Millionenstadt Santiago – Der Anfang ist gemacht

Grafiti Santiago

Santiago de Chile – eine Millionenstadt. Der Anfang der Reise ist gemacht!

Wie so oft auf Fernreisen finde ich mich wieder im Getümmel vieler Menschen, wildem Gehupe, nervigem Verkehr, Smog und Lärm. Sechs Millionen Menschen leben hier, zwischen den Bergen der Anden und der ziemlich nahe gelegenen Küste zum Pazifik. Nein – ich bin kein großer Fan dieser „Megacities“. Auf Fernreise für mich immer irgendwie ein nötiges Übel, ein Wegpunkt ohne Ausweichmöglichkeiten. Da macht auch Santiago de Chile keine Ausnahme.

Mir fehlt schlichtweg die Freiheit mich frei zu bewegen, die Natur, die Stille und das Abenteuer. Nichtsdestoweniger mache ich mir eine schöne Zeit in der Stadt, deren Charme und Schönheit sich mir nicht auf den ersten Blick erschließt. Die Menschen hier sind alle überaus freundlich und mit etwas Spanisch im Gepäck kommt man hier schnell ins Gespräch. Die Kommunikation hackt mitunter noch etwas, aber es ist ja schließlich noch kein Meister vom Himmel gefallen. Deswegen gibt es täglich etwas Sprachunterricht, um meine Spanischkenntnisse noch einmal etwas aufzupolieren.

 

Baum und Santiago

Ich wohne bei einer sehr netten Gastfamilie, natürlich waschechte Chilenen oder besser „Santiagoaner“. Die Wohnung ist klein und ich nächtige im Bett des Sohnes, während dieser die Nächte mit seiner Mutter im Bett verbringt. Für mich eine etwas sonderbare Situation. Unaufhörlich knattern Autos, Busse und abnormal laute Motorräder am Haus vorbei. Der Lärm ist wirklich äußerst grenzwertig. Den ganzen Tag rütteln die Fenster. Fünfzehn Jahre lang leben sie schon zu dritt in dieser Wohnung. Die Familie vermittelt mir mitunter einen ganz anderen Blick auf Santiago. Zum Abend erzählt die Mutter äußerst lebhaft und temperamentvoll Geschichten der Stadt und des Landes. Sie erzählt von ihrem Leben und schwärmt dabei bei jeder Gelegenheit von Ihren beiden Kindern. Stolz ist sie auf diese, ja eindeutig, aber das Leben scheint auch nicht sonderlich einfach für die Familie zu sein.

Mit der Geburt des zweiten Kindes hat sich der Vater einfach aus dem Staub gemacht. Hat Familie und Kinder links liegen lassen und sich ohne ein Wort verabschiedet. So bahnen sie sich also alleine Ihren Weg durchs Leben. Stolz sind sie alle – Chilenen zu sein – und können sich ein Leben in anderen Ländern gar nicht vorstellen. Wenn ich Ihnen von meinem Vorhaben erzähle, fällt es Ihnen schwer dies zu begreifen. Warum so lange reisen? Warum so weit weg von der Familie? Tja – das ist alles nicht so einfach zu erklären. Täglich versuche ich mich daran, ihnen ein Stück weit mehr von meinen Beweggründen mitzuteilen. Ob sie es nun, nach dem Ende meines zweieinhalbwöchigen Aufenthalts, verstanden haben, wage ich allerdings immer noch zu bezweifeln.

 

Bunt Strasse Santiago

Mit meinem fast schon chronischen Desinteresse an großen Städten gebe ich mich ganz dem gewöhnlichen Altagsleben hin. Ich finde es spannend den Menschen bei ihrem Tun und Handeln zuzusehen. Dem Verkäufer am Straßenrand, der versucht seine wenigen Waren an den Mann zu bringen. Den Artisten die zwischen den Autos Kunststücke vorführen, mit der Hoffnung auf etwas Kleingeld. Dem Geschäftsmann, der eilig zur Metrostation läuft, telefonierend und in Hektik. Dem Taxifahrer, der lauthals singend in seinem Auto sitzt. Dem Obdachlosen, der eingehüllt in Decken am Straßenrand schläft. Den vielen streunenden Hunden, die fast wie tot in mitten der Straßen liegen. Den Schachspielern nahe des Plaza de Armas, welche eine Gelassenheit an den Tag legen die ihresgleichen sucht. Den Obstverkäufern, die abseits der Märkte zentnerweise Orangen stapeln. Den Feuerwehrmännern, die fast schon im stundentackt, lärmend an unserem Haus vorbei fahren. Der Verkäuferin im „Tante Ema Laden“ ums Eck, welche mich morgens immer mit einem großen herzlichen Lächeln begrüßt.

