Kleine Foto Tricks: Bildgestaltung Farbe, Sättigung und Kontrast

Der gleiche Ort - anderer Stil

Der gleiche Ort – anderer Stil…

Diesen Nachmittag war wieder etwas Zeit mich meinem Lightroomkatalog zu widmen. Ich wollte einige Bilder aussuchen die ich in Icapui, einem kleinen Küstenstädtchen nahe Fortaleza (Brasilien), geschossen hatte. Ich war einige Tage vor Ort. Es waren ruhige Tage, entspannende Tage. Ich hatte eine Traumunterkunft direkt am Meer. Täglich war ich zum Sonnenaufgang bzw. Sonnenuntergang mit meinen Kameras unterwegs. Hauptsächlich wollte ich die für Brasilien etwas untypische Gezeitenunterschiede in ein Timelapse packen. Das ist mir auch sehr gut gelungen. Mehr dazu irgendwann an anderer Stelle. Ein schicker kleiner Artikel sollte es werden. Für gewöhnlich versuche ich hier auf Freiheitenwelt den Bildern eines Artikels einen einheitlichen Stil zu verpassen. Irgendwie war es mir aber bei der Auswahl von Bildern einfach nicht möglich einen Stil zu finden, der die allgemeine Stimmung wiederspiegeln konnte. Zu unterschiedlich waren die Aufnahmen obwohl sie keine 200 Meter voneinander entstanden sind. Somit gibt es nun keinen Reiseartikel sondern den Kleinen Foto Trick Teil 3.

Die digitale Dunkelkammer bietet ja allerlei Möglichkeiten an einem Bild herum zu spielen. Ich arbeite schon seit langem ausschließlich mit Lightroom. Die Software bietet für mich einfach alles was ich so als “Reisefotograf” benötige. Ganz selten greife ich zu Photoshop. Das ist schlichtweg ein Zeitfaktor. Während meiner Weltreise bleibt mir überhaupt nicht die Zeit alle Bilder zu sichten. Meistens picke ich mir ein paar wenige Bilder heraus, die ich für vorzeigenswert halte. Der Rest landet im Nirvana meiner externen Festplatten und (hoffentlich) irgendwo sicher als Backup. Für später – versteht sich! Somit gibt es nur wenige Bilder die ich wirklich bearbeite – diese aber dann immer etwas ausgiebiger. Ich fühle mich manchmal gedrängt schneller arbeiten zu müssen. Aber was solls – Fotografie ist für mich noch immer ein Hobby und soll vor allem eins: Spaß machen!

Wenn ich mir meinen Workflow (Nach einigen Grundeinstellungen wie Objektivkorrektur etc.) genauer betrachte, beschränken sich die ersten Schritte im wesentlichen immer auf das Gleiche.

  • Bildfarbe (Weißabgleich)
  • Kontrast
  • Sättigung
  • Farbe oder Schwarzweiß

Das sind wirklich die Grundwerkzeuge. Mehr braucht es meistens nicht. Da ich wie oben geschrieben für diese Bilderserie keinen einheitlichen Stil finden konnte, müssen die Bilder einfach auch einmal eigenständig funktionieren. Im Quadrat zu denken bringt einen ohnehin nicht weiter.

Hier also die sechs Bilder. Ich will kurz erläutern warum ich mich für den ein oder anderen Bildstil entschieden hatte. Für euch soll dieser Artikel eine Anregung sein, einfach einmal etwas mehr mit den vielen Schiebereglern zu spielen. Sucht euch doch ein schönes Bild und bearbeitet mehrere virtuelle Kopien.

 

217 - ISO 320 50mm f/5,0 Martin Leonhardt

217 – ISO 320 50mm f/5,0

 

Die alte Rostlaube war mir schon bei der Ankunft in Icapui aufgefallen. Altes Holz, Rost und dazu noch etwas Farbe eignet sich immer gut für das eine oder andere Foto. Wegen der Farben war ein SW-Foto ein gefühltes NoGo. Ich wollte das Bild möglichst natürlich erscheinen lassen. Deswegen war außer einer kleinen Kontrast- und Sättigungsanpassung hier nichts nötig. Eine leichte Vignettierung und Körnung rundet das Gesamtbild ab.

