Venezuela – Ab durch die Gran Sabana

Blick auf die Gran Sabana

Blick auf die Gran Sabana

Tag 1:

Ich verlasse die Hauptstraße von Santa Elena kommend nach knapp 180 Kilometern. Die Karte verspricht Richtung Westen einige interessante Möglichkeiten, um die Gran Sabana noch besser kennenzulernen. Leider war auf der ganzen Strecke das Benzin ausverkauft, was meinen Aktionsradius doch ziemlich begrenzt. Aber mit etwas Glück gibt es ja vielleicht was in Kavanayen Mission, was ich als heutiges Tagesziel festgesetzt habe.

 

Erster Tag Wildcampen

Erster Tag Wildcampen

 

Auf den knapp 80 Kilometern abseits der Hauptstraße begegne ich keiner Menschenseele. Katze tuckert fröhlich vor sich hin, ist sie doch endlich wieder in artgerechten Terrain unterwegs. Ab und an genehmigen wir uns eine Pause, um die Ruhe der Gran Sabana zu genießen. Kurz vor Sonnenuntergang entscheide ich mich dazu doch noch nicht bis nach Kavanayen zu fahren, sondern für heute Nacht ein Wildcamp aufzuschlagen. Ich will die Natur um mich ganz für mich alleine haben. Fünf Kilometer vor dem Städtchen biege ich also rechts ab, was mich über einen schmalen Feldweg zu einer landschaftlich äußerst eindrucksvollen Szenerie führt. Der Weg ist äußerst zugewachsen und macht den Anschein, als wäre hier seit Jahren niemand mehr entlang gefahren. Kaum angekommen wird die Stimmung durch eine wahre Invasion von „Puripuris“ gedämpft. Die kleinen Mücken attackieren jedes freie Hautstück, als hätte es seit Wochen nichts mehr zu essen, oder besser stechen, gegeben. Auch das venezolanische Antimückenspray bringt hier keine Besserung, nein – eher im Gegenteil. Nach der Anwendung durfte ich wie eine frische Zitrone, was den kleinen Biestern wohl besonders gut zu schmecken scheint. Summ summ – Nerv! Nur Bewegung scheint zu helfen. Eingemummt in meine Outdoorjacke laufe ich so von links nach rechts, während mir der riesige Puripurischwarm laut summend folgt. So ist das Zelt zumindest auch schnell aufgestellt.

Ich koche mir ein paar Nudeln und lasse den Tag so langsam ausklingen. Bald fängt es an zu blitzen und donnern. Ein ernstes Gewitter baut sich auf und ich flüchte in mein kleines Zuhause. Zur Nacht muss ich mehrmals das Zelt verlassen, um einige Haken neu zu setzen. Der Wind und Regen macht mir zu schaffen. Dafür haben die Puripuris gerade Sendepause. Immerhin etwas! Es regnet bis zum Morgen. Die Haken haben im sandigen Untergrund nicht genügend halt gefunden und so erwache ich in einem halb gefluteten Zelt. Na toll – denke ich mir,  während ich widerwillig in die ebenfalls noch feuchten Klamotten steige. Zum Frühstück lassen mich meine neuen, kleinen Freunde noch in Frieden. Danach folgt allerdings die große Attacke und somit werde ich von den Miniinsekten, von dem eigentlich sehr schönen Ort, regelrecht verscheucht.

 

Tepuy in der Ferne

Tepuy in der Ferne

 

 

Tag 2:

Ich komme in Kavanayen an und bin sehr erstaunt über die vielen robust gemauerten Häuser. Allgemein wirkt der Ort wesentlich größer also ich gedacht hatte. Ich frage die etwas schüchtern wirkenden Einheimischen (Indios) nach einer Möglichkeit Lebensmittel und Benzin zu kaufen. Auch hier scheint alles ausverkauft. Ich gebe mich vorerst mit drei heißen Pastel mit Käse zufrieden, welche von einer Frau direkt aus dem Fenster heraus verkauft werden. Das beruhigt meinen knurrenden Magen für das Erste. Danach laufe ich etwas zwischen den gleich wirkenden Häusern umher. Auf dem Dorfplatz herrscht ein reges treiben. Insbesondere viele junge Menschen sind dort zu sehen. Sie spielen Fußball, quatschen und mache ihre Späße. Die Jugendlichen sind sehr modern begleitet, was so gar nicht wirklich in dieses Nest passt. Auch die laute Technomusik von der anderen Straßenseite erstaunt mich sehr. Irgendwie werde ich aus dem Ort nicht schlau.

