Was los im Norden?

Ankerstübchen

Ankerstübchen

Tja – was ist los, im Norden Deutschlands, zwischen Watt und Wald. Wer den Blog verfolgt wird sicherlich gemerkt haben, dass es die Tage ruhig um Freiheitenwelt geworden ist. Keine Angst, es geht sicherlich weiter. Nach der letzten Grönland Expedition wollte ich mir einfach eine längere Pause gönnen. Das ständige Bloggen kann auf Dauer ganz schön anstrengend sein. Auch meine Nikons hatte ich die letzen Wochen nicht mehr angefasst. Die kleine D90 verstaubt im Regal und die D700 Vollformat Kiste war ohnehin die meiste Zeit in Reparatur.

Der Alltag verläuft ruhig und unspektakulär. Arbeit und Freizeit teilen sich die wiederkehrenden Wochen. Morgens ab ins Büro, abends nach Hause. Hier und da etwas Sport, ein Buch, Besuch bei Freunden, Zeit mit der Familie oder andere Aktivitäten. Um es kurz zu machen. Ich bin wieder im „normalen“ Leben angekommen. Auch dieses Mal hat mich das eine ganz schöne Weile gekostet. Aber nun ist alles wieder beim Alten! Was soll sich auch schon groß ändern?

 

Verlassene Strandkörpe

Verlassene Strandkörpe

 

Nach dem Motto, „Wer das Abenteuer in der Ferne sucht sollte vor der Haustüre anfangen!“, will ich heute weiter die Gegend um Bremerhaven erkunden. Spannende Erlebnisse sollte es vielleicht auch hier zu finden geben! Wenn Wüsten- und Eislandschaften zu weit weg sind muss nun einfach mal das Wattenmeer herhalten. Ich schnappe mir also mein neues Motorrad und fahre sehr spontan die Nordseeküste entlang. Kurve links und rechts, geradeaus, erkunde ich kleine Dörfer und enge Feldwege. Die kleine KTM 690 spielt mir dabei den schönsten „Sound of Singels“. Mal laut mal leise, es liegt in meiner Hand wie der Einzylinder seine Kraft und Musik entfaltet. Es macht einfach nur Spaß. Selten kann ich mich erinnern so viel Freude auf zwei Rädern gehabt zu haben.

Irgendwann finde ich mich auf einem kleinen Weg direkt neben dem Deich wieder. Zur linken das Meer, zur rechten Wiesen, Bäume und ab und an ein Häuschen. Der Deich, erbaut zum effektiven Hochwasserschutz, zieht sich die ganze Küste hinauf. Mehrere Meter hoch versperrt er auch die Sicht auf die Nordsee. Will man diese live erleben kommt man nicht umhin den Hügel zu erklimmen. Ab und an führen dazu kleine Pfade hinauf. Fast schon übermütig lenke ich die KTM ein und erklimme einen dieser Pfade. Natürlich, ist es ja schließlich eine Enduro. Ich staune nicht schlecht als ich die andere Seite erblicke.

 

Buntes Spielschiff

Buntes Spielschiff

 

Nicht unweit des Hügels befindet sich ein alter, verlassener Campingplatz. Zumindest sieht es genau danach aus. Die Saison scheint wohl vorüber. Eine Schotterpiste führt mich fast ganz bis zum Ufer heran. Letzte Meter gehe ich zu Fuß über einen langen Holzsteg. Betreten natürlich „Auf eigene Gefahr!“, wie mich ein Schild des Bürgermeisters aufklärt. Toll ist es hier, richtig schön einsam und frisch fühlt es sich an. Nordseetypisch weht mir eine starke Prise um die Nase. Über mir zieht eine einsame Möwe ihre Kreise. Ich sitze etwas da und schau dem Horizont sehnsüchtig entgegen. Tiefe Wolken ziehen vorbei, von der Sonne ist nichts zu sehen. Während ich verträumt da sitze schiebt sich langsam ein großes Containerschiff in mein Blickfeld und macht mir klar, dass die Großstadt eigentlich nicht sonderlich fern ist.

