Nikon Capture NX-D Erster Test – Schau mer mal

NX-D

Seit knapp einen Monat bietet Nikon seine „neue“ Software Nikon Capture NX-D als Beta zum Download an. Da ich hier grad in einer Luftblase gefangen scheine, hab ich mir den Spaß erlaubt, einmal kurz die Software zu installieren und etwas damit herum zu spielen. Seit mehr als drei Jahren bin ich rundum zufrieden mit dem hochgelobten Lightroom von Adobe und strebe sicherlich keinen Umstieg an. Dennoch, frei nach dem Motto, „Schau mer mal“, war ich doch etwas gespant, was Nikon da zusammen gebastelt hat. Habe ich meine ersten Gehversuche in der digitalen Bildverarbeitung schließlich mit dem Vorgänger, Capture NX-2, gemacht.

Da sich die Softwareschmiede NIK von Nikon getrennt hat, war es auch an der Zeit, dass Nikon was eigenes auf die Beine stellt. Für den teuren Vorgänger gab es ja schon Ewigkeiten keine Upgrades mehr. Eingefleischten Nikon Usern blieb also nur übrig, die Software so zu nehmen wie sie ist oder, was sicherlich die Mehrheit bevorzugt, eine Software von Fremdherstellern zu nutzen.

Der Vorteil einer firmeneigenen Software besteht darin, dass das RAW-Format, bei Nikon NEF genannt, ohne jegliche Kompromisse gelesen werden kann. Mehrere wichtige Kameraeinstellungen werden auch übertragen. D.h. das Foto sollte am Bildschirm im Optimalfall genau so wie auf dem Display der Kamera dargestellt werden.  Erfahrenen Fotografen ist dies ziemlich egal, da die „Roh-Datei“ ja ohnehin nachbearbeitet wird. Im Falle von Nikon sehe ich darin allerdings schon einen Vorteil, da die „Presets“ der meisten Nikon Kameras (Standard, Neutral, Vivid, Monochrome, Porträt, Landscape) schon sehr gute Ergebnisse liefern. Gerade wenn ein Foto mal schnell griffbereit sein soll.

So wie die meisten Kamerahersteller, gibt auch Nikon die Details des RAW-Formats nicht frei. Den Softwareschmieden bleibt nur übrig das Format so gut als möglich nachzuahmen. Was ziemlich gut funktioniert! Wer es ganz genau meint kann sich mit verschiedenen User-Presets behelfen, um die Darstellung der Fotos der Nikonsoftware anzupassen. Aber das ist nun wieder ein anderes Thema, auf das ich hier nicht weiter eingehen will. Persönlich hab ich das schon lange aufgegeben, da wie einen Absatz weiter oben geschrieben – es eigentlich keine Rolle spielt. Zurück zur NX-D.

 

Die ersten Gehversuche:

 

Capture NX-D Thumbnails

 

Es handelt sich um eine Beta-Software, deswegen erwarte ich auch keine einwandfrei laufende Software. Ich arbeite mit einem aufgemotzten MacBook Pro 13″ Retina. Nach der Installation war das Programm schnell gestartet und macht auf den ersten Blick einen schönen Eindruck. Nach der Auswahl eines beliebigen Fotoordners war dann aber schon Schluss. NX-D hat sich aufgehängt. Gut – nächster Versuch. Ich komme schon weiter und ziemlich fix werden die Thumbnails geladen. Bei der Auswahl eines Fotos dann der nächste Hänger. Aller guten Dinge sind es ja bekanntlich drei und wäre die Software nicht gelaufen würde ich hier sicherlich nicht weiter schreiben.

NX-D lässt jede Ähnlichkeit zu Capture NX-2 vermissen und ähnelt mehr einem erweiterten View NX-2. Dem bis dato kostenlosen Viewer. Links befindet sich wie üblich der Browser, mittig, je nach Darstellungsart, die Bilder und rechts die eigentlichen Entwicklungstools. Als erstes suche ich die Picture Control Presets, die sich auch schnell finden lassen. Die Bilder werden wie erwartet glasklar dargestellt und die Qualität ist wirklich erstklassig. Dabei werden die Einstellungen der Kamera eindeutig übernommen. Somit bietet NX-D den oben genannten Vorteil einer äquivalenten Bilddarstellung zur Kamera. Weißabgleich, Belichtungskorrektur, Kontrast, Sättigung, Schatten, Lichter und D-Lighnting etc. sind leicht zugänglich. Leider laden die Bilder etwas langsam bis jedes Detail dargestellt wird.

 

NX-D Histogramm

NX-D Histogramm

Positiv überrascht hat mich der Histogramm Editor mit dem es sich wirklich sehr schön arbeiten lässt. Gefält mir sogar besser als das Minidingens bei Lightroom. Weiter unten, etwas versteckt, finden sich ebenfalls weitere Menüs. Am wichtigsten wohl jene zur Rauschreduzierung, zum Nachschärfen und zu den Objektivkorrekturoptionen.

Soviel zum Entwicklungstool – es scheint alles da zu sein was man erwartet.