Für umgerechnet knapp 80 Eurocent kaufe ich mir noch sündhaft teuer, für venezolanische Verhältnisse, fünf Liter Benzin von einem netten Herrn am Straßenrand. Dieser ist gerade damit beschäftigt seinen mehr als 35 Jahre alten Chevrolet notdürftig zu reparieren. Die Radaufhängung ist gebrochen und er versucht das Ganze mit einem alten Strick zu befestigen. Mein Ingenieurauge muss da einfach weggucken. Wird schon halten denk ich mir. Der Mann tut was er kann. Da es noch früh am Tage ist entschließe ich mich weiter zu fahren und zwar abseits alle verzeichneten Wege in Richtung Westen.

 

Die große Nussschale

Die große Nussschale

Die kleine Dorfkirche

Die kleine Dorfkirche

Wohin wächst nur der Baum

Wohin wächst nur der Baum

 

Schon bald wird klar, dass ich nun wirklich abseits vom Schuss unterwegs bin. Die Strecke führt teilweise durch ein tiefes Flussbett, welches sich entweder durch riesige Felsen oder weichen, schwarzen Sand auszeichnet. Somit rentiert sich nun doch noch meine Crossbereifung, welche ich für Katze eigentlich für die Transamazonica besorgt hatte. Schon bald wird die Strecke technisch sehr anspruchsvoll und kommt schon einem Trail gleich, zumindest für dicke Reiseenduros wie Katze eine ist. Oft laufe ich schwierige Passagen vor oder suche nach einfacheren Streckenabschnitten. Mehr als einmal staple ich kleine Felsen übereinander, um noch größere Gesteinskanten befahren zu können. Wohin mich das Abenteuer schlussendlich bringt ist mir absolut unklar. Aber am Horizont sehe ich schon einen der für die Gran Sabana so typischen Tafelberge, hier auch Tepuys (Tepuis) genannt. Ist der Motor einmal ausgeschaltet kann man die Ruhe der Gran Sabana regelrecht spüren. Dieser Ort wirkt geradezu magisch auf mich. Man könnte sich sofort in ihn verlieben.

Endstation ist ein kleines Camp nahe des Karuay Wasserfalls. Dort treffe ich auf ein nettes venezolanisches Indiopärchen. Die Beien heißen mich herzlich willkommen und wir schmieden schon bald Pläne für den nächsten Tag. Den Tag lasse ich mit der kurzen Wanderung zum Wasserfall und einem frischen Bad ausklingen.

 

Weg über den Fluss

Weg über den Fluss

 

Tag 3:

Da im Moment keine Touristen vor Ort sind schlägt mir der nette Indio, dessen Namen ich schon nach einer Minute wieder vergessen hatte, eine kleine Wanderung vor. Er muss zu seinem Haus, um sich Lebensmittel zu besorgen und ich könnte ihn einfach begleiten. Es soll ein netter Tagesausflug werden. Den Fluss überqueren wir mit einem wirklich spektakulären Holzboot. Herr Indio hatte jenes in seinen Jugendjahren aus einem riesigen Baumstamm selber „geschnitzt“. Bei der immensen Größe des Bootes kann ich mir nur vage eine Vorstellung der Größe eines solchen Baumes machen. Sicherlich war jener wunderschön. Er meinte es sei ein absolutes Unikat in dieser Gegend, was ich ihm ohne weiteres glauben will.