 

Fischer nicht heute ISO 250 50mm f/3.5 Martin Leonhardt

Fischer nicht heute – ISO 250 50mm f/3.5

 

Dieser Herr ist eigentlich Fischer. Kurz bevor ich mit ihm gesprochen hatte, waren seine Kollegen mit einem kleinen Boot zum Meer hinaus gefahren. “Mir geht es heute nicht gut”, sagte er mir. Er bleibt einfach Zuhause und will den Tag anderweitig genießen. Die Mauer im Hintergrund hatte eine wirklich schreckliche Farbe und hat von seiner Person zu sehr abgelenkt. Deswegen also hier ein SW-Bild das ich mit einem mittleren Kontrast versehen habe.

 

Ebbe ISO 200 35mm f/4,0 Martin Leonhardt

Ebbe – ISO 200 35mm f/4,0

 

Dieses Bild ist wohl eines meiner besten von Sonnenaufgängen. Die Wolken, das Boot und das seichte Wasser bildeten eine perfekte Kombination. Den Lichtern habe ich eine rötliche Teiltönung gegeben. Den Schatten hingegen einen bläulichen. Diese Einstellung verwende ich sehr gerne bei Sonnenuntergangs bzw. Sonnenaufgangsaufnahmen am Meer. Das gibt dem Ganzen noch einen deutlichen Farbkontrast. In diesem Fall eine Mischung zwischen kalt und warm. So sind Sonnenaufgänge eben.

 

Boot ISO 200 10mm f/8,0 Martin Leonhardt

Boot ISO 200 10mm f/8,0

 

Noch ein Wrack. Der Dampfer hier ist auch schon seit längerem nicht mehr auf dem Meer gewesen. Eigentlich auch eine ziemlich farbenfrohe Erscheinung. Dennoch hat mich die SW-Variante mehr gelockt. Das ziemlich starke Gegenlicht fand ich so einfach stimmungsvoller. Die Lichter wurden leicht gelb eingetönt. Der Kontrast wurde auch hier kräftig nach oben geschoben.

 

Blick durch Wrack ISO 560 50mm f/5,0 Martin Leonhardt

Blick durch Wrack – ISO 560 50mm f/5,0

 

Bei diesem Bild hatte ich lange überlegt, ob es reif für die Tonne ist oder doch irgendwie interessant. Die Perspektive durch das alte Boot auf das kleine in der Ferne finde ich sehr gut. Ein Fischersmann darauf hätte noch sehr gut hinein gepasst. Aber so ist das eben – wenn man einen braucht ist keiner da. Auch hier hatte ich die Teiltönung wie bei dem Bild vom Sonnenaufgang weiter oben angewandt. Hier auf meinem Rechner wirkt das kleine Boot gestochen scharf. Die hohe Sättigung fand ich sehr passend. Als kleines extra, um den Blick noch mehr in die Mitte zu lenken, gab es noch eine Vignettierung oben auf.

 

Auf das Meer ISO 200 50mm f/5,0 Martin Leonhardt

Auf das Meer – ISO 200 50mm f/5,0

 

Das ist mein Lieblingsbild der Serie. Auch wenn es so erscheint, als hätte ich die Sättigung heraus genommen, ist dies überhaupt nicht der Fall. Die Sonne war zu der Zeit schon ziemlich hoch gestanden, was den fast schon weißen Himmel erklärt. Außer eines wärmeren Lichtes, mit Hilfe des Weißabgleichreglers, hat dieses Bild nicht viel mehr über sich ergehen lassen müssen. Gerade deswegen finde ich es fast schon genial.

 

Für die Aufnahmen war ich mit folgendenen Objektiven unterwegs. Sigma 10-20mm f/3.5, Nikon 50mm f/1.4, Nikon DX 35mm f/1.8. Kamera Nikon D7100.

 

So – das war es soweit – ich hoffe ihr hattet Spaß beim lesen.

Falls dir der Artikel gefallen hat freue ich mich über ein Kommentar. Du willst mehr über ein bestimmtes Foto hier auf Freiheitenwelt wissen oder hast andere Ideen für ein kleines Tutorial? Bitte las es mich wissen.

Tschau Martin

 

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Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

2 Kommentare

  1. Hallo Martin!

    Schöne Fotos!

    Was mir fehlt: ein Vorher-Nachher-Vergleich. Gerade bei dem Foto mit der farbigen Wand hätte mich interessiert wie ablenkend sie ursprünglich war.

    Mach weiter so und weiterhin tolle Erlebnisse und einzigartige Lichtstimmungen.

    Bis demnächst

    Thomas

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