Oh Boy! Urlaub oder Weltreise bitte…

Gedanken am Meer

Gedanken am Meer

Dieser Tage ist wieder ordentlich was los in meinem (Reise)alltag. Oh Boy – wird mir wieder was abverlangt! Einmal mehr wird mir klar, dass solche eine “Weltreise” keineswegs nur die große Entspannung oder gar ein Urlaub ist. Träumer und Lebenskünstler aufgepasst! Die Globetrotter Realität kann mitunter auch anstrengend sein. Nach dem Grenzchaos in Venezuela und den gigantischen Umweg von knapp 9000 Kilometern durch Brasilien, den Amazonas, zurück nach Peru und weiter in den Norden, dachte ich jetzt die Reise nun einmal so richtig schön laufen lassen zu können. Ecuador und Kolumbien – Yepaaaa. Das Finale der Südamerikareise in den beiden Traumländern sollte doch in vollen Zügen ausgenutzt werden können. Palmen, Strand und Caipirinha klingen vielversprechend. Wäre doch gelacht! Planlos, wie immer, kommt es eben schneller als gedacht, wie so oft, zur Planänderung.

Zumindest sind es derzeit wenigstens sehr abwechslungsreiche Tage, keinesfalls langweilig, schreiben wir es einmal so. Katze streckte vor zwei Wochen die Flügel und ich komme aus dem stauen, hier in der Werkstatt von KTM Ecuador, überhaupt nicht mehr heraus. Das Herz von Katze liegt auf einem vielleicht drei Meter langen Tisch, ausgeschlachtet bis ins kleinste Detail, vor mir. Kolben, Federn, Ventile und sonst noch so einiges Metal stapelt sich nebeneinander, als wollte ein ambitionierter Künstler das beeindruckendste Deckenmobile Südamerikas daraus basteln. Ein Motomobile sozusagen. Cooles Word – ist mir eben eingefallen. Oh Boy zum zweiten – wo bin ich nur mit meinen Gedanken! Wenn die Welt um einen zusammenbricht muss man sich zumindest im Kopf lustiges vorstellen. Punkt! Genug des Leids. In diesem Artikel will ich kein neues Katzenlied singen, vielmehr möchte ich über den ein oder anderen Gedanken schreiben, welcher mich die letzen Monate so beschäftigt. Gedanken zu einem Leben auf ständiger Reise.

Urlaub oder Weltreise bitte! Nach nunmehr fast drei Jahren Reiseerfahrung, vielen Höhen und Tiefen, großen Abenteuern und ruhigen Zeiten ist eigentlich nur noch wenig von der einstigen perfekten Vorstellung der “Großen Reise” zu Beginn meines Weltreiselebens übrig geblieben. Oft bekomme ich Nachrichten, wie es denn so ist – ständig im Urlaub zu sein. “Du lebst meinen Traum, mein Leben”, heißt es so oder in ähnlicher Form in dem ein oder anderen Kommentar. “Ich möchte auch einmal gerne raus aus meinem Trott”, in einem anderen. Klar – im Internet gibt es tausende spannende Geschichten von den unterschiedlichsten Globetrottern. Reisende sind einfältig. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad, Auto oder Motorrad, alle schreiben sie spannende Geschichten und scheinen nicht müde zu werden die glorreichsten Momente unter das große Volk zu mischen. Das inspiriert und ermutigt noch mehr Menschen den großen Schritt zu tun. Das ist auch gut so und vor vielen Jahren wurde auch ich von so manch anderen Abenteurern und Menschen, die es geschafft haben sich selbst zu verwirklichen, angetrieben mein Leben in die Hand zu nehmen und dem gewöhnlichen Gesellschaftssystem, wie es ein Land wie Deutschland mit sich bringt, zu entfliehen.

 

Was ist der Preis für die Freiheit?

 

Schnell kann auch ein Weltreiseleben zum Alltag werden. Zum Trott? Hoffentlich nicht, dennoch fühlt es sich mitunter manchmal aber auch genau so an. Die Tagesabläufe ähneln sich, man spielt sich im Reisealltag ein und findet auch hier seinen eigenen Rhythmus. Auch bei mir hat sich über lange Zeit mitunter genau solch ein Gefühl eingestellt. Versteht mich nicht falsch! Was ich sagen will ist, dass sich eine gewisse Routine einspielt. Anfänglichen Problemen begegnet man mit anderen Herangehensweisen, stellt fest, dass es vielleicht gar keine Probleme gibt. Die Reiseeindrücke werden anders wahr genommen und verarbeitet. Ich bin mehr als glücklich dieses ungebundene und zumeist freie Leben führen zu können. Und ganz klar passiert so einiges. Neue Bekanntschaften inspirieren, Probleme, Pannen müssen gelöst werden, es wird geplant für die Weiterreise, hier und da tun sich ganz neue Möglichkeiten auf und man lässt sich schon auch gerne einmal treiben. Als ziemlich planloser Weltenbummler ergibt sich das zumeist von ganz alleine. Ich denke was das angeht erreiche ich bald Profiniveau. Ein gewisser “Flow” ist dennoch stetig sehr wünschenswert, es soll ja schließlich auch weiter gehen.