Die Wanderung führt nach dem Fluss durch ein weites grünes Tal. Wir passieren eine kleine Kirche, welches auch auf die Missionszeit in diesem Land hinweist. Ob er denn an Gott glaube, frage ich ihn. Er meinte dazu nur. Ja er glaube an Gott, an diesen einen und auch all die anderen die dort oben auf den Tepuis wohnen. Auch diese Frage ist somit für mich beantwortet – Religion hab ich noch nie wirklich verstanden. Während der Wanderung fallen mir tiefe verwachsene Flurschäden auf. Herr Indio bringt auch Licht in dieses Dunkel. Vor Jahren gab es hier eine Straße, welche bis in das 70 Kilometer entfernte Kamarata führte, ein Ausgangspunkt zu dem weltweit höchsten Wasserfall. Den Angel-Falls. Die Strecke wurde vor Jahren von der Regierung geschlossen. Gut gemacht! Heutzutage kann man die Stecke noch bewandern, was aber einer Expedition gleich kommt. Der Gedanke, wie es wohl wäre von hier aus bis zu den Angel-Falls zu wandern beschäftigt mich den ganzen Tag. Man darf ja schließlich auch noch träumen.

 

Indio auf dem Trail

Indio auf dem Trail

 

So phantasiere ich vor mich hin, während mein Guide mir hier und da die Natur der Gran Sabana erklärt und mich auf einige Kleinigkeiten aufmerksam macht, die ich so nie gesehen hätte. Er zeigt mir z.B. mehrere winzig fleischfressende Pflanzen und komisch anmutende Insekten. Puripuirs gibt es auch hier, jene zählen hier aber gerade nicht dazu. Später am Tag passieren wir einen weiteren Wasserfall und genehmigen uns eine Pause. Seine Frau schlägt einen anderen Weg ein, um schneller Zuhause sein zu können. In dieser Zeit genehmigen wir uns ein Bad im kühlen Fluss. Das letzte Teilstück führt durch einen dichten Wald. Unberührte, grüne Natur so weit man nur schauen kann. Manche Bäume wachsen in geradezu abenteuerlichen Kurven in die Höhe. Angekommen in seinem Zuhause geht eigentlich alles sehr schnell. Die beiden packen ihre geflochtenen Körbe mit etwas selbstgebackenem Brot, Bananen, Orangen und Honig. Die Frau pflückt nebenbei noch etwas Baumwolle. Daraus will sie später Fäden ziehen, um jene dann weiter zu verarbeiten. Ich blicke mich um und erkenne ein Zuhause, welches an Einfachheit nicht mehr zu überbieten ist. Eigentlich besteht das „Haus“ einfach nur aus einem Dach. Alles darunter steht frei und ungeschützt in der Pampa. Auch so manch „zivilisierte“ Einflüsse sind hier zu erkennen. Eine Motorsäge, Zelte, Plastikflaschen, Taschenlampen und sonstiger Kleinkram, welche den beiden wohl irgendwann in die Hände gefallen ist. Der Rückweg gestaltet sich vice versa. Ein toller Ausflug!

 

Mit dem Motorrad auf Felsen

Mit dem Motorrad auf Felsen

Kavanayen

Kavanayen

 

Tag 4:

Ich breche zeitig auf und fahre zurück nach Kavanayen. Die Strecke ist keineswegs einfacher geworden und verlangt meine vollste Konzentration. Dennoch bin ich wesentlich schneller unterwegs als bei der Hinfahrt. In Kavanayen kehre ich gleich noch einmal bei der netten Frau zu drei Pastel mit Käse ein. Lecker. Die Menschen sind extrem zurückhaltend aber immer überaus freundlich. Es fehlt mir doch noch das Gespür mit den Leuten hier umzugehen und sie einzuschätzen. Ich fahre zur Dorfmitte weiter, um mich im Dorf in einem kleinen Laden mit Lebensmitteln zu versorgen. Heute hat dieser nämlich sogar geöffnet. Ich bin ziemlich erstaunt über das doch umfangreiche Sortiment im Laden. Fotografieren ist verboten, da wohl auch illegal importierte Waren im Geschäft verfügbar sind. Die nette Frau hinter der Theke war doch ziemlich besorgt wegen meiner Anfrage, klärte mich aber schnell über die Situation auf. Ich Stufe das Ganze in die Schublade „interessant“ ein und erkunde das kleine Städtchen weiter zu Fuß.

