sich keiner langen Brennweiten. Eine Person ist nunmal kein Tier. Nur in direktem Kontakt ergeben sich die eindrucksvollsten Bilder von charakterstarken Menschen. Alles andere ist in meinen Augen unhöflich und allen Telezoomfotografen, die mir ständig in Städten über den Weg laufen, möchte ich das einmal zu denken geben.

 

Morgenglück

Vulkan Villarrica zum Sonnenaufgang

Shopping Titicaca - Bolivien

Mädchen steht neben einem Boot mit Lebensmitteln – Lago Titicaca

 

Nähe in diesem Kontext steht für mich immer für Emotionen. Manchmal muss ich über meinen eigenen Schatten springen, um mir eine Situation zu schaffen, eine Vision umzusetzen. Denke doch einmal darüber nach wann du zuletzt beim Fotografieren wirklich etwas empfunden hast? Hast du Bilder erschaffen die der Situation wirklich gerecht werden?

In diesem Sinne wünsche ich euch bei euren Foto-Exkursionen auch einfach einmal mehr Nähe, mehr Intensität und mehr Leben. Ihr müsst ja nicht gleich in den Krieg ziehen. Egal was ihr macht – stellt euch bei allem direkt in die Mitte. Alles andere kommt dann von selbst…

 

Ole

Stierkampf in Urubamba

 

Euer Martin, der gerade mitten im kubanischen Restaurantleben sitzt, und zwar in jenem wo sich kein Tourist blicken lässt. Das wäre zuviel wahres Kuba für die meisten. Und nun hoffe ich noch die Telefonnummer der hübschen Bedienung zu bekommen. Das hat am Ende nicht viel mit der Fotografie zu tun. Mit Nähe und einem erlebnisreichen Reisen aber schon. Fragen kostet nichts…

 


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Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

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