Dies sind nur einige der Eindrücke die sich in meinem Geiste gerade wieder ins Leben rufen, während ich diese Zeilen schreibe. Ein buntes Leben also, „fast“ wie in jeder großen Stadt. Santiago die Chile lebt! So oder so.

 

Gittareroshop

Einige male erkunde ich die Stadt auf eigene Faust, begebe mich zum Zentrum der Stadt und besuche den sehr bekannten Aussichtspunkt „Cerro San Crisobal„. Die Aussicht auf die Stadt, inmitten der wunderschönen Bergkulisse der Anden, ist wirklich eindrucksvoll. Mitunter ist das Panorama aber immer in dicken Smog eingehüllt. Auch hier gibt es viele Besucher, Wanderer und Fahrradfahrer. Bunt und schön anzusehen ist der Stadtteil Bellavista. Viele Hauswände sind kunstvoll mit Graffitis geschmückt. Kleine, oder besser, große Kunstwerke finden sich an jeder Straßenecke. Die Gegend ist auch bekannt für seine schönen Restaurants, Bars und Nachtcafes. Hier findet ein emsiges Nachtleben statt, welches auch mir so einiges an „Kopfzerbrechen“ beschert hat.

Hohe Wohnblocks zeichnen das Stadtbild. Wie Pilze aufgereiht stehen diese nebeneinander. Egal in welchem Stadtteil, scheint diese Art zu Wohnen hier sehr beliebt zu sein. Oft findet man auch direkt neben alten, historischen Gebäuden moderne Häuser mit Glasfasaden, in denen sich der Himmel und mehr spiegelt. Ein ziemlich gegensätzliches Bild, aber auch Santiago muss sich wohl von Zeit zu Zeit etwas neu erfinden. Die Stadt scheint zumindest auch in der Moderne angekommen zu sein. Ganz eindrücklich wird dies vom größten Gebäude Chiles, dem Gran Torre, bewiesen.

 

Schön war es am Ende dennoch hier. Ich schreibe nun in der Vergangenheit, da ich mich momentan schon in Valpariso befinde und auf mein Motorrad warte. Eine weitere Stadt mit einem ganz anderen Charakter. Die Zeit in Santiago de Chile ist vorbei. Das kurze Leben inmitten von Millionen auch. Und mich zieht es definitiv hinaus aus den großen Städten des Landes. Ich werde berichten…

Die Kamera hab ich die letzten Tage nur sehr wenig benutzt. Ein paar Fotos sind aber trotzdem entstanden mit einer, wie ich denke, sehr passiven Sicht auf die Stadt.

 

Hier noch ein Galerie meiner Eindrücke:

 

 

Bis bald!

 


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Martin

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

Ein Kommentar

  1. Hallo !

    Deine Berichte sind wirklich super spannend! Nachdem mich Reisen (soweit das eben in jungen Jahren möglich ist :D ) + Fotografie faszinieren, bin ich hier wohl richtig.
    Im Moment leiste ich einen einjähirgen Freiwilligendienst in Chile ab – habe aber dabei „nur“ 3 – 4 Wochen im Sommer und 1 -2 Wochen im Winter Zeit zum Reisen (zusammen mit 2 anderen Mädels.). Nachdem es hier aber gefühlt unendlich viele Sachen zum Anschauen gibt, wollte ich fragen ob du sowas wie eine „Must-have-seen“ – Liste hast, da wir gerade dabei sind unsere Routen ungefähr zu planen.
    Viele Grüße,
    Regina

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