Es regnet ab und an, was die allgemeine Stimmung etwas trübt. Nahe der Missionskirche treffe ich auf einige Kinder, welche im Spiel mir ihren gebastelten Plastikrohrkanonen auf mich schießen. Ich schieße mit meiner Kamera zurück und schon bald bildet sich ein Kreis von Kindern um mich, welche die Bilder auf dem Display bestaunen wollen. Ich bleibe etwas bei den Kindern und beobachte sie beim Spiel. Heute ist Samstag und somit können Sie so ziemlich tun und lassen was sie wollen.

Später fahre ich weiter zum 110 Meter hohen Aponquao Wasserfall. Die Strecke ist tiefsandig und durch den Regen teilweise sehr matschig. Ich singe einmal mehr ein Loblied auf die groben Stollen, welche mich ohne Probleme nach vorne schieben. Fast zwei Stunden benötige ich für eine Strecke von vielleicht 30 Kilometern. Der Abend verläuft ziemlich ruhig und es passiert nicht mehr viel aufregendes. Alleine nächtige ich in einem riesigen Camp in meiner Hängematte. Zum Glück sogar ohne Puripuris.

 

Kinder in Kavanayen

Kinder in Kavanayen

Mission in Kavanayen

Mission in Kavanayen

 

Tag 5:

Da gibt es nun also diesen 110 Meter hohen Wasserfall von dem alle sprechen. Schon in Santa Elena wurde mir vom Aponguao erzählt. Für viele Reisende steht die Natursehenswürdigkeit auf dem Standardprogramm. Neben den 10-mal höheren Angel-Falls zählt dieser Wasserfall hier in der Gegend zu den höchsten. Dennoch ziehe ich ohne große Erwartungen mit dem Guide los. Ohne Führer geht es hier leider nicht weiter, nicht weil der Track nun so sonderlich schwierig wäre, sondern weil zuerst ein Fluss mit dem Boot überquert werden muss. Der mehr oder weniger nette Mann vor Ort wollte mich perdu nicht alleine gehen lassen. Ich hätte ihm sogar das gleiche Geld für die Flussüberquerung gezahlt wie für die Wanderung (5 Euro). Aber nein – „Die Wanderung zum Wasserfall muss aus Sicherheitsgründen mit einem Guide sein!“ Wie auch immer. So watschele ich also dem Herrn hinterher. Er zeigt soviel Begeisterung für die Natur wie ein Hund für Gemüsesuppe. Ehrlich – Mr. Indio zwei Tage zuvor war begeistert von seiner Heimat und konnte mir viel vermitteln, dieser Herr hier scheint mir in seinem Tagestrott gefangen. Ich konnte nur erfahren, dass er die Tour normalerweise mit mind. 20 Touristen zweimal am Tag macht. Als einzelne Person bin ich für ihn wohl nicht wichtig genug. Ich halte einen sicheren Abstand, um mir die Stimmung von ihm nicht all zu sehr vermiesen zu lassen. Es fällt mir schwer. Ich höre das Wasser langsam rauschen und ein Funke von Aufregung lässt sich spüren, welcher sich aber nicht zu purer Freude aufbaut. Nach knapp einer halben Stunde sind wir dann am Wasserfall.