Nikons Capture NX-D ist ein reines Entwicklungstool und bietet daher keine Katalogoptionen mit dem Umfang a la Lightroom an. Wer allerdings mit der Sortierung seiner Bilder in Ordnerstrukturen zurecht kommt, kann sich gut der Labels und „Sterne“ bedienen. Die Filter funktionieren wie schon bei den Vorgängern einwandfrei. Die verschiedenen Anzeigemodi sind absolut ausreichend und über F kann auch ein Vollbildmodus aktiviert werden. Das war in Vergangenheit komischerweise nicht all zu selbstverständlich. Natürlich werden auch alle Metadaten ausgelesen. Auf die Schnelle konnte ich allerdings keine Möglichkeit finden Schlagwörter zu setzen oder einen Editor für IPTC-Vorgaben. Da dies früher möglich war, wird dies in der finalen Version sehr wahrscheinlich inbegriffen sein.

Soweit so gut!

 

Fazit!

Durchforstet man einmal das Netz nach der Software, findet man nicht viele positive Kommentare zu Nikons neustem Werk. Ich sehe das ganze nicht so wild! Sicherlich wird sich der ein oder andere Capture NX-2 Nutzer was anderes wünschen. Aber man muss mal sehen, was man hier für lau geboten bekommt. Nämlich einen RAW-Entwickler für das Nikon-File-Format, der durchaus alles bietet was man sich wünscht. Es handelt sich um eine Beta Version und vielleicht packt Nikon ja noch ein paar nette Features mit ein. Eventuell sogar eine Option um die beliebte NIK Filter samt U-Point Technologie zu nutzen. Was sicherlich nicht umsonst wäre. Aber dann wäre die Software durchaus ein starkes Tool und dem Vorgänger ebenbürdig.

Für alle Neueinsteiger in das Thema RAW-Entwicklung ist Capture NX-D sicherlich einen Blick wert. Ich würde den Teufel nicht an die Wand malen und dem ganzen einfach etwas Zeit geben. Wer die nicht hat und gleich komplett durchstarten will kann sich ja Lightroom, Aparture oder sonst was zulegen. Also ich hab schon schlimmere Entwicklungsprogramme gesehen.

Hier geht’s direkt zum Download http://beta.nikonimglib.com/

Und hier noch ein Fullscreen Screenshot! Einfach mal draufklicken.

 

Nikon Capture NX-D Fullscreen

Nikon Capture NX-D Fullscreen

 

 

 

Noch mehr Zeugs

 

Gesamtbewertung

Benutzerfreundlichkeit 8
Geschwindigkeit 7
Funktionsumfang (RAW-Entwickler) 8
Preis/Leistung 10
Gesamt
8.3 Great!

Pro und Kontra

Umsonst
Perfekt für NEF Nikon Files
Langsamer Bildaufbau
Kein U-Point
Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

5 Kommentare

  1. Hallo Martin,

    vielen Dank für deinen ersten Eindruck und Test.
    Ich versuche auch gerade, mich in Capture NX-D einzufinden. Die Tatsache, dass die Nikon NEFs zu 100% korrekt interpretiert werden können und Capture die Kameraeinstellungen ebenfalls 1:1 übernehmen kann, ist ein Riesenvorteil zu Lightroom, auch wenn ich das „Gesamtpaket“ Lightroom dann wohl doch weiter nutzen werde und Capture nur für spezielle Bildoptimierungen einsetzen werde.

    Eine Frage habe ich allerdings zur Schärfung, vielleicht hast du da die gleichen Erkenntnisse. Wenn ich ein Bild in der Voransicht mit einer Stärke von 100% schärfe, dann gefällt mir das Ergebnis ausgesprochen gut. Die Schärfe ist überragend, eine gewisse „Weichheit“ bzw. Natürlichkeit bleibt erhalten. Die Ergebnisse sind beeindruckend. Dieser Eindruck entsteht aber leider nur, weil das Bild in der Voransicht runterskaliert wird

    Wenn ich das Bild nun z.B in 800px-Breite ausgebe. dann ist der Schärfeeindruck ein vollkommen anderer.
    Schön wäre es, wenn Capture NX-D die Schärfe in der (skalierten) Vorschau so zeigt, wie Sie dann in der Größe nach der Ausgabe auch wirklich sein wird.
    Ansonsten ist das ein Blindflug und ich muss subjektiv total überschärfen, damit mein Export normal scharf wirkt.
    Ich hoffe, ich konnte mein Anliegen einigermaßen verständlich formulieren.

  2. Servus, Martin,

    habe Deine Fleißarbeit im digitalen Orkus gefunden – bin Einsteiger in die Digitalfotografie und habe mir zu meiner fabelhaft neuen Nikon D3300 die Software Capture NX-D geladen. Frage: Lassen sich denn die bearbeiteten Fotodateien auch exportieren? Ich finde leider keinen entsprechenden Button…

    Danke für kurze Info,
    schönen Gruß!
    Bernd

    • Hi

      natürlich lassen sich die bearbeiteten Bilder exportieren. Da müsste irgendwo der Button „Konvertieren“ zu finden sein. Ich selber benutze Lightroom.

      Schönen Gruß

  3. Danke für dieses Info.
    Habe eine D5300 mir ganz neu zugelegt und arbeite mit PSE. die Raw-Dateien habe ich mit dem Adobe Konverter verarbeitet. Allerdings gefallen mir die ersten Ergebniss mit Capture DX viel bessern, das ist zumindest mein erster Eindruck.
    Gruß

    • Die Ergebnisse sehen auf den ersten Blick besser aus, da Capture DX die informationen aus den NEF(RAW)-Dateien besser interpretieren kann als z.B. Lightroom. Mit einigen User Presets erreichst du mit andere Software aber auch das gleiche Ergebnis. So oder so – viel Spaß damit.

      Martin

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