Auf dem leeren Spielplatz findet sich ein bunt bemaltes Kletterschiff. Der Lack blättert schon ab und zeigt die Spuren eines jahrelangen Spielbetriebs. Kein Kind ist weit und breit zu sehen. Auch zwei alte Strandkörbe stehen sehr unbenutzt und verlassen in der nahen Wiese. Schön bequem könnte man es hier haben, wären sie nicht durch rostige Schlösser gesichert.

 

Betreten auf eigene Gefahr

Betreten auf eigene Gefahr

 

Vor der Rückfahrt schau ich mir noch das schmucke „Ankerstübchen“ an. Ein alter klappriger Bauwagen zur Schenke am Meer umgebaut. Das gute Stück hat eindeutig seine besten Jahre hinter sich. Die Reifen sind platt, der Rahmen völlig von Rost angefressen und die Farben bleichen auch hier langsam aus. Ich stell mir vor wie hier früher wohl ein emsiges Kneipenleben stattgefunden hat. Während ich Fotos mache spricht mich plötzlich ein älterer Herr von hinten an.

„Ja ja – mach nur schöne Bilder von der alten Schenke, ist heute ihr letzter Tag.“ Ich frage nach, „Warum, was passiert denn damit?“. „Wird morgen abgerissen und verschrottet!“, bekomme ich als kurze Antwort.  Na das verleiht der ganzen Szenerie ja fast schon einen melancholischen Charakter. Der Mann erzählt noch etwas von seiner Arbeit als Platzwart und den guten alten Zeiten. Aber diese seien jetzt vorüber, er wisse noch nicht wie es nächstes Jahr weiter geht. „Vielleicht kommt was neues, vielleicht aber auch nicht.“

 

Sahara

Sahara

 

Auf dem Heimweg fahr ich noch an einem umgestürzten Schild vorbei. Durch die Stürme der letzten Tage wurde es wohl einfach so umgeweht.  Ich halte an und versuche mich daran es wieder in die Senkrechte zu stellen. Leider vergebens.

War die Ausfahrt nun bestimmt kein handfestes Abenteuer, aber sicherlich ein kleines Erlebnis. Diese muss es auch mal geben. Die großen Erlebnisse lassen vorerst wieder auf sich warten. Es fragt sich ja auch immer wohin die nächste Reise gehen soll. Beim Blick auf die Motorradreifen der KTM beantwortet sich diese Frage aber eigentlich von selbst.

Ach so – ihr vermisst Bilder vom Watt. Wollte ich doch genau dieses erkunden! Wie das so ist mit der Nordsee und den Gezeiten war die Tide gerade auf Hochwasser eingestellt. Wasser anstatt Watt, soweit das Auge reicht. Beim nächsten Mal aber bestimmt.

Bis bald!

Martin

Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

4 Kommentare

  1. Die Campingplätze außendeichs werden im Herbst ja alle abgebaut, aber falls der ganz dicht macht, wäre das schade. Standen da mal sehr schön mit’m Wohnmobil und haben uns über die ganzen Nackerten gewundert. Der Platz wird von einem Naturistenverein betrieben.

  2. Hallo Bla

    Der Besitzer des Ankerstübchen hat mich zwischenzeitlich angeschrieben und mitgeteilt, dass für nächstes Jahr ein neues Stübchen gebaut wird. Es geht also weiter dort oben – wäre auch schade um den schönen Platz gewesen.

    Gruß Martin

    • Michael Kurzok

      Hallo Martin,

      das neue Ankerstübchen hat seine Feuertaufe bestanden. Pfingsten war hier der Teufel los.
      Wenn Du vorbeikommst, gebe ich Dir ein Bier aus oder einen Kaffee, was auch immer.

      es grüßt Michel

      • Hi Michel

        na das hoert sich doch super an! Wenn ich wieder aus Groenland zurueck bin komme ich gerne darauf zurueck. Bin gespannt!

        Schoenen Gruss

        Martin

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