Tage wie diese holen mich aus meiner gedanklichen Reise dann immer wieder schnell zurück. Es ist nicht gut für die Seele eines Globetrotters, wenn der Reisefluss für lange Zeit unterbrochen ist. Es fehlen Impulse, es fehlen neue Gedanken und Inspirationen. Urlaub von der Weltreise – danke nein! Schneller als man sich umschauen kann bastelt man sich sein Alltagsleben zurecht, steckt sein Territorium ab, schiebt sich sein Leben zurecht. Ja – man baut seinen persönlichen Komfortbereich aus. Komfort ist schön, sorgt aber nicht unbedingt dafür sich mit neuen, unbekannten Themen auseinander zu setzen und dadurch persönlich zu wachsen.

Mit dem Lauf der Zeit fängt man auch an die Welt mit anderen Augen zu sehen. Man fängt an anders zu denken und es findet eine Art Entfremdung von der Umwelt statt. Stefan von HowFarCanWeGo hatte vor kurzen über eine Alienifizierung geschrieben. Das trifft es irgendwie doch ziemlich genau. Wenngleich wohl niemand so recht weiß wie ein Alien eigentlich empfindet, sollte es sie geben. Ich persönlich nehme zum Beispiel scheinbar unwichtige kleine Momente viel mehr wahr als ich es vor Jahren getan habe. Das erfüllt mich mit Glück und Freude, zum Teil aber auch mit tiefster Traurigkeit. Die Impulse sind der unterschiedlichsten Art. Eine einsame Blume in einer tristen Mauer, das Lachen eines kleinen Kindes, ein Gruß von der anderen Straßenseite, ein toter Hund, ein Obdachloser der Lebensmittel aus dem Mülleimer fischt, der zornige Polizist, ein Raubvogel welcher vom Himmel stürzt um seine Beute zu fassen, ein Nagel im Motorradreifen, ein leichter kühlender Windstoß, ein umfallendes Fahrrad, eine blinkende Straßenlampe und so vieles mehr.

Wer Urlaub sucht – sucht für gewöhnlich Entspannung, Ruhe und Gedankenlosigkeit. Auf Weltreise kann man sicherlich auch das finden. Zum Großteil fordern die vielen Eindrücke aber genau das Gegenteil. Das ist großartig, schön und einzigartig. Das fördert den Geist und erweitert den Horizont um ein vielfaches. Einfach ist es hingegen nicht und man darf sich nicht in der Isolation verlieren. Somit sind wir am Ende dieses Artikels wieder beim normalen Leben. Auf Reise oder Zuhause darf man sein Umfeld nicht vergessen, seine Mitmenschen und alles was ein Leben eben lebenswert macht. Einfach mal “normal” zu sein und kein “Aussteiger” das sollte eigentlich gut tun. Ich gebe mir Mühe.

In diesem Sinne – ich gebe Katze nun einen Arschtritt – die kuckt mich von hier aus nämlich nur dumm an und tut so als wäre nichts gewesen. Wird nämlich Zeit für “Ready for Adventure”. Kürbisköpfe verstehen die Ironie.

Euer Martin – Lost in Ecuador

 

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Über viele Jahre erkundet er unseren Planeten. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

Ein Kommentar

  1. Hallo Martin. Was du schreibst ist auch mir bekannt. Ich für mich habe mich nach dem ersten Jahr unterwegs entschieden nur noch etwa ein halbes Jahr zu reisen und den Rest “zu Hause” zu verbringen. Zu Hause wird für dich auch dort sein, wo dein Motorrad steht, aber es gibt ja noch ein ehemaliges Zuhause. Dort wo Familie und Freunde sind, dort wo du vielleicht einmal dein Alter verbringst. Ich freue mich zurückzukehren, im Wissen, dass ich in ein paar Monaten wieder frisch motiviert zu meiner Twin zurückkehre, der 9. Teil meiner Reise führt mich zum dritten Mal nach Zentralamerika. Gestartet bin ich 2008 – und habe diesen Entscheid noch nie bereut. Dir weiterhin alles Gute und weitere tolle Er-Fahrungen!

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