Blick aus dem Zelt (Tag 8)

Blick auf den Russelsgletscher zur Mittagszeit

Blick auf den Russelsgletscher zur Mittagszeit

Es ist 4 Uhr Nachmittags, die Sonne steht hoch und der blaue Himmel ist leicht bewölkt. Irgendwo steht ein kleines Zelt in mitten der hügeligen Eislandschaft. Die grüne Zeltplane raschelt leise im Wind, Bergschuhe, Ohrenschützer und ein Eispickel liegen schlafend davor. Durch die ständige Eisschmelze um das Zelt ragt es schon fast einen halben Meter in die Luft. Eine rechteckige Säule hat sich gebildet, welche ein solides Fundament bildet. Kleine Wasserlöcher sind unregelmäßig um das Zelt verteilt. Über Monate in das Eis eingeschmolzen und verformt. Kleine Wasserströme laufen plätschern still vor sich hin. Fast schon idyllisch wirkt die Szenerie, wären da nicht die Generatoren des Tiefenbohrers zu hören, welche ununterbrochen vor sich hin rattern.

Drinnen dreh ich mich gerade ein letzes Mal herum, ausgeschlafen nach der Nachtschicht öffnen sich die Augen. Die Schlafsäcke sind total zerwühlt und nicht mehr vor Nöten. Zu warm ist es im kleinen Raum und leicht begleitet liege ich oben auf. Eine kleine Alukiste mit den persönlichen Sachen steht neben der Matratze, umgeben von Kameraequipment, Klammotten und sonstiger Ausrüstung. Sonderlich ordentlich ist es nicht aber dafür sehr bequem. Das Zelt ist schon offen um etwas Frischluft herein zu lassen. Ich schiebe die Plane zur Seite und überblicke die weite Landschaft. Guten Morgen, oder Nachmittag, wie auch immer.

Am Horizont, kilometerweit entfernt, sind kleine Berge zu erkennen welche nicht zum Gletscher gehören. Zuvor befindet sich die gewaltige Abbruchkante. Ohne ersichtliches Ende drücken die gewaltigen Massen des Inlandeises in die Richtung bis das Eis am Rand der Spannung nachgibt und in die Tiefe stürzt. Auch das Zelt bewegt sich ständig auf die Kante zu. Viel zu langsam um noch in diesem Leben bis dort hin zu wandern. Das Eis Grönlands hat seinen eigenen Lebenszyklus, Jahrhunderte sind wohl Sekunden gleich zu setzten. Dieser enormen Ruhe in sich selbst ist es wohl zu verdanken, dass die Eismassen eine solch beruhigende Atmosphäre ausstrahlen. Diese schlägt sich auf meine Seele nieder und gleicht sie aus. Ja ich bin gerne hier und freue mich über jede Minute in welcher ich ein Teil der Energie des Eises aufsaugen kann.

Martin Leonhardt

Martin ist Gründer und alleiniger Redakteur von Freiheitenwelt.de. Fotografie und Reisen sind seine große Leidenschaft. Seit knapp zwei Jahren erkundet er Amerika. Er schreibt auch gerne Reportagen für einschlägige Magazine. Willst du mehr über Martin wissen? Schreibe ihm einfach eine Nachricht oder nutze eines der sozialen Netzwerke.

Ein Kommentar

  1. Da kann Mann neidisch werden, wenn Du zeigst was Du dir alles real bei der harten Arbeit ansehen kannst! Also beeindruckend was du dir alles erarbeitet hast! Bis bald mal wieder und weiterhin soviel Erfolg bei deiner Arbeit!

Kommentar verfassen