 

Flußüberquerung mit dem kleinen Boot

Flußüberquerung mit dem kleinen Boot

 

Mr. Führer streckt die Arme in die Höhe und heißt mich willkommen. Gut – der Aponguao ist schon sehr beeindruckend, allerdings bin ich mit meinen Gedanken überhaupt nicht frei und auf die Situation eingestellt. Alle das Plastik, die leere Bierdosen und auch die künstliche Absperrung in der Nähe irritieren mich zu sehr. Für einige Minuten sitze ich da und blicke dem in die Tiefe rauschenden Wasser hinterher. Nach knapp 15 Minuten weiße ich den besten Führer der Welt an mir wieder voraus, zurück in das Camp zu watscheln.

Auf dem Weg zurück entdecke ich einen zweiten Wanderweg. Ich frage dem Guide was denn dort zu finden sei. Er meint dort gäbe es eigentlich nichts, außerdem sei es ein weiter Weg zu wandern. Mir geht dieser Typ wirklich auf den Keks. Ich weiße ihn an hier auf mich zu warten und stapfe an ihm vorbei alleine den Weg entlang. Und siehe da! Schönheit gibt es auch noch dort wo man sie nicht erwartet. Ich entdecke auf dem Nebenpfad einige Pflanzen und Bäume, welche mir während der ganzen Zeit in der Gran Sabana verborgen blieben. Leider ist nur niemand da, welcher mir mehr dazu erzählen kann. Somit erfreue ich mich daran einige Fotos zu schießen und zwischen den Gewächsen wie in einem Labyrinth umher zu laufen. Nach eineinhalb Stunden kehre ich zurück. Wenig später verlasse ich den Ort mit einem trüben Beigeschmack. Schade, wenn die Einheimischen keinen Wert mehr in dem sehen was sie umgibt.

 

Apanguao Wasserfall

Apanguao Wasserfall

Blume in der Gran Sabana

Blume in der Gran Sabana

 

Ich bleibe für einige Minuten im nur fünf Kilometer entfernten Iwarka. Es ist Sonntag und die Menschen spielen auf dem Dorfplatz Volleyball und Fußball. Ich sitze einfach nur da und beobachte das Leben um mich. Einige Menschen begrüßen mich, aber es ergibt sich kein wirkliches Gespräch. Es ist schon wirklich erstaunlich, wie die Leute hier von einem Dorf zum anderen anders gestrickt sind. All das macht es für mich nicht leichter das Land einzuschätzen. Ich beobachte eine Gruppe, wie sie zu sechst auf einem kleinen Motorrad versuchen über den sandigen Untergrund zu fahren. Hier in Venezuela geht einfach alles.

Da es noch ziemlich früh ist fahre ich weiter. Für den letzten Abend im Nationalpark will ich noch einmal ein Wildcamp aufschlagen. Dafür folge ich einen ziemlich verlassenen Weg in Richtung Norden. Die Strecke ist eine wahre Katastrophe. Intensiver 4×4-Verkehr hat hier Flurschäden verursacht wie ich sie noch nie zuvor gesehen habe. Der sandige Untergrund wurde an manchen Stellen bis zu fünf Meter tief weggespült. Irgendwie fühle ich mich auch selber nicht mehr gut hier mit meinem Motorrad zu fahren. Es fühlt sich irgendwie nicht richtig an über solch geschundenes Land zu fahren. Dennoch fahre ich weiter auf der Suche nach einem Camp. Jenes finde ich in der Nähe von einem Fluss. Diesen zu passieren ist zu risikoreich. Stattdessen schnappe ich meinen Rucksack und laufe den am Horizont ersichtlichen Bergen entgegen. Ich hoffe für den letzten Abend noch einmal einen schönen Sonnenuntergang erleben zu können.

