Put In (Tag 1)

Ankunft der Ausrüstung mit Hubschrauber

Ankunft der Ausrüstung mit Hubschrauber

Was für ein erlebnisreicher Tag, stundenlange Action. Es ist jetzt kurz vor 24 Uhr und ich liege schon halb in meinem Schlafsack während sich diese Zeilen schreiben. Die Augen fallen schon fast zu, die Energie ist dem Körper entzogen. In mitten einer bizarren Eislandschaft steht mein grünes Zelt. Unten alles weiß, die Sonne strahlt vom blauen Himmel. Hügel so weit das Auge reicht. Kleinere Wasserströme bahnen sich ihre Wege durch das Eis. Mit einer angenehmen Ruhe und leisem Plätschern laufen sie irgendwo in das Ungewisse. Einer davon direkt am Zelt vorbei. Nicht lange wird es mehr dauern bis er mich in den Schlaf wiegt.

Gleich morgens fliegen wir mit dem B3 Helikopter los, steigen zuvor bei laufendem Rotor in die Kabine. Der Pilot sitzt vorne rechts und zieht das Fluggerät schon nach kurzem hoch. Sand wirbelt sich auf und verschlechtert kurz die Sicht. Bevor ich es richtig begreifen kann fliegen wir schon über den Gletscherrand am Point 660. Die endlose (wie oft habe ich das Wort schon benutzt?) Eisformationen werden aus der Luft erst richtig in ihrem Ausmaß erkannt. Ich bin einfach nur noch begeistert von den Momenten und genieße jede Sekunde des Fluges. Selbst Frank scheint nach all den Jahren in der Polarforschung noch etwas aufgeregt zu sein und die besondere Aussicht zu genießen.

Wir setzten auf, gebückt steigen wir aus und laufen, über das Eis, weg vom Heli. Der Wind unter den Rotoren weht uns saftig um die Ohren. Nicht lange bleiben seine beiden Kuffen am Boden. Ich sehe dem Heli direkt von unten hinterher, bis er schließlich endgültig auf dem Rückweg ist. Es kehrt Ruhe ein. Nur ein paar Seesäcke und die Notfallkisten umgeben uns nach dem Take-off. Ausgesetzt irgendwo, mitten auf dem gewaltigen Gletscher, genial.

Wir gehen auf Erkundungstour um geeignete Plätze für den Bohrer und das Camp zu suchen. Es dauert eine Weile bis wir gute Spots finden. Auf einer Ebene direkt neben einem kleinen Fluss soll es sein. Im 20 Minuten Takt liefert unser roter Luftquirl die Ausrüstungsgegenstände auf die knapp 600 Meter dicke Eisschicht unter unseren Füssen. So schnell, dass stellenweise beim Umsortieren die Zeit knapp wird und wir kaum hinterherkommen. Große Mickymäuse über den Ohren schützen vor dem tobenden Lärm des Motors und der Rotoren. Ich weiße die Ladung ein und kommuniziere via Handzeichen mit dem Pilot über mir. Unglaublich schnell stellt er die Waren hin, pickt andere Gegenstände, welche umgestellt werden müssen, und nimmt leere Tragekörbe, Ketten und Schlingen mit zurück. Den ganzen Tag geht es so weiter.

19 Uhr – der Pilot fliegt nicht mehr weiter. Letzte Benzinfässer und die übrige Mannschaft werden morgen einfliegen. Wir teilen die Aufgaben auf. Das Zeltlager muss noch aufgebaut werden, eine Kochmöglichkeit bereitgestellt werden. Während ich mich um die Zelte kümmere wird versucht einen Gaskocher zum Laufen zu bringen. Leider scheint ein wichtiges Teil zu fehlen und die Aktion misslingt. Wenigstens heißes Wasser wäre super, etwas Tee, Kaffee oder gar eine Suppe wünschen wir uns. Der AWI Generator funktioniert leider auch nicht, ein geplatzter Benzinschlauch verhindert das der Motors anspringt. Paul packt noch seinen kleinen Notfallgenerator aus,  welcher aber auch nicht auf Anhieb anlaufen will. Nach einiger Zeit gelingt es doch den Stromerzeuger anzuschmeißen. Was für ein Glück. Einen Wasserkocher haben wir ja und es gibt erstmal jede Menge 2 Minuten Nudeln und heiße Getränke bevor es in den Schlafsack geht.

Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

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