 

Sechs Menschen auf Motorrad

Sechs Menschen auf Motorrad

Stark beanspruchte Strecke

Stark beanspruchte Strecke

 

Knapp 45 Minuten wandere ich den Weg entlang. Während die Sonne sich langsam verabschiedet erkunde ich die Gegend. Ich folge einem kleinen Fluss und vernehme auf einmal ein immenses Rauschen wahr. Nun spüre ich den Abenteuerfunken, welchen ich am Vormittag so vermisst hatte. Kaum fünf Minuten später stehe ich an einer Kante über welche der Fluss einfach zu verschwinden scheint. Leider kann man nichts sehen und somit erkunde ich die Umgebung noch weiter. Ein kleiner Wanderweg führt mich schließlich zu einer Lichtung, von welcher aus ich auf einen weiteren vielleicht 50 Meter hohen Wasserfall blicken kann. Nicht schlecht denke ich mir. So werde ich zum Ende des Tages doch noch irgendwie belohnt. Selbst die Puripuris können meine Freude nicht mehr dämmen.

Ich blicke der Sonne ein letztes Mal hinterher, wie sie sich am Horizont hinter dicken Wolken verabschiedet. Danach laufe ich im Halbdunkel zufrieden zurück zum Motorrad, genehmige mir ein Bad im dunklen Fluss, errichte das Camp, koche meine geliebten Nudeln und lasse den etwas chaotischen letzten Abend in der Gran Sabana so langsam ausklingen.

 

Der unbekannte Wasserfall

Der unbekannte Wasserfall

Extreme Flurschäden

Extreme Flurschäden

Das kühle Bad

Das kühle Bad

 

Tag 6:

 

Der Abschied. Um 5 Uhr morgens schlüpfe ich aus dem Schlafsack und bereite alles für die Abfahrt vor. Zum Frühstück gibt es noch das letzte bisschen Müsli aus Brasilien, eine Orange und etwas Erdbeertee. Meine Lebensmittel sind nun völlig aufgebraucht. Ich genehmige mir noch ein einsames Bad im Fluss, kämpfe mit den Puripuris und packe schlussendlich zusammen. Ich will ziemlich zeitig bei der Hauptstraße sein und weiter in Richtung Norden von Venezuela fahren. Noch einmal fahre ich der geschundenen Strecke, entlang der wirklich beeindruckenden Landschaft, entlang. Das Wetter ist bestens und somit genehmige ich mir einige Pausen.

Es fällt mir schwer mich mit einem letzten Blick von den Bergen am Horizont zu verabschieden. Ptari, Urariba, Sororopan, Matak – das sind die vier wichtigsten hier. Ich folge einer anderen Strecke zurück und passiere irgendwann ein Holzschild und eine Sperre aus aufgeschüttetem Schotter. Ups – auf jenem Schild steht geschrieben, dass ich in einem eigentlich gesperrten Bereich unterwegs war. Die Landschaft befindet sich hier in der Rekonstruktionsphase und muss sich erholen. Das erklärt nun natürlich vieles. Die Zeit kann ich nun nicht mehr zurück drehen. Zum Glück habe ich außer ein paar Reifenabdrücke im Schotter nichts zurück gelassen. Jene werden mit dem nächsten Wind verziehen und ich hoffe das die Gran Sabana hier nun die Ruhe erfährt die sie verdient. Zurück bei der Hauptstraße geht das Abenteuer Venezuela weiter.

Ich verlasse die Gran Sabana und bin gespannt was nun auf mich zukommt.

 

Der letzte Sonnenaufgang

Der letzte Sonnenaufgang

 

Euer Martin – ich freue mich auf Kommentare ;-)

 

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Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe Ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

2 Kommentare

  1. Kannst naechstes Mal beim Baden n close up machen? diesmal nicht von den Stiefeln … ;)
    Spass bei Seite – schoen dass du nochmal alleine losgezogen bist! Das Sonnenaufgangsbild is absolut bezaubernd. Genau was ‚Gran Sabana‘ vor meinem inneren Auge immer war, bevor du sie fotographiert hast.
    Danke!

  2. hola…..ein toller artikel, ich war einige mal in der gran sabana unterwegs, noch von KM88 aus auf der alten roten schotterstrecke, leider ist es heute eine asfaltierte strasse bis santa elena oder weiter bis boa vista…..venezuela ist ein tolles land. ich lebe seit 20 jahren hier und immer wieder treffe ich neues …..lg aus